Candygirl (Michael Merhi / Redrum Verlag)

Bobby war nicht böse. Das Leben war böse. Die Umstände waren böse. Sein Vater, ja der war abgrundtief böse, aber er? Bobby? Niemals! Das zwölfjährige Mädchen Candygirl gerät in die Fänge des Zuhälters „Schweineschwarte Bob“, der ihr das Leben zur Hölle macht. Der sadistische Mann setzt alles daran, das zwölfjährige Mädchen sowohl seelisch, als auch körperlich zu brechen. Wie ein Stück Vieh wird das junge Mädchen gebrandmarkt und von einem perversen Kunden an den anderen weitergereicht. Und was war mit Bobby? Bobby interessierte es einfach nicht, ob es kleine Mädchen oder Jungs waren, er nahm sie beide gern, schließlich waren es doch Gottes Kinder und der Mann hasste Gott. Abgrundtief!

Ich muss zugeben, ich war schon immer ein Freund von knallharter Lektüre und nach einer gewissen Zeit fühlte sich alles so gleich an. Die ganzen Bestsellerautoren, Namen sind ja weitreichend bekannt, konnten meinen Bedarf an Blut, Gewalt und menschlichen Abgründen nicht mehr ausreichend decken. Durch Zufall lernte ich jemanden kennen der mir eine Menge Verlage nannte bei denen es weit über das was ich bisher gelesen hatte hinausging. Also wühlte ich mich in den folgenden Wochen durch verschiedenste Klappentexte. Die Entscheidung fiel mir schwer, also suchte ich mir einen Verlag aus, der etwas mit einem anderen sehr geschätzten Autor gemeinsam hatte. Meine Wahl fiel auf REDRUM. Auch hier ist die Auswahl unerschöpflich an interessanten Büchern, also wie entscheidet man sich. Der Verlagsinhaber Michael Mehri hat selber ein Buch veröffentlicht, also was liegt da näher als sich das Buch vom Chef persönlich zu bestellen?

Das Buch ist schon etwas älter um genau zu sein von 2016 und trotzdem hat es mich in den Bann gezogen. Zuerst einmal die Hauptfigur Bobby, nein die ist nicht böse oder etwa doch? Der Autor verurteilt nicht und bewertet nicht, jedem steht es frei selbst zu entscheiden. Vom Vater missbraucht, von Schülern gehänselt tagtäglich von Gewalt umgeben. Was soll aus so jemandem werden, am Anfang noch an das Gute glauben und immer wieder auf die Fresse fallen. Kann das alles sein? Nicht wenn man Bobby heißt alias Piggy alias Schweineschwarte, denn dann setzt man sich zur Wehr. Die Jahre machen einen härter und gemeiner weil man merkt, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt sich keiner mehr traut etwas zu tun. Angst und Respekt werden ihm entgegengebracht. Im Rückblick wird dann von einer etwas anderen Liebesgeschichte erzählt die ganz gewaltig aus dem Ruder läuft.

Dann wieder ins jetzt was uns zu der zweiten Protagonistin führt, die hat einige Probleme auch in ihrer Vergangenheit zu bewältigen gehabt, aber das größte steht ihr bevor. Es ist Bobby der sich durch sie an die oben genannte Liebesgeschichte erinnert wird. An das Mädchen mit der er den ersten Sex hatte. Sie ist minderjährig was Piggy nicht davon abhält ihr alles zurückzuzahlen was ihm das Mädchen aus der Vergangenheit angetan hatte. Die sexuellen und gewalttätigen Szenen die geschildert werden müssen sein um die Welten der beiden Hauptfiguren zu beschreiben. Bobby will sein Eigentum, eben dieses Déjà-vu, brechen. Sie das Mädchen zum falschen Zeitpunkt an den falschen Orten kämpft mit sich um das Überleben und um ihr selbst.

Wie der Kampf ausgeht? Nein Spoilern gibt es nicht bei mir.

Meine Meinung: Ein Buch das fesselt und sich sehr leicht lesen lässt. Michael versteht es die Figuren zum Leben zu erwecken. Die Gewaltdarstellung, die sexuellen Beschreibungen mögen zartbesaitete abschrecken. Kindesmissbrauch ist ein Thema in einer Tabuzone und doch souverän beschreibt der Autor diese Szenen ohne Wertung und überlässt dem Leser die Beurteilung.

Ich fand das Buch spannend und es hat mich gut unterhalten und ich freue mich schon auf das Buch das in wenigen Wochen als zweites erscheinen wird.

Da ich mit Nachnamen MAUER heiße denke ich werde ich in Zukunft bei solchen Buchbesprechungen Mauersteine vergeben. Hier sind es auf jeden Fall

5 von 5 Mauersteinen

Thomas Mauer

Geboren 1970 in Kaiserslautern, entwickelte sich mein Lesegeschmack nach Karl May schnell hin zu extremeren Dingen wie Thriller und Horror. Da ich old-fashioned bin, müssen Bücher für mich aus Papier sein. Ich mag den subtilen wie den brachialen Horror. Den Scharfsinnigen und feinen Thriller bis hin zum wütenden Serienkiller. Wichtig ist es muss mich mitnehmen, meinen Alltag vergessen lassen. Bücher sind für mich das Fernsehen der Fantasie.