Simona Turini (31.10.2017)

Thomas Rippert: Hallo Simona, zuerst einmal vielen Dank das Du dir die Zeit für ein wenig Plauderei nimmst! Und direkt zu meiner ersten Frage: Wie bist Du zum schreiben (Roman, Kurzgeschichte) gekommen?

Simona Turini: Moin! Ich freue mich schon drauf! Gleich zur ersten Frage: Die ist leider gleichermaßen schwierig wie langweilig beantwortet; ich sollte mir mal eine launige Standard-Erwiederung ausdenken … Die Wahrheit ist: Keine Ahnung. Dank der Schule kommt man mit dem Schreiben ja schon recht früh in Berührung und in meiner Familie wurde schon immer gern gelesen, ich habe mich also schon immer mit verschiedenen Arten von Literatur beschäftigt. Das führt allerdings nicht automatisch zum Schreiben, denke ich. Vermutlich habe ich einfach irgendwann festgestellt, dass es eine Arbeit ist, die mir nicht auf die Nerven geht – so wie die allermeisten anderen Jobs, die ich bisher so hatte. Also bin ich dabei geblieben.

 

 

Thomas Rippert: Und wieso gerade „Horror“, respektive „Dystopie“ mit ganz viel Zombies?

Simona Turini: Die Zombie-Dystopie war ein Wunsch des Verlags: Die „Zombie Zone Germany“ ist ja eine Reihe, in der sowohl Kurzgeschichten (in Form einer bereits erschienenen Anthologie) als auch Novellen und Romane zum Thema „Zombie“ erscheinen. Ich habe da gerne mitgemacht, weil ich immer ein großer Fan des italienischen Exploitation-Films war und die Zombiefilme meist besonders trashig und blutig ausfallen – daher meine Liebe zu den Zombies.

Horror mochte ich schon immer – meine Schwestern und ich lieben Horrorfilme und alles, was in die Richtung geht: Halloween, unheimliche Fernsehserien, entsprechende Bücher, Creepypastas etc.

Keine Ahnung, woher das kommt, aber ich grusle mich gern, ich lache gerne über groben Trash und ich ekle mich gern bei fiesem Splatter.

Wenn ich es schaffe, etwas zu schreiben, das mir selbst Angst einjagt, bin ich immer sehr stolz.

 

 

Thomas Rippert: Wie sieht deine Recherche aus, bevor Du mit dem Schreiben beginnst, oder legst Du einfach sofort los?

Simona Turini: Das kommt immer sehr auf das Thema an. Für die Zombie Zone Germany habe ich mich mit Katastrophenschutz auseinandergesetzt, um Tipps zu kriegen, was man so zum Überleben braucht, wenn alles zusammenbricht. Aber da ich mich meistens auf erfundene Menschen und deren Befindlichkeiten konzentriere, muss ich nicht sehr viel recherchieren. Mal die eine oder andere historische Schrift, mal eine Erzählung, an die ich mich vage erinnere und die ich irgendwie unterbringen will, mal geografische Bedingungen irgendwo. Das geht über Google und die Stadtbücherei ganz gut.

 

 

Thomas Rippert: Du schreibst ja nicht nur Fiktion, sondern auch sachliche Bücher. Demnächst erscheint eine Abhandlung über Zombies, wenn ich das richtig erinnere. Was liegt dir mehr, Fiktion oder Sach?

Simona Turini: Eigentlich schreibe ich keine Sachbücher. Es erscheint jetzt ein einziges Sachbuch von mir, eine Abhandlung über den Zombie als Motiv in Literatur und Film. Das war meine Magisterarbeit an der Uni Mainz und ich fand sie passend zur „Zombie Zone Germany“. (Ich habe Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft studiert.) Leider ist das Buch nicht Teil der Reihe geworden. aber immerhin ebenfalls im Amrûn Verlag erschienen. Es ist eine ganz spannende Ergänzung zu den Zombie-Geschichten, finde ich. Außerdem findet der eine oder andere Leser vielleicht Gefallen an den behandelten Büchern und entdeckt einen neuen Autoren für sich!

 

 

Thomas Rippert: Lässt Du dich beim schreiben beeinflussen, also von deinen Lieblingsautoren?

Simona Turini: Das versuche ich zu vermeiden, aber es gelingt nicht immer. Früher habe ich immer mal wieder als Stilübung Autoren imitiert, die ich mag. Da sind ein paar hübsche Sachen entstanden, die ich immer noch mag. Wenn ich an einem Roman oder einer Erzählung arbeite, fällt es mir schwer, unbeeinflusst zu bleiben, also lese ich dann meistens nichts – oder zumindest nichts Gutes…

 

 

Thomas Rippert: Ich kenne ja bisher nur „Trümmer“ von dir und bin der Ansicht, das Du dich bei einem umfangreicherem Werk sicher mehr ausleben könntest. Wie siehst Du das und ist so etwas angedacht?

Simona Turini: Tatsächlich halte ich meine Kurzgeschichten für ziemlich gut und tue mich mit längeren Formen schwer – weil aber kaum jemand Kurzgeschichten lesen will, muss ich wohl oder übel mal einen Roman veröffentlichen und arbeite auch schon seit einiger Zeit daran. Ende des Jahres soll die Erstfassung stehen, 2018 habe ich ihn dann hoffentlich so weit überarbeitet, dass er auch veröffentlicht wird. Es wird cool: Ein Gott, ein Wahnsinniger, ein Hund und ein paar extrem skurrile Figuren! Bis dahin kommen noch ein paar kürzere Sachen.

 

 

Thomas Rippert: Klingt gut!

Wie gehst Du mit deinen beendeten Werken um? Ist „fertig“ = „fertig“, oder denkst Du über Änderungen/Ergänzungen nach, so in der Richtung „Das fehlt da noch und das hätte man anders schreiben können!“?

Simona Turini: Wenn ein Buch fertig ist, ist es fertig. Das muss man auch lernen: Wann man aufhören sollte. Der Erstentwurf ist niemals ein fertiges Buch, das muss ich erst selber überarbeiten, Testleser anfragen, wieder überarbeiten, dann meine Lektorin bemühen, dann nochmals überarbeiten — irgendwann hat man genug geändert und ergänzt und gestrichen. Wenn es mir dann nicht gefällt, veröffentliche ich es nicht; aber da muss unterwegs schon verdammt viel schiefgelaufen sein. Das heißt nicht, dass ich meine Bücher für perfekt halte; das perfekte Buch gibt es nicht. Aber im Rahmen meiner Möglichkeiten habe ich sie so gut gemacht, wie sie werden können – und wenn sie erzählen, was ich erzählen wollte, dann reicht mir das auch. (Und natürlich: Wenn sie den Lesern Freude machen und ihnen ein bisschen Angst einjagen.)

 

 

Thomas Rippert: Liest Du die Werke von Kollegen kritischer, seitdem Du selbst veröffentlicht wirst?

Simona Turini: Nein. Aber seit fast drei Jahren arbeite ich als Freie Lektorin – das hat mich kritischer gemacht. Seitdem lege ich auch mal Bücher weg, wenn sie mir nicht gefallen oder voller Fehler oder einfach blöd sind. Früher hab ich das nie gemacht …

 

 

Thomas Rippert: Gibt es Wünsche für deine Zukunft oder die Zukunft des deutschen Buchmarktes?

Simona Turini: Natürlich wünsche ich mir, dass viel mehr Leute meine Bücher lesen! Und überhaupt: Dass viel mehr Leute Bücher lesen! Gerne auch Kurzgeschichten; es scheint mir eine deutsche Eigenart zu sein, dass immer nach Romanen geschrien wird. Dabei sind Kurzgeschichten doch sehr charmant.

 

 

Thomas Rippert: Simona, ich bedanke mich für deine Zeit, deine offenen Antworten und hoffe, das wir irgendwann einmal ein weiteres Gespräch zusammen führen können!

Simona Turini: Vielen Dank für dein Interesse & das nette Gespräch!!

 

Thomas Rippert

Geboren 1966 in Solingen, interessiere ich mich seit frühster Jugend für Bücher, Comics, Filme, Hörspiele, Musik und alle anderen Medien, welche zur Unterhaltung dienen können.

Ich lebe seit 2007 in Hannover - einer Stadt, welche viele Möglichkeiten zum Ausleben des Hobby anbietet.

Kommentare zu konsumierten Medien verfasse ich seit 2007, mal mehr, mal weniger intensiv.