08 + 09 – Spuk in Hill House

Gruselkabinett-08New England 1958 Dr. Montague mietet für eine Untersuchung übernatürlicher Phänomene den einsam gelegenen Landsitz Hill House. Zu seinem Team zählen die scheue Eleanor und die lebenslustige Theodora, die beide bereits Erfahrungen mit dem Übersinnlichen gemacht haben, sowie Luke, der Neffe der Besitzerin. Recht schnell kommt die Gruppe dahinter, weswegen Hill House als unbewohnbar gilt…

Trennstrich„The Haunting of Hill House“, aus dem Jahr 1959, der wohl bekannteste Roman der Schriftstellerin Shirley Jackson, wurde zweimal für die große Leinwand verfilmt und selbst Horror-Altmeister Stephen King zollte ihm Hommage mit der Vorlage zu einer TV-Miniserie.

Doch was ist die vorgegebene Bildwelt des Celluloid gegenüber der Leinwand, welche alle Geschichten am subjektivsten darstellen kann – dem Kopfkino.

Und wenn man schon von Altmeistern redet, so hat man es hier mit eben solchen zu tun, auch wenn sie damals, im Jahr 2005, noch keine waren: Marc Gruppe und Stephan Bosenius von Titania Medien.

Die Geschichte um den Platz im Leben einer jungen Frau, welche sich bisher aufopfernd um die Pflege ihrer kranken Mutter bis zu deren Tod gekümmert und sich selbst stets in den Hintergrund gestellt hat, bedarf viel Fingerspitzengefühl in der Inszenierung um nicht ins unfreiwillig komische abzurutschen. Eleanor, die erwähnte junge Dame, leidet in ihrer und durch ihre Umwelt, doch soll sie erfahren was es bedeutet begehrt zu werden. Doch der Weg dorthin ist mit einer Menge unheimlichen Ereignissen gepflastert.

Der „Spuk in Hill House“ war die erste Geschichte des damals noch jungen Gruselkabinett, welche mich mit eben diesem versorgte – gepflegtem Grusel auf der eher psychologischen Ebene. Die Charaktere der Vorlage wurde sehr behutsam ins rein akustische Medium übertragen, ohne ihnen zu viel Overacting anzulasten und sie somit aus ihrer Dramatik heraus zu lösen.

Die ausgewählten Sprecher leisten das ihre, um dieser Stimmung ebenfalls zu 100% gerecht zu werden. Evelyn Maron chargiert von der verletzlichen Eleonore bis hin zur extrem exzentrischen Diva mit Bravour und meistert jede Situation des Dramas in Perfektion. Arianne Borbach hingegen verleiht der lebenlustigen Theodora eine Menge an sexueller Spannung, welch stets mit sarkastischen Untertönen gepaart ist. David Nathan – als eher unbedarfter Luke Sanderson und Christian Rode als sehr jovialer Dr. Montague runden das Bild der Hauptdarsteller ab.

Die Inszenierung ist ausgearbeitet bis ins kleinste Detail. Wind, knarrende Bodendielen und sonstige Geräusche, welche Hill House und Umgebung von sich geben, sind zu hören und lassen den Schauer der Geschichte noch verstärkt beim Zuhörer ankommen. Auch die Musik versteht es alles in die richtigen Bahne zu bringen, um auf der Innenaugenleinwand den subjektiven Film ablaufen zu lassen.

Der „Spuk in Hill House“ ist ein früher Hörspielmeisterwerk aus der Schmiede, welche später noch mehrere solcher Perlen auf die Beine stellen sollte, und auch heute noch ein mehrfaches hinhören wert…Soundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert
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