66 + 67 – Der Schatten über Innsmouth

Grusekabinett-66+67Im Winter 1927/28 führten Beamte der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika eine streng geheime Untersuchung in dem alten Hafenstädtchen Innsmouth in Massachusetts durch. Während dieses Einsatzes wurde eine große Anzahl morscher, wurmstichiger Häuser im verlassenen Hafenbezirk niedergebrannt oder gesprengt. Warum dies nötig wurde, davon weiß ein junger Mann zu berichten, der nun endlich sein Schweigen bricht …

TrennstrichHoward Phillips Lovecrafts Geschichten werden, meiner Meinung nach zu Unrecht mit zu viel Lobeshymnen gefeiert. Handelt es sich bei seinem Werk sicherlich um eines der dichtesten und in sich homogensten Universen, so sind die Geschichten doch stets nur mit einer Menge an Geduld und Langmut zu lesen. Es handelt sich fast ausschließlich um Erzählungen, denen meistens das „Leben“ fehlt – auch wenn der Horror vorhanden ist.

Im Heimatland des Schriftstellers, der USA, gibt es diverse Hörspiele und Lesungen, welche sich mit dem Werk Lovecrafts beschäftigen. Die wohl ausführlichsten Bearbeitungen findet man beim „Dark Adventures Radio Theater“, welches von der H.P. Lovecraft Historical Society ins Leben gerufen wurde. Die vier größten Geschichten wurden als Hörspiel vertont, darunter auch „The Shadow over Innsmouth“, von 2009, und „At the Mountains of Madness“.

Beide Geschichten findet man ebenfalls als Hörspiele im Programm von Titanias Gruselkabinett. Wo die Bearbeitung der „Berge des Wahnsinns“ sich erfreulicherweise weit weg von der Geschichte in seiner ursprünglichen Erzählform bewegt – das Negativbeispiel liefert hier das amerikanische DART ab – so sind sich beide Adaptionen des „Schatten über Innsmouth“ recht ähnlich.

Beide Produktionen arbeiten mit großflächig angelegten Monologen, welche die Geschichte um und über Innsmouth aus den verschiedensten Blickwinkeln erklären. Zum einen ist da der junge Student „Robert Olmsteadt“, welcher auf seiner Reise nach Arkham, zur Miskatonic University, im Städtchen Newburyport versucht eine Zugpassage zu erstehen. Da diese ihm jedoch zu teuer ist, nimmt er mit dem billigeren Busticket vorlieb, welches ihn aber durch die fahr mit dem Bus eines seltsamen Gesellen nach Innsmouth bringt. Somit wäre schon einem die Erzählsicht des Hauptakteurs im Kasten.

Zu Robert gesellen sich der Fahrkartenverkäufer in Newburyport, die Museumsangestellte Anna Tilton und der Innsmouther Saufbold Zadok Allen. Jeder erzählt seinen Part der Geschichte und zusammen mit Robert bilden diese vier Stimmen das komplette Paket des Hörspiels, welches zwar noch mit 10 anderen Stimme belebt ist, welche jedoch nicht wirklich großartig zu Buche schlagen.

Würde man nun Erbsen zählen, so könnte man schon fast von einer inszenierten Lesung sprechen – was jedoch für mich subjektiver Quatsch ist.

Die Originalgeschichte gibt nicht viele Spielraum her um großartige Spielszenen entstehen zu lassen, da auch dort alles an Robert weiter erzählt wird, denn das er den Großteil selbst erlebt.

Da die Titanier für ihre ausgefeilten und intensiven Soundkulissen bekannt sind, macht das zuhören beim Geschichtenerzählen trotzdem großen Spaß. Auch die ausgewählten Hauptsprecher sind von Timbre und Darstellungskraft her allesamt Könner ihres faches, an deren Stimmbänder man gerne gefesselt über eine längere Zeitraum hängt.

Die großen Vier wären hier Louis Friedemann Thiele – als Robert Olmstead, Hans-Jürgen Wolf – als sonorig vertrauter Fahrkarten-Verkäufer, Reinhilt Schneider – als mädchenhafte Anna Tilton und Peter Weis als gradioser Zadok Allen. Neben ihnen sind unter anderem noch Hans-Jürgen Dittberner, Hasso Zorn, Ronals Nitschke (hier mit passendem Nordakzent) und Frank-Otto Schenk zu hören. Sehr angenehme Stimmen und für Nebenrollen recht bombastisch besetzt.

Auch wenn man sich nicht wirklich gruseln mag, so muss man Hörspielautor Marc Gruppe doch erneut zugestehen das er die besten Eigenschaften aus solchen Lovecraft-Geschichten heraus zu holen versteht.

Es ist ein Ausflug in eine bizarre Welt, welcher perfekt akustisch inszeniert ist und auch wenn die Geschichte diverse Defizite aufweist, so ist ihre Umsetzung doch sehr kurzweilig gelungen…Soundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert

Geboren 1966 in Solingen, interessiere ich mich seit frühster Jugend für Bücher, Comics, Filme, Hörspiele, Musik und alle anderen Medien, welche zur Unterhaltung dienen können.

Ich lebe seit 2007 in Hannover - einer Stadt, welche viele Möglichkeiten zum Ausleben des Hobby anbietet.

Kommentare zu konsumierten Medien verfasse ich seit 2007, mal mehr, mal weniger intensiv.