Simeon Hrissomallis, 31.03.2009

Simeon-Hrissomallis

Serien können schon einmal die Gemüter spalten, weil sie sich eher an ungewöhnlichen Vorlagen orientieren und somit nicht allen gewohnten Konventionen entsprechen. Ein Label das gerne schon einmal gegen den Strich bürstet ist die R&B-Company.

Der Autor, Regisseur und Sprecher Simeon Hrissomallis war so freundlich mit mir ein wenig über sich und seine Arbeit zu plaudern.

Und los geht’s…

Luke Danes: Hallo Simeon. Zuerst einmal vielen Dank das Du dir die Zeit nimmst für eine kleine Plauderei. Und direkt die Standardfrage vorweg, durch die jeder am Anfang durch muss: Wie bist Du zum Medium Hörbuch/Hörspiel gekommen?

Simeon Hrissomallis: Zum Medium Hörspiel bin ich gekommen, wie so viele von meiner Generation auch: Durch ROTKÄPPCHEN!

Was ich damit sagen will mit etwa fünf Jahren haben mir meine Eltern von ihrer Einkaufstour eine MC von FÜR DICH mitgebracht. Eine Märchen MC mit den Geschichten „Rotkäppchen“ und die „Bremer Stadtmusikanten“.

Danach folgten viele Kinder MCs, wie: Biene Maja, Pinocchio, etc.

Bis ich mit elf Jahren meine erste EUROPA MC geschenkt bekam: DRACULA, KÖNIG DER VAMPIRE. Danach folgten die JOHN SINCLAIR – Hörspiele von Tonstudio Braun, LARRY Brent, MACABROS, DÄMONENKILLER, MASTERS OF THE UNIVERSE und JAN TENNER.

Kinder oder Jugendhörspiele wie die ??? oder TKKG, u.s.w. habe ich damals nicht gehört. Das Budget war schmal, sehr schmal und der Grusel hat mich schon immer fasziniert schon als Kind.

Vielleicht lag es auch daran, dass ich schon mit fünf Jahren die DRACULA – Verfilmungen mit Christopher Lee gemeinsam mit meiner Mutter anschauen durfte. Ich denke das hat mich geprägt…oder versaut…? 🙂

Das kann man sehen, wie man es will auf jeden Fall hatte ich schon als Kind und erst recht als Jugendlicher einen sehr starken Hang zur PHANTASTIK.

Ich las auch in der Jugend sehr viele Romane: John Sinclair, Tony Ballard, Ron Kelly, Larry Brent, Macabros, Dämonenkiller. Nicht zu vergessen die Unmengen an Comics die ich verschlang, aber das ist eine anderes Thema…

Das waren wirklich wunderschöne Zeiten…

TrennstrichLuke Danes: Wann kam dann bei Dir der Drang auf, selber Hörspiele zu Produzieren und wie lief das ab?

Simeon Hrissomallis: Der Wunsch selber Hörspiele zu produzieren kam schon relativ früh auf. Das war so um 1983. Ich war damals 13 Jahre alt und wir, meine Freunde Achim und Wolfgang, waren alle hörspielbesessen.

Also nahmen wir alten Kassettenrecorder und sprachen unsere ersten Geschichten auf Band. Das war alles natürlich improvisiert und ohne Geräusche und Musik.

1984 war es schon ein Tick professioneller. Wir starteten die Serien „John Kelder“ und „Jack London“. Das waren natürlich auch reine Amateuraufnahmen, aber unterlegt mit Sounds und Musik. Die Musik stammte meistens von LPs der damaligen bekannten Horrorserien, z.B. Freitag, der 13. u.s.w.

Die Geräusche stammten von EUROPA-LPs, so etwas gab es damals. Wir machten damals sogar auch eigene Geräuschaufnahmen, wie z.B. Schritte im Matsch, Schritte im Schnee, Gehirn wird gegen Wand geschmissen und andere Nettigkeiten.

Ich weiß noch, dass ich unsere Hörspiele auch unserer Kunstlehrerin in der Schule auslieh und sie begeistert davon war und mir empfahl dieses Hobby weiter zu führen.

Meinen ersten John Kelder – Roman schrieb ich mit Hand. Ich nahm mir ein DIN A5 – Schreibheft, richtete mir zwei Spalten pro Seite ein, also gestaltet diesen Roman wie die üblichen Romanhefte und schrieb. Dieser Roman wurde 1 zu 1 als Hörspiel übernommen. Der Titel war „Werwolf-Horror“. Die restlichen Romane wurden auf einer mechanischen (ab 1986 elektrischen Schreibmaschine) Schreibmaschine erstellt.

Die „John Kelder“ – Reihe umfasste sieben Romane. Fünf wurden vertont, bei Jack London waren es vier. Diese Hörspiel schickten wir zum EUROPA-Studio und es entstand ein reger Kontakt mit Christa Wehlte und Heikedine Körting. Die Begeisterung über unsere Hörspiele führte so weit, dass wir nach Hamburg eingeladen wurden in das damalige legendäre EUROPA-Studio.

Im November 1985 verbrachten wir zwei wunderschöne Tage in Hamburg, hatten viel Spaß mit Frau Körting und Frau Wehlte, lernten viele Schauspieler kennen und durften sogar in den damals aktuellen EUROPA-Produktionen mitsprechen. Es war toll! und ich glaube in genau diesen zwei Tagen entschied ich mich wirklich und bewusst dafür, eines Tages genauso Hörspiel zu produzieren und die Menschen zu begeistern.

1985 erfand meine lieber Freund Marco Prencipe seinen bahnbrechenden „Dämonenninja“, kurze Zeit später und inspiriert durch Marco erfand ich den „Geistersamurai“. Es folgten drei Hörspiele mit dem Dämonenninja und insgesamt sieben mit dem Geistersamurai.

Das Talent von Wolfgang Strauss kristallisierte sich von Anfang an heraus, er kümmerte sich um die ganze Technik. Ab 1986 hatte er seine erste Vierspurmaschine. Und das Geräuscharchiv war damals schon beachtlich. So wundert es auch nicht, das er dann auch den Beruf des Toningenieurs erlernte.

Unsere Hörspiele wurden immer professioneller. 1988 gab es ein Remake des Geistersamurai. Es blieb nur bei dieser einen Folge. Wir hatten natürlich auch viele andere Hörspiele vertont. Auch eines, dass stark an „Burning Crace“ unsere zweite PSI-Akte erinnerte.

1990 hatten wir schon einen professionellen Status erlangt und die R & B Company entstand. 1991 entstand wiederholt eine Neuaufnahme des GEISTERSAMURAI. Ich wollte damit auf den kommerziellen Hörspielmarkt, Wolfgang Strauss war dagegen. Er sah zum damaligen Zeitpunkt kein Potential in den Hörspielen, bzw. in dem Markt. Ich schon,aber entschied mich dann doch dagegen, denn ohne Wolfgang wollte ich es nicht wagen. Allerdings muss ich gestehen, dass ich durch die abneigende Haltung meines Partners keine Lust mehr hatte Dialogbücher für Hörspiele zu schreiben. Das Thema Hörspiel war für mich erledigt… für immer… dachte ich…

In den folgenden Jahren arbeitete ich hauptberuflich im kaufmännischen Bereich und als R & B Company bearbeiteten wir einige Auftragsarbeiten. Wir konzentrierten uns auch auf die Werbung und die Filmindustrie.

Abschließend kann ich sagen, dass mich das Medium Hörspiel nie losgelassen hat und ja, es war mein Wunsch zu schreiben und Hörspiele zu produzieren, von frühester Jugend an. Natürlich musste ich erstmal andere Berufe erlernen.

1992 bis 1995 absolvierte ich an der Axel Andersson Akademie mein Schreibstudium und verfeinerte meine Fähigkeiten. Und 2002 war der Einstieg in die kommerzielle Hörspielwelt mit Wolfgang Strauss „Jac Longdong“. Der Rest ist Hörspielgeschichte… 😉

TrennstrichLuke Danes: Wenn dieser Werdegang nicht beachtlich ist, was dann?

Reden wir mal über die aktuellen Produktionen von R&B, oder besser erstmal über FAITH: Es jammern ja mittlerweile viele darüber das sie sich in der zweiten Staffel der Serie nicht mehr zurecht finden da ihnen die Rahmenhandlung zu komplex geworden ist. Das sind aber auch genau die selben Leute welche vorher gejammert haben das in der ersten Staffel zu wenig Rahmenhandlung war und alles hätte viel komplexer sein können.

Man kann es ja nun nicht jedem recht machen, aber wie kam der Sinneswandel zu Stande jetzt mit FAITH „erwachsener“ zu werden und zu gewissen Dingen auch Stellung zu beziehen, wie zum Beispiel zum Thema Kindesmisshandlung?

Simeon Hrissomallis: Hmm, das ist wirklich eine gute Frage.

Was ist zu komplex und was eben nicht? Bei der ersten Staffel -davon bin ich überzeugt- haben die meisten Hörer bis zum Finale gar nicht kapiert, dass im Hintergrund ein roter Faden durch sämtliche Episoden lief.

Ich fand damals schon FAITH für ziemlich ausgeklügelt und ich möchte nochmals betonen, dass ich bewusst die Serie erstmal langsam habe sich steigern lassen. Es ist doch klar, dass wir mit FAITH nicht so loslegen konnten wie mit z.B. JOHN SINCLAIR.

Der Geisterjäger ist bekannt. Kult eben. Aber FAITH mussten wir erstmal vorstellen. Das hieß für mich ein ganzes Universum zu schaffen und ich denke, bei aller Bescheidenheit, dies habe ich absolut richtig gemacht.

Auch wenn es natürlich viele Menschen gab, die FAITH als plumpes Plagiat von BUFFY oder als „Teenie-Horror“ abgestempelt haben. Manche sind ja über die ersten sechs Episoden gar nicht herausgekommen. Zu kindisch, zu trivial, zu banal, zu dilettantisch, zu blablabla…

Manch einer „Hörspielfachmann“ führt sich auf, als hätte er selber schon weit über 1000 Hörspiele produziert… Da jagt eine Profilneurose die Andere…

Als ich 2004 mit FAITH begann, gab es sogar Überlegungen die Serie als Roman zu veröffentlichen. Allerdings kam ich von diesem Gedanken ab und entschied mich dafür FAITH als Hörspielserie zu starten… Zum Glück…

Sieht es zur Zeit auf dem Hörspielmarkt nicht besonders rosig aus, so sind die Zahlen der Heftromane noch weitaus katastrophaler… leider…

Woher ich das weiß? Ich war lange genug im Verlagswesen tätig und habe auch heute noch meine guten Kontakte um gewisse Zahlen in Erfahrung zu bringen, aber auch ohne diese, wird einem bei Blick in die Zeitschriftenregale schnell klar: Adieu Heftroman…

Im Zeitalter der neuen Medien, sind Romane und leider auch Hörspiele absolut zu Nischenprodukten „geschrumpft“. Was die Zukunft bringt? Tja, das weiß wohl niemand…

Zurückzukommen zu deiner Frage: Nein, ich glaube nicht das FAITH in der zweiten Staffel zu komplex geworden ist, aber ich gebe auch zu das es Hörspielserien gibt die besser als Schlafmittel funktionieren.

FAITH sollte man aufmerksam genießen, am besten über eine gute Anlage oder gute Kopfhörer, damit sich einem auch die raffinierte Sounduntermalung eröffnet. Es sind so viele Hinweise in fast jeder Episode versteckt, dass es mittlerweile vielen Fans Spaß macht, diese Hinweise zu finden und zu entschlüsseln. Außerdem sind auch viele versteckte Gags oder Ironie in die Geschichten eingebunden.

Natürlich ist die zweite Staffel erwachsener und düsterer, ist ja logisch, die Protagonisten sind ja auch gereift. Der „Sinneswandel“ FAITH erwachsen werden zu lassen, wie du es nennst, stand von Anfang an fest. Die Serie sollte sich langsam steigern und entwickeln. Es gab schon in der Zeit als ich die erste Staffel schrieb, Pläne und Ideen die konkret bis zur fünften Staffel reichten.

Die Idee das Thema Kindesmisshandlung, bzw. Vergewaltigung zu thematisieren gab es schon zur ersten Staffel, aber ich nahm davon Abstand, da die erste Season schon zu kompakt war und es nicht wirklich im Handlungsablauf reingepasst hätte.

Ich selber bin Mitglied bei der „Aktion 2000 Hilfe für Kinder e.V.“ ( www.kinderhilfe-2000.de ) und meine Schwester wäre im zarten Kindesalter Opfer solch einer Greultat geworden und auch eine gute Freundin von mir wurde von ihrem eigenen!!! Onkel misshandelt, deswegen war ich es mir selber schuldig dieses Thema zu verarbeiten. Wieso auch nicht? FAITH hat nichts, wirklich gar nichts mit Kinderunterhaltung zu tun, wer sich mit ernsthaften Themen nicht auseinandersetzen möchte, sollte lieber Benjamin Blümchen und Co. studieren.

Ich meine in was für einer Welt leben wir? In einer sterilen, blitzeblanken Welt? Ohne Kriege, ohne Verbrechen, ohne Schicksalsschläge, ohne Hungersnöte? Ich möchte mit meinen Geschichten aufwühlen, zum Denken anregen, überraschen, nicht unbedingt der Norm entsprechen…

Und trotzdem ist FAITH eine Unterhaltungsserie, aber eben nicht nach dem 08/15 Konzept gestrickt.

Wer aufmerksam ist bemerkt vielleicht, das die Episoden meistens ein „Thema“ haben. Beispiele: „Hügel der Blutengel“ und „Azazels Blutschwert“ sind typische Einsteigerfolgen mit viel Action. Ich wollte, dass auch neue Hörspielfans in die neue Staffel ohne Probleme einsteigen können ohne die erste Staffel unbedingt gehört haben zu müssen.

„Alraunes Leichendiener“ ist eigentlich eine Hommage an die alten TSB SINCLAIRS, „König der Nacht“ hat das Thema Mobbing und Rache, bei „Monsterbrut“ geht es wie oben erwähnt um Kindesmisshandlung, bei „Blutmond“ um Familienbande und bei „Goldene Dämmerung“ um Rassenwahn, Tod und Freundschaft.

FAITH hat und hatte schon immer mehrere Facetten und mehr Tiefgang als man beim ersten Hören vermutet.

TrennstrichLuke Danes: Macht sich dieser, für mich sehr positive,Wandel auf in den Verkäufen bemerkbar? Ich meine damit ob sich jetzt diejenigen, welche FAITH als Teenie-Grusel angesehen haben, doch noch Interesse an der Serie zeigen oder eher weniger?

Was hat Euch dazu bewogen jetzt auch mehr die ganz klassischen Gruselwesen mit einzubauen und, zum Beispiel, reinrassigen Werwölfe zu nehmen, statt wie bisher ehre die „aktuellen“ Varianten wie im Genlabor erzeugte Monster?

Simeon Hrissomallis: Das ist ja alles Geschmackssache und wir haben bei FAITH im Gegensatz zu unseren anderen Serien eine positiven Trend zu verzeichnen. Ob jetzt Fans eher zugreifen, weil wir in Staffel 2 klassische Elemente eingebaut haben und alles kompakter, düsterer und erwachsener wirkt, können wir nicht behaupten und können wir auch gar nicht nachvollziehen. Die Zahlen von FAITH haben in den letzten Jahren, besonders in legalen Downloadportalen, gewaltig zugenommen.

Die klassischen Figuren wie Dracula einzubauen, lag doch auf der Hand. Dracula ist die Nemesis der Van Helsings, also musste er zwangsläufig auf FAITH treffen. Die Kombination Dracula, Frankensteins Monster und Wolfsmensch funktioniert hervorragend und ich kann jetzt schon versprechen, dass es am Ende der Staffel 2 nochmals gewaltig knallen wird, wenn diese drei Charaktere wieder aufeinander treffen.

Die Idee mit den klassischen Monster, kam mir als ich die DVD-Box von Universal kaufte, ich meine die mit den Büstenfiguren von Dracula, Frankensteins Monster und dem Wolfsmenschen. Ich liebe diese alten Filme…übrigens liebe ich auch den Film „Abott & Costello treffen Frankenstein“. Kennst du auch diese Filme?

TrennstrichLuke Danes: Ja, die Klassiker kenne ich auch und die Hommage in PSI-Akten 9: Frankensteins Erbe, zu Abott & Costello ist nicht wirklich zu überhören! 😉

Nun bist Du ja auch ein sehr ehrlicher und offener Mensch, so wie ich dich habe kennenlernen dürfen, und Du bist einer von denen die alles was sie machen mit einer großen Portion an Herzblut und Seelenkraft tun. Auch gehst Du ja sehr kritisch, wie ich finde sehr realistisch, mit der momentanen Marktsituation der Hörspiele/Hörbücher um, was dir doch ein wenig Schimpf gebracht hat da Du im Zauberspiegel-Interview Zahlen genannt hast die wohl keiner veröffentlicht sehen wollte.

Mal das ständige, zu rosarote, Kollapsleugnen der BNFs (Big Name Fans) dahin gestellt: Wie siehst Du die Zukunft für R&B und was werdet ihr tun um FAITH noch lange leben zu lassen?

Simeon Hrissomallis: Es bringt ja nichts alles schön zu reden. Der Markt ist in der Krise und ich meine man braucht ja kein Fachmann sein um das einzuschätzen. Geht man durch die Tonträgerfachmärkte, sieht man überfüllte, meistens ungeordnete Regale voller Hörbücher und Hörspiele.

Es ist wirklich schon fast beängstigend was sich da alles in den Märkten tummelt, von Schrott über Mittelmaß zu Top-Produktionen.

Und ich sage es mal ganz hart und schonungslos: Gäbe es heute nicht die Möglichkeit mit PC-Technik ein Hörspiel zu bearbeiten und abzumischen, wäre schon ein Drittel weniger auf dem Markt.

Dann kommt noch dazu das die Medienvertriebe augenscheinlich anspruchsloser geworden sind und fast jedes „Label“ mit irgendwelchen semiprofessionellen und möchte schon sagen Amateurproduktionen im Vertrieb aufnimmt.

Das war früher anders, da musste man als kleines Label mit TOP-Produktionen, ich betone nochmals: TOP-PRODUKTIONEN, bibbern, hoffen und flehen das man überhaupt von einem Vertrieb aufgenommen wird.

Heute denken die Vertriebe eben: Geld stinkt nicht und aus Scheiße lässt sich ja oft Gold machen…!

Deswegen haben wir in der Branche eine Fülle an Quantität und eine Handvoll Qualität. So ist es eben und das geht so weiter bis der „Kollaps“ kommt.

Ich mag auch diese ganze Geschwätz und Getue in der Branche nicht, wo man so tut als würden Hörspiele sich wie warme Semmeln verkaufen. Ich nehme als Beispiel eine großartige Serie, die vor Jahren enorm von einem Major-Label gepuscht wurde und im Schnitt in den ersten Jahren acht Hörspiele pro Jahr veröffentlichte und mittlerweile bei nicht mal der Hälfte gelandet ist.

Wer will mir denn da ernsthaft erzählen, dass die Zahlen nicht rückläufig wären? Aber es ist wie auch in vielen anderen Branchen auch: Schein und Trug. Hauptsache man hat eine „dicke Hose“ an und verkauft sich und seine Produkte als die größte Innovation seit Menschengedenken…

Und weißt du was daran das erschreckend ist? Es funktioniert! Man braucht den Leuten nur lang genug einreden das irgendetwas geil ist und du wirst sehen, die Masse wird es geil finden!

Aber ich schweife mal wieder ab, aber ganz ehrlich, mich widern Oberflächlichkeiten und Profilneurosen extrem an. Ich meine wie krank muss man sein, wenn man z.B. auf AMAZON die Produkte des Mitbewerbers schlecht bewertet und die eigenen als TOP?

Man sollte mal die Kirche im Dorf lassen und nicht jeden und alles für dämlich halten, dass solche „Kindergartenspielchen“ früher oder später nicht auffliegen.

Aber zum Kern deiner Frage zurückzukommen: Die Zukunft von R & B sehe ich als gesichert, natürlich ausgehend von den aktuellen Verkaufszahlen. Wir mussten mit den PSI-Akten gewaltig Federn lassen.

Und damit es auch wirklich hier die Zahlen die uns veranlasst haben erstmal mit den PSI-Akten nicht weiter zu machen:

Lagen die Verkäufe am Anfang noch zwischen 3.000 und 5.000, verkauften sich die letzten PSI-Akten gerade mal knapp 500 mal! Tja, so sieht die Realität auf dem aktuellen Hörspielmarkt aus.

Ich möchte betonen, dass solche Umsatzmengen keine Ausnahme sind, es gibt viele TOP-Produktionen die sich auf diesem Niveau verkaufen. Es ist keine Ausnahme, sondern fast die Regel!

Wenn man heute mit einer wirklich TOPproduzierten Serie 1.000 bis 2.000 Exemplare verkaufen kann, kann man sich glücklich schätzen…

Die Gründe? Natürlich zu einem der übersättigte Markt, zum anderen die Zunahme der illegalen Downloads, dann kommt nocht die Zweitverwertung über Ebay ins Spiel. Diese Faktoren gab es nun mal früher nicht und klar, für den Konsumenten ist das „GEIL“, allerdings nicht auf Dauer…spätestens dann nicht wenn das große Seriensterben, bzw. Labelsterben beginnt. Dann ist Schluss mit Lustig und man hat wieder die Auswahl an Hörspielen wie in den frühen 90ern.

Es gibt aber auch noch andere Gründe für die schlechten Umsatzzahlen: Mit KARSTADT hatten wir vor Jahren TOP-Abverkäufe, dieses Unternehmen weigert sich seit geraumer Zeit unsere Produktionen und auch die Produktionen anderer renommierter Kleinlabel abzunehmen. Die Gründe sind für mich nach wie vor schleierhaft, besonders wenn ich dann sehe das Sinclair und Burns als einzige Erwachsenenserien im Regal stehen, kommt mir das ganze schon fast wie Wettbewerbsverzerrung vor…

Also wird es in Zukunft nicht leichter, sondern schwerer sich auf dem Hörspielmarkt zu behaupten.

Wir als R & B Company werden versuchen, durch gute handwerliche Arbeit und spannende Unterhaltung die Fans weiterhin mit FAITH zu begeistern. Mehr können wir nicht tun als ehrliche, mit viel Herzblut und Liebe produzierte Hörspiele abzuliefern und zu hoffen, dass sich der Markt bereinigt.

TrennstrichLuke Danes: Das deckt sich mit meiner Ansicht, wie ich ja schon in der Frage eingangs erwähnte.

Mir schwebt dann immer vor das sich die Kleinlabel zusammenschließen welche gut „miteinander können“ und deren Macher nicht völlig nicht an Realitätsverlust leiden

Man hört ja immer wieder das Sprecher gemeinsam gebucht werden um so die Kosten kleiner zu halten für die Label. Könnte so etwas ein Zukunftsperspektive sein, eine Melange aus mehreren Label?

Simeon Hrissomallis: Du wirst lachen, aber diese Gedanken hatte ich auch schon. Im kleinen Rahmen wird es ja auch schon betrieben.

Ob es wirklich eine Zukunftsperspektive ist, weiß ich nicht.

Mein lieber Luke, dass Problem ist einfach das wir Menschen einfach zu egoistisch sind und wie ich schon weiter oben erwähnte, jeder hält seine eigenen Produktionen für das Maß aller Dinge.

Also was sollen wir machen? Ich persönlich finde die Idee reizvoll, gemeinsam mit anderen Labels Hand in Hand zu arbeiten und es gibt auch wirklich sehr fähige und sympathische Labelbetreiber und Produzenten.

Schauen wir mal, ob sich in Zukunft in dieser Richtung nicht etwas bewegt. 😉

TrennstrichLuke Danes: Es wäre zu wünschen und würde der „Industrie/Branche“ nur gut tun, meiner Meinung nach.

Simeon, ich bedanke mich ganz herzlich bei dir für die Zeit, welche Du dir genommen hast um ein wenig mit mir zu plaudern. Auch vielen Dank für die offenen Worte.

Ich hoffe noch lange was von FAITH zu hören, denn gerade in der „neuen Form“ macht sie mir doch einen diebischen Spaß beim hören.

Vielen Dank!!!

Simeon Hrissomallis: Ich möchte mich auch für das interessante Interview bedanken, und hoffe das unsere Fans und auch andere Hörspielinteressierte beim Lesen genauso viel Spaß haben, wie ich beim beantworten hatte.

Viele Grüße

Ihr und Euer Simeon Hrissomallis

Soundsystem-BLAU

Thomas Rippert

Geboren 1966 in Solingen, interessiere ich mich seit frühster Jugend für Bücher, Comics, Filme, Hörspiele, Musik und alle anderen Medien, welche zur Unterhaltung dienen können.

Ich lebe seit 2007 in Hannover - einer Stadt, welche viele Möglichkeiten zum Ausleben des Hobby anbietet.

Kommentare zu konsumierten Medien verfasse ich seit 2007, mal mehr, mal weniger intensiv.