01 – Erwachen 01

Leon-Traumgaenger-01Der Waisenjunge Leon verfügt über besondere Fähigkeiten. Er scheint sich in die Träume andere Menschen hineinversetzen zu können. Schlimmer noch – er wird selbst von unheimlichen Träumen verfolgt, die ihn jedes Jahr in der Nacht vor seinem Geburtstag aufs Neue quälen. Welche Bedeutung haben die Träume? Ist das, was in ihnen passiert, nicht vielleicht doch an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit – die Realität?

TrennstrichDie ganze Geschichte und die Inszenierung erinnerte mich entfernt ein wenig an die Grundzüge der „Sieben Siegel“ von Kai Meyer, zumindest die Hörspielversionen davon. Dies kann auch an dem Umstand liegen das Brigitte Grothum mit von der Partie ist, obwohl sie eine wesentlich kleinere Rolle akustisch bekleidet. Die Akteure wirken aber hier wesentlich realistischer, da sie sich der aktuellen Wortwahl der momentanen Jugend bedienen und sich nicht mit gekünstelter Sprache oder unglaubwürdigem Verhalten beschäftigen.

Die Geschichte kommt recht langsam in Gang und das ist nicht wirklich verwunderlich, denn jeder erste Teil ist für die Vorstellung der einzelnen Spieler und der verschiedenen Spielfelder gedacht – so auch hier. Leons Leben, der innere wie auch der äußere Teil, wird ausführlich beleuchtet und der Zuhörer bekommt somit langsam einen sehr intensiven Bezug zum Hauptcharakter. Das Verhältnis von Leon zu anderen Menschen und sich selbst ist ein tragender Bestandteil der ersten Folge. Der übernatürliche Mysteryeffekt kommt erst recht spät zum tragen und Leon muss sich zuerst mit recht irdischen Dingen, welche eben in einem Teenagerleben anfallen, beschäftigen.

Eine Zwiesprache zwischen Christian, dem anderen männlichen Bewohner der Jugend-WG in der Leon lebt, und Leon erfüllt die Rolle des begleitenden Erzählers. Da sie mit einem Hall unterlegt ist und sich auf die laufenden Ereignisse in vergangener Erzählform bezieht, könnte man davon ausgehen das sich diese Unterhaltungen in der „Zukunft“ abspielen oder auch nur reines Wunschdenken Leons sind.

Großer Vorteil des Hörspiels ist es, das man mit Kopfhörern erst so richtig in die Geschichte hinein kommt. In der ersten Szene zwischen Lucy und Leon, in dessen Zimmer, ist sogar das Schnurren von Leons Kater Sam zu hören – zwar sehr leise, aber dennoch wahrnehmbar.

Jede der Rollen wurde, zumindest meiner subjektiven Empfindung nach, genau so besetzt wie ich mir das sicher beim „lesen“ vorgestellt hätte. Nicolas Artajo (Leon), Leonhardt Mahlich (Christian), Celine Fontanges (Lucy) sowie Anja Nestler und Mia Denkow interpretieren die Teenagerrollen sehr lebendig und können mit frischem und sehr jungen Timbre überzeugen. Neben ihnen sind „Alt“-Profis wie Andreas Mannkopf, Brigitte Grothum, Konrad Halver, Eva Michelis, Elga Schütz und Marius Clarén zu hören. Doch auch für mich relativ neue Stimme wie Costa Meronianakis, ehemals „Illmatic“, und Gordon Piedesack sind zu hören und machen einen guten Job.

Soundeffekte, Abmischung und die Musik sind auf dem gewohnt hohen Niveau vom Zaubermond. Die Musikstücke passen sich der fortlaufenden Geschichte in der Intensität an und unterstreichen jede Szene mit Perfektion. Auch die Geräuschkulisse ist sehr hell und realistisch gehalten, was allem noch zusätzliche Hörtiefe verleiht.

Mystery in Düsseldorf – zumindest möchte ich die Geschichte in diese Schublade stecken und nicht in die der Urban-Fantasy. Man muss sich eine Menge Zeit nehmen und sich in die Welt von Leon einarbeiten. „Mal eben zwischendurch“ wäre bei diesem Hörspiel nicht wirklich angebracht, denn man muss sich eine Menge Dinge merken und auch die vorhandene Zwischentöne beachten, welche sicher in den nächsten Folgen erst einen richtigen Sinn ergeben werden.

Einfühlsame Inszenierung, stimmgewaltige Sprecher und eine sich langsam entwickelnde Geschichte – das macht viel Laune auf die nächste CD…Soundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert
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