Martin Sabel, 22.03.2010

Martin-Sabel

Fantasy ist ein mittlerweile sehr übersättigtes Feld, was die komplette Medienlandschaft betrifft. Da ist es erstaunlich und auch recht mutig sich auf dieses Gebiet hinaus zu wagen um dort seine Vision an den Hörer, oder Sonstwiekonsument, zu bringen.

Es braucht einen Twist um sich abzuheben und der wurde vom Hörspiellabel Gigaphon gerade gefunden und auch durch Europa veröffentlicht. „Dragonbound“ nennt sich das Ganze und geht auf alten Pfaden neue Wege.

Martin Sabel, unter anderem Produzent und Sprecher, war so freundlich mit mir ein wenig über sich und seine Arbeit, wie eben „Dragonbound“, zu plaudern.

Und los geht’s…

Luke Danes: Hallo Martin. Zuerst einmal vielen Dank das Du dir die Zeit nimmst für eine kleine Plauderei.

Martin Sabel: Sehr gerne.

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Luke Danes: Und direkt in die Vollen: Wie lange gingen Du und Peter Lerf, dein Kollege von Gigaphon, mit der Idee für Dragonbound schwanger und wie war die Entwicklung von der ersten Vorstellung bis zur Serie?

Martin Sabel: Peters Plan, eine Fantasyserie zu starten entwickelte sich bereits sehr früh, kurz nach der Fertigstellung und noch vor dem Erscheinen unseres ersten Einzelhörspiels „Der Unendliche“, also vor ca. 3 Jahren (sein kreativer Output ist nicht zu stoppen).

Damals präsentierte er mir eine Liste mit ein paar Ideen zu jener Fantasyserie, die jetzt gerade bei Europa erscheint. Ein paar Monate nach Erscheinen des Unendlichen bei Pandoras Play waren die ersten Versionen der zehn Drehbücher fertig und die nächsten zwei Monate hatte ich mit Castings zugebracht. Ungefähr 90 Sprecherinnen und Sprecher waren bei mir im Studio und über 200 Demos gingen bei uns ein. Peter erhielt per Post die Castingaufnahmen und wir beratschlagten am Telefon (Peter wohnt im Allgäu und ich in Hamburg) über mögliche Besetzungen.

Und dann legten wir einfach erstmal los. Die Sprecher nahmen wir in meinem Studio in Hamburg auf und Peter war per ISDN – Verbindung virtuell bei den Aufnahmen dabei und produzierte selbst die Musiken. So fertigten wir auf eigenes finanzielles Risiko erstmal die ersten beiden Folgen und machten uns dann mit diesem Material auf die Suche nach einem Vertrieb. Dann kam in diesem Jahr die Zusage von Europa.

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Luke Danes: Wieso der Dimensionssprung eines Jetztzeitmenschen, zumindest vermute ich das da man ja noch nichts genaues sagen kann, und nicht „normale“ Fantasy – fremde Welt, fremde Kulturen, somit auch keine großen Vorgaben an die Hauptakteurin und fertig?

Martin Sabel: Zum einen hat der Zuhörer die Möglichkeit, die fremde Fantasywelt mit den Augen unseres Jetztzeitmenschen zu entdecken. Der Hörer benötigt keinerlei Vorwissen, um der Handlung folgen zu können. Es ist von Anfang an auf demselben Wissensstand, wie unsere Hauptperson.

Zum anderen wird Lea´s Herkunft später noch Einfluss auf die Handlung nehmen.

Ich kann an dieser Stelle natürlich noch nichts vorwegnehmen, aber zunächst schon mal soviel: Auch abgesehen von Ihrer nicht gerade chelandrischen Sprache wird es in späteren Folgen gelegentlich auch noch ganz andere Anspielungen auf die moderne Erde geben.

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Luke Danes: Also eher alles weiter weg von potterscher Urban Fantasy, Dunkelelfen und den ganzen HdR-Clonen.

Nun empfand ich die erste Folge als „Easy Listening“-Unterhaltung – was ich sehr positiv finde, welche nicht gerade ein Literaturstudium voraussetzt um sie genießen zu können. Ist das die Grundidee der Serie: Kurzweilig Unterhaltsames ohne zu viel dunklen Tiefgang und getriebene Charaktere?

Martin Sabel: Wie gesagt, zuviel darf ich nicht vorwegnehmen, aber soetwas wie Elfen und Zwergenvölker und dergleichen wird es zum Beispiel nicht geben. Chelandra ist gewissermassen eine Welt, in der Menschen und mythologische Wesen leben, die wir aus Märchen und Mythen kennen.

Die ursprünglichen Drehbücher zielten auf ein eher erwachsenes Publikum ab. Die Gesamthandlung ist nicht unbedingt allzu simpel, aber auch nicht so komplex, dass eventuell die Übersicht verloren geht. Nachdem Europas Marktforschung das Ergebnis erbrachte, dass unsere Geschichte auch für ein jugendliches Zielpublikum geeignet ist, haben wir an den Drehbüchern ein paar Veränderungen vorgenommen und auch ein paar bereits getätigte Aufnahmen wiederholt, um gewalttätige Momente in unserer

Geschichte zu entschärfen. In den späteren Folgen wird es immer noch einige etwas düstere Kapitel geben, aber das Hauptaugenmerk liegt auf der Erzählung einer spannenden, unterhaltsamen und eingängigen Geschichte, in der auch der Humor nicht zu kurz kommt.

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Luke Danes: Marktforschung, nun bin ich baff.

Hat es sehr weh getan die Veränderungen vorzunehmen, oder stand da der unternehmerische Aspekt im Vordergrund?

Martin Sabel: Nun, es geht schliesslich darum eine unbekannte neue Serie mit unbekannten Figuren am Markt zu etablieren, das rechtfertigt den Aufwand, den Europa sich beim Vorbereiten des Releases hat kosten lassen. Für Peter bedeutete das natürlich etwas Arbeit beim Umschreiben der Drehbücher und für mich und einige Sprecher etwas Arbeit beim Neuaufnehmen einiger Szenen, aber unser primäres Ziel war das Erscheinen der Serie und das Erreichen eines grösstmöglichen Publikums.

Natürlich ist es für jeden Künstler erstmal ein schwieriger Schritt, Änderungen am eigenen Werk in Kauf zu nehmen, und wir machen da erstmal keine Ausnahme, aber wir haben Vertrauen in Europas Erfahrungen und insofern haben wir die vorgeschlagenen Veränderungen gerne in Angriff genommen. Das endgültige Ergebnis hat dann ja auch alle Beteiligten (sowohl Europa, als auch uns) sehr zufrieden gestellt.

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Luke Danes: Also geht es nicht nur um den Mammon, sondern auch um das Herzblut eines Babys!

Wie waren die Erfahrungen beim Einsprechen der einzelnen Rollen? Hast Du dich da straight an das Buch gehalten oder auch schon einmal die Sprecher ihre Rollen so ausleben lassen wie sie das wollten?

Martin Sabel: Peter hat beim Schreiben der Drehbücher eine ziemlich klare Vorstellung vom gewünschten klanglichen Endergebnis. Ich habe beim Lesen der Bücher ebenfalls eine ziemlich genaue Vorstellung – und glücklicherweise stimmt meine Vorstellung meistens mit der von Peter überein.

Wir versuchen bei den Aufnahmen also möglichst ein Ergebnis zu erzielen, dass unserer ursprünglichen Vorstellung nahe kommt. Natürlich bieten Sprecher mitunter auch eigene Interpretationen der Texte an, und wenn diese überzeugend sind, so finden diese auch mal ihren Weg ins fertige Hörspiel, aber in den meisten Fällen wissen wir bei den Aufnahmen schon ziemlich genau, wo wir letztendlich hin wollen.

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Luke Danes: So, Teil 2 habe ich nun auch gehört und meine Begeisterung hält an! Es ist gelungen ein paar interessante neue Charaktere einzuführen die eventuell noch später Bestand haben könnten, vor allem Sandrina, die Assassine.

Irgendwie scheint nur Claudia Urbschat-Mingues als Besetzung für diese Rolle in Frage zu kommen, da sie hier Brutalität und Wahnsinn perfekt vereint. Aber trotzdem: Wieso gerade Claudia als Sprecherin und wieso ein weiblicher Jagdhund der hinter den Gefährten her ist und nicht, wie gewöhnlich, ein männlicher Killer?

Die Band „Mystelle“ konnte ich nicht im Internet recherchieren. Handelt es sich hier um eine reine Studioformation und ist eventuell Bettina Zech die Sängerin des Ganzen – wie ich vermute?

Martin Sabel: 1.) Lea ist in Ihren Abenteuern den Nachstellungen vieler Gegner ausgesetzt, und die meisten Kontrahenten sind männlich (Vargonen, deren Anführer Goor, Räuber etc.). Peter hielt es für interessanter, sie zudem noch mit einem weiblichen Antagonisten zu konfrontieren. Ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, aber wir werden in den späteren Folgen noch sehen, dass eine Killerin noch ganz andere Möglichkeiten hat, Lea gefährlich zu werden, als ein männlicher Verfolger.

2.) Hinter „Mystelle“ verbergen sich wie Du schon ganz richtig erkannt hast unserer „Lea“-Sprecherin Bettina Zech und Peter Lerf. Von Bettina kamen Text und Vocals, Peter hat die Musik des Songes „Hide“ produziert.

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Luke Danes: Nun erst einmal weg von „Dragonbound“…und mal hin zu „Skyclad Mission (Hörspielserie, Genre: Science-Fiction) – derzeit in Produktion, voraussichtlichte Veröffentlichung: Herbst 2010…

…zu der Du sicher auch noch nichts sagen willst.

Mich interessiert mehr die Frage, ob ihr bei solch einem großen Genreumfang bleiben möchtet. Fantasy (Dragonbound), Mystery (Der Unendliche) und nun SF – also nicht immer auf der sicheren Seite, was die Verkäufe angeht.

Martin Sabel: Tja, leider ist der Inhalt von Skyclad Mission in der Tat noch „top secret“. Peter hatte die ersten fünf Drehbücher für diese Science-Fiction Serie im letzten Jahr (2009) geschrieben, nachdem wir die ersten beiden Folgen von Dragonbound fertig produziert hatten und noch nach einem Vertrieb suchten. Die meisten Sprachaufnahmen für Scyclad waren auch schon im Kasten, als dann die DB-Zusage von Europa kam. Nun liegt unser Augenmerk natürlich primär auf der Produktion der kommenden Dragonbound-Folgen, und die Arbeit an Scyclad werden wir wohl frühestens im Sommer 2010 wieder aufnehmen.

Peter und ich machen Hörspiele in den Genres, die uns selbst interessieren. Am Anfang trieb uns einfach nur die Leidenschaft, möglichst gute Hörspiele zu machen. Wir haben keine Marktanalysen gemacht, sondern einfach unser Herzblut und viel Arbeit in Peters Ideen gesteckt in dem Vertrauen, dass gute Hörspiele ihre Interessenten finden werden – egal in welchem Genre sie angesiedelt sind.

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Luke Danes: Wie kommt es das Du in DB keine dominantere Hauptrolle übernommen hast? Dogo ist ja eher ein zurückhaltender Charakter.

Und bevor ich das vergesse: Nervt es dich eigentlich das Du schon ein wenig auf die Bösewichte festgelegt wirst?

Martin Sabel: Zum einen wollten wir vermeiden, dass es irgendwann heißt: Martin Sabel gibt sich selbst ja immer die Hauptrollen, und zum anderen hatte mich gerade der Dogo am ehesten interessiert, da er sich am weitesten von allen Rollen unterschied, die ich bislang jemals gesprochen habe … und damit wären wir auch schon bei Deiner nächsten Frage…

Nein, also „genervt“ bin ich überhaupt nicht. Schon auf der Schauspielschule hatte ich auf die Frage, welche Rollen ich denn später gerne mal spielen würde geantwortet: „Am liebsten die ganz bösen.“

Bösewichte machten mir immer Spaß und das hat sich bis heute nicht geändert – trotzdem bin ich nach wie vor Schauspieler, und alle Schauspieler wollen immer zeigen was sie NOCH so können. Wenn ich auch zukünftig gerne weiterhin die bösen Jungs spielen werde, so war es mir eine mindestens ebenso große Freude, in der jüngeren Vergangenheit auch mal ein paar Sympathieträger zu geben – zum Beispiel den Dan in „Die Windsängerin“, den Dogo eben und noch ein paar grössere Auftritte in weiteren Hörspielen, von denen ich aber jetzt noch nicht weiß, wann und wo sie erscheinen werden.

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Luke Danes: Im dritten Teil von DB wird sehr viel wert auf die weitere Charakterdarstellung der vier Weggenossen gelegt und der Bösewicht der Folge erst recht spät ins Spiel geworfen.

Wird diese Mischung von „mehr Action“ und „Wer sind wir eigentlich?“ so im Folgenwechsel beibehalten werden?

Martin Sabel: Während die Episoden II und III eher aus in sich abgeschlossenen Abenteuern bestanden, wird in den nächsten Folgen die Hauptstory wieder etwas vorangetrieben. Auch in Teil IV wird es lebensbedrohliche Situationen geben, aber es geht im Vergleich zur vorhergehenden Folge etwas ruhiger zu. Der Fokus liegt in Teil IV auf unserer Heldengruppe und die Drachen tauchen auf.

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Luke Danes: Vielen Dank dafür, das Du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast!Soundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert

Geboren 1966 in Solingen, interessiere ich mich seit frühster Jugend für Bücher, Comics, Filme, Hörspiele, Musik und alle anderen Medien, welche zur Unterhaltung dienen können.

Ich lebe seit 2007 in Hannover - einer Stadt, welche viele Möglichkeiten zum Ausleben des Hobby anbietet.

Kommentare zu konsumierten Medien verfasse ich seit 2007, mal mehr, mal weniger intensiv.