Gerwalt Wilhelm Richardson (10.02.2019)

15 Fragen an Gerwalt Wilhelm Richardson

 

Zuerst einmal der Steckbrief von Dir:

Steckbrief des Autors 

Anfang der Sechziger Jahre in Stuttgart geboren, in Sichtweite des hässlichen Gaskessels, hatte ich das Glück, dass meine Familie bald danach nach Baden in ein Dorf in der Rheinebene umsiedelte, sodass ich eine Kindheit zwischen Wald und Wiesen erleben durfte. Dennoch wurde ich schnell gewahr, dass mit mir etwas nicht stimmte, dass meine Fantasien und Triebe mit meinem Umfeld nicht geteilt werden durften. Dann, mit nicht einmal 16, lernte ich SIE kennen, und vom ersten Kuss an war klar, dass wir uns ähnelten. Zwölf Jahre später haben wir geheiratet.
Doch zunächst gab es noch ein paar Schicksalsschläge, auf dem Rückweg von meiner Liebsten wurde ich von einem Auto erfasst, das mein Bein zerschmetterte. Es sollte Jahre dauern, bis ich wieder schmerzfrei laufen konnte. Dennoch machte ich meinen Weg erstaunlich linear, nach dem Abitur studierte ich Maschinenbau, heuerte in einem Großkonzern an, wir heirateten, bekamen zwei Kinder, bauten ein Haus, wieder in einem kleinen Dorf in der Rheinebene. Während all dieser Zeit schrieb ich, leidenschaftliche Kurzgeschichten voller Gewalt und sexueller Überwältigung. Dann mit einem Mal brach ich zusammen, Hausbau, beruflicher Stress und die Belastung durch die Kleinkinder waren für einen wie mich, der viele innerliche Nebenprozesse am Laufen hat, einfach Zuviel. Man lieferte mich ein, und auf einmal stand ich vor dem Nichts. Etwa sechs Jahre kämpfte ich am Rande des Abgrunds mit Depressionen und Panikattacken, bis es mir gelang, mich in Begleitung verschiedener Therapeuten halbwegs zu stabilisieren. In dieser Zeit schrieb ich vermehrt, bannte viele Gedanken auf Papier – und näherte mich der SM-Szene an, die auf meine Geschichten allerdings zunächst verstört reagierte. Mit der Zeit gewann ich die Akzeptanz in der Szene – man hörte zumindest auf, meinen Kopf zu fordern – und 2008 begann ich mit meinem ersten Buchprojekt, der Weidenruten-Trilogie, die 2010 auf den Markt kam und dort gut aufgenommen wurde.
Beruflich wagte ich etwa zu der Zeit den Karriereschritt in die Führungsmannschaft, was für alle Beteiligte ein Wagnis war, das sich im Nachhinein aber sicherlich gelohnt hat. Die Feuerprobe hierzu war ein mehrwöchiger Aufenthalt in China, wo ich eine neue Struktur aufbaute, die heute noch Bestand hat.
Inzwischen habe ich mit vielen Dingen meinen Frieden geschlossen, das Schreiben ist nun weniger Ventil als Passion, wiewohl ich die Buchprojekte immer noch so lege, dass sie sich über die Zeit der Herbstdepression erstrecken.
Natürlich bin ich auch professioneller geworden, obwohl ich immer noch nicht an einem Schreibseminar teilgenommen habe …

 

 

Ich freue mich, dass du der erste bist den ich interviewen darf. Ich gebe zu, dass ich dich bis ich mich näher mit diesem Genre befasst habe gar nicht kannte. Den eingefleischten Fans bist du schon länger bekannt. Ich möchte deshalb mit einer Frage beginnen die du schon 100-mal beantwortet hast:

  1. Wann ist die Ideale Zeit zum Schreiben für Dich und warum?

Ideal wäre es, wenn ich ausgeruht wäre. Das bin ich selten. Ich schreibe, wenn ich Zeit und die Gelegenheit dazu habe.

  1. Wann kommen dir die besten Ideen und wie hältst du sie fest?

Ich bin Workoholic und auf Schnelligkeit getrimmt. In meinem Arbeitsalltag gibt es viele Totzeiten, in denen beispielsweise vorhersehbares Zeug auf Sitzungen geredet wird. Dann überlege ich mir ganz ungeniert, wie das Massaker in meinem aktuellen Buch weiter geht. Oder die heiße Sexszene. Festhalten tue ich sie nicht, ich schreibe sie abends dann aus dem Gedächtnis herunter.

  1. In wie weit stören und / oder belasten Dich negative Rezensionen?

Sehr. Ich könnte schreiend aus der Haut fahren! Aber natürlich zeige ich das nicht 🙂

  1. Was machst du wenn du nicht gerade schreibst oder deinem Job nachgehst?

Ich führe eine ziemlich turbulente Ehe, habe zwei Kinder, die noch nicht ganz flügge sind. Und einen kleinen Hund, der ziemlich Aufmerksamkeits- süchtig ist. Daneben jogge ich und schieße mit dem Jagdbogen. Arbeite im Garten. Fahre mit dem Kanu. Mit dem Bike. Koche …

  1. Was wäre bezüglich deinem Autorendasein der größte Traum?

Mal einen richtig großen Wurf zu landen. ’50 Shades of Potter, vom Winde verweht‘ sozusagen.

  1. Nun möchte ich doch mal zu Dir privat kommen und ein wenig mehr von deinen Dunklen und nicht so bekannten Seiten erfahren. Leider kann ich Dir dafür keinen Joker gewähren, schließlich soll das Interview dich auch mal von einer Seite zeigen die nicht jeder kennt. Also los geht es: Was ist die schlechteste Angewohnheit die du hast?

Ich unterbreche andere Menschen gnadenlos, wenn vorhersehbar ist, was sie sagen werden. Oder wenn ich das zumindest glaube 🙂

  1. Hast du eine Marotte die andere in den Wahnsinn treibt und wenn ja, wen am meisten?

Da ich beruflich in einer sehr dynamischen, instabilen Welt lebe und durch das Schreiben zusätzlich noch viel im Kopf habe, laufen viele alltäglichen Dinge völlig automatisiert, ja ritualisiert ab. Wehe, mir kommt da einer in die Quere. Meine Frau, meine Mitarbeiter und Kollegen wissen das inzwischen schmerzlich. 

  1. Worüber kannst du Lachen?

Eindeutig am meisten über mich selber. Was bleibt mir auch anderes übrig?

  1. Über welche Eigenschaft bei dir ärgerst du dich am meisten?

Ich entscheide sehr schnell. Hinterher muss ich bisweilen zurückrudern. Das nervt mich selbst.

  1. Bist du abergläubisch? Wenn ja wie äußert sich das? Wenn nein, bist du so ein Kopfmensch?

Als Kopfmensch lebe ich in der Zukunft und sehe Gefahren und Probleme weit voraus. Abergläubisch bin ich nicht. Nur hasse ich es manchmal, wenn ich mit meinen Befürchtungen recht behalte.

  1. Bist du ein zufriedener Mensch?

Teils teils. Ich habe so viel mehr erreicht als ich mir hätte träumen lassen. Beruflich, privat, als Autor. Meine Persönlichkeitsentwicklung hingegen kann eher als missglückt bezeichnet werden. Die innere Zerrissenheit werde ich wohl nicht mehr überwinden können. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

  1. Was macht dich glücklich?

Ganz ehrlich? Vertrauensvolle Unterwerfung.

  1. Was ist dir peinlich?

Nach meinen Abstürzen nicht mehr allzu viel 🙂

  1. Was ist dein bisher größter Erfolg?

Meine psychische Erkrankung ohne Verluste überstanden zu haben

Der Aufbau eines schlagkräftigen Teams aus lauter unbedarften jungen Chinesen

Dass meine Mittelalter-Trilogie neun Jahre nach Erscheinen immer noch läuft

  1. Gibt es noch etwas, was du den Lesern mitteilen möchtest?

Ignoriert meine Selbstdarstellung und genießt meine Bücher. 🙂

Ich bedanke mich für das beantworten all meiner Fragen und ich hoffe es hat dir wenigstens ein klein wenig Spaß gemacht.

Aber natürlich. Immer gerne 🙂

Thomas Mauer

Geboren 1970 in Kaiserslautern, entwickelte sich mein Lesegeschmack nach Karl May schnell hin zu extremeren Dingen wie Thriller und Horror. Da ich old-fashioned bin, müssen Bücher für mich aus Papier sein. Ich mag den subtilen wie den brachialen Horror. Den Scharfsinnigen und feinen Thriller bis hin zum wütenden Serienkiller. Wichtig ist es muss mich mitnehmen, meinen Alltag vergessen lassen. Bücher sind für mich das Fernsehen der Fantasie.

Letzte Artikel von Thomas Mauer (Alle anzeigen)