Frank Miller – Herrscher über DARK and GRITTY!

Frank Miller –- Herrscher über „DARK and GRITTY“!

Von DAREDEVIL bis DARK KNIGHT – Superhelden auf der Schattenseite des Lebens!

Frank MillerWer sich die heutige US-amerikanische Comicszene ansieht, der wird entdecken, dass nicht mehr alle Superhelden so glorreich und gut sind wie früher. Nicht mehr nur der Sieg über das Böse steht im Vordergrund, sondern auch die Seele und der Antrieb hinter dem Helden. Diese Wendung vollzog sich als ein Mann die Bühne der Comicindustrie betrat und sie für alle Zeiten so umformte das sie ihr altes Gesicht bis heute nicht mehr zurückbekommen sollte: Frank Miller.

Am 27 Januar des Jahres 1957 erblickte ein Mensch, in der Stadt Olney im US-Bundestaat Maryland, das Licht der Welt, welcher für viel Furore und noch mehr Diskussionsstoff in der Comicwelt sorgen sollte. Mehr als es jemals jemand anderer vor ihm geschafft hatte. Seit frühster Kindheit fühlte er sich zum Medium Comic hingezogen und entschied, dass er Zeichner werden wolle.

Im Jahr 1978 gelang es ihm seine ersten Arbeiten an den Verleger zu bringen und diese zu veröffentlichen. Zuerst für GOLD KEY arbeitend, ging Miller wenig später bereits zu DC und in der Folge zu deren Konkurrenz MARVEL COMICS, wo er seine ersten Achtungserfolge erzielte.

Unter anderem zeichnete er dort die SPECTACULAR SPIDER-MAN-Ausgaben 27 und 28, in denen auch der Charakter DARDEVIL auftauchte. An diesem Superhelden fand Miller Interesse und so fragte er Jim Shooter, den damaligen Editor-in-Chief, ob er die Serie übernehmen könne. Shotter stimmte zu und so begann der Siegeszug des Frank Miller.

Millers erste Ausgabe von DAREDEVIL war die Nummer 158.Daredevil #158

Sie war die letzte Folge einer bereits laufenden Geschichte. Miller veränderte seinen damals noch recht klassischen Zeichenstil immer mehr, in dem er Elemente einfügte die man als „dunkel“ und eher im Bereich des „Film Noir“ angesiedelt ansehen konnte. Auch vergröberte er sein Strichführung und arbeitete in großflächigeren Bildern, statt in den gewohnten, kleineren Panels.

Auch kam in ihm immer mehr der Wusch auf seine Geschichten selbst zu schreiben. So schrieb er zuerst ein paar Storys mit Roger McKenzie zusammen, welcher damals der federführende Autor bei DAREDEVIL war.

Sich immer weiter entwickelnd veränderte sich sein bisheriger Zeichenstil immer mehr und er entwickelte Kombinationen aus verschiedenen anderes Stilen die er für geeignet hielt sich zu vermischen. Er übernahm z. B. die detaillierte Art der Stadtzeichnungen eines Neal Adams und brachte DARDEVIL so in die authentische Umgebung die man später von ihm gewohnt war und die es so bisher noch nicht gegeben hatte. Er entwickelte einen sehr dunklen und realistischen Blickwinkel den er noch weiter ausweitet als er mit der Nummer 168 die Serie komplett übernahm und jetzt auch die Geschichten selber schrieb. Zusätzlich holte er sich Klaus Janson als Inker ins Boot.

Daredevil #168Er brachte noch mehr Realitätsnähe zum Charakter DARDEVIL als er ihm eine neue Lebensgefährtin an die Seite gab: ELEKTRA.

Millers Überlegungen gingen in die Richtung das ein Superheld auch eine Freundin brauchen würde die so war wie er. SUPERMAN hatte LOIS LANE, aber das würde im „realen Leben“ doch niemals funktionieren können. Sie würde stets verletzt werden und auch immer der Bedrohung durch die jeweiligen Gegner ausgesetzt sein. Also erdachte er einen Charakter der DARDEVIL nicht nur körperlich das Wasser würde reichen können. Sie war ein eigenständiger Charakter der keinerlei Allüren der sonstigen Superheldenliebschaften aufwies. Miller begann eine düstere Liebesgeschichte, welche sehr an die japanischen Tragödien angelehnt war, und beendete diese mit einem großartigen Finale – er ließ ELEKTRA durch den Bösewicht BULLEYE töten. Auch dies war eine Neuerung in der Comicindustrie, denn niemals zuvor war ein Hauptcharakter eine Serie gestorben – richtig gestorben. Damit öffnete Miller vielen seiner Artistkollegen Tür und Tor zu solcher Art von tiefergehen Storys, da dieser DAREDEVIL-Story-Arc Verkaufszahlen vorzuweisen hatte wie kaum etwas vorher.

DAREDEVIL brache Miller die Möglichkeit ein sich weitere Projekte aussuchen zu können, da nun fast jeder mit ihm zusammen arbeiten wollte. 1981 kam es zu einer Zusammenarbeit mit Chris Claremont welcher kurz vorher, in Zusammenarbeit mit John Byrne, die X-MEN aus der Todesstarre zurück auf die Spielflächen der Comicwelt gehoben hatte. Byrne und Clarenmont hatte einen Charakter namens WOLVERINE entwickelt, der sich später zum Selbstrenner und größten Seller von MARVEL entwickeln sollte und über den Byrne einmal gesagt haben soll: „Wenn ich gewußt hätte in welche Richtung ER gehen würde, hätte ich ihn damals schon sterben lassen!“. Miller und Claremont gaben WOLVERINE einen japanisch angehauchten Ninja-Background und so begann auch die Geschichte des brutalsten der X-MEN – alleine durch diese vierteilige LIMITED-SERIES.

Miller fand auch die Zeit eine Kurzgeschichte für eine BATMAN-Weihnachtsausgabe zu verfassen und er fand Gefallen an diesem Charakter, so wie er es schon an DAREDEVIL getan hatte. Danach kehrte er auf gewohnte Pfade zurück und erzählte ELEKTRAS-Lebensgeschichte in einer vierteiligen Miniserie namens: THE ELEKTRA SAGA um dann der Superheldensektor für kurze Zeit zu verlassen, weshalb ich jetzt einen kleinen Zeitsprung machen werde.

The Dark Knight Returns1986 kehrte Miller wieder auf das Parkett der Superhelden zurück um es eine weiteres Mal drastisch zu verändern. DC-Comics begann damals ein Format zu testen das sich „Prestige“ nannte. Dies waren nicht mehr die gewohnten Heftchen, sonder gebundene Ausgaben mit hochwertigem Papier und stabilem Pappeinband. In dieser Art und Weise kam Miller größter Erfolg zur Welt: BATMAN: THE DARK KNIGHT RETURNS.

Miller erzählte hier die Geschichte von BATMAN der sich nach dem Tode des zweiten ROBIN aus dem Geschäft zurück gezogen hatte um nun aber, im Alter von 55 Jahren, wieder zurück zu kehren da die Gewalt und das Verbrechen in Gotham überhand zu nehmen drohten. Was als der Abgesang auf BATMAN geplant war, löste eine wahre Lawine der Begeisterung aus und läutete die neue Ära der Erwachsenen orientierten Superheldenstorys ein.

So wurde der Begriff „DARK & GRITTY“ geboren und geprägt – dunkel und grimmig. Die weiteren Arbeiten Millers wurde stets von diesem Unterton begleitet. Er kehrte nochmals zu DAREDEVIL und ELEKTRA zurück, indem er zwei Graphic Novels produzierte – eine davon mit Bill Sienkiewicz als Zeichner.

Im Jahr 1978 erschuf er sogar eine neue Origin-Story für den BATMAN. In Zusammenarbeit mit Davcid Mazzuchelli entstand „BATMAN – YEAR ONE“, eine vierteilige Geschichte welche in der Serie „BATMAN“ in den Nummern 404 bis 407 veröffentlicht wurde. Sie sollte nachhaltig die Kontinuität des Charakters verändern und sich bis in die heutige Zeit auswirken.

Danach wendete Miller sich anderen Comicprojekten zu die nicht mehr im Bereich der Superhelden lagen, aber seine Weiterentwicklung stoppte niemals. Ständig veränderte er seine Art des Zeichnens und beeinflusste viele neue Talente.

Für mich waren die Jahre in denen er die Superhelden revolutionierte die besten in seiner Karriere, da ich sie live miterleben konnte. Miller zeigte allen das es an der Zeit war die Übermenschen zu realeren Wesen zurück zu erziehen und den normalen Sterblichen zu zeigen das selbst ein BATMAN Schwächen hat und diese auch sein Untergang sein können. Sein Einfluss auf die Superhelden ist selbst heute noch maßgeblich zu spüren und auch die Verfilmungen der Heldensagen orientieren sich eher an den düsteren Tönen, denn an der Farbenpracht der alten Tage.

Miller wagte den ersten Schritt doch Viele folgten ihm nach.

Bildquellen:
Comiccover: www.comicspriceguide.com
Foto: www.scifipedia.comSoundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert

Geboren 1966 in Solingen, interessiere ich mich seit frühster Jugend für Bücher, Comics, Filme, Hörspiele, Musik und alle anderen Medien, welche zur Unterhaltung dienen können.

Ich lebe seit 2007 in Hannover - einer Stadt, welche viele Möglichkeiten zum Ausleben des Hobby anbietet.

Kommentare zu konsumierten Medien verfasse ich seit 2007, mal mehr, mal weniger intensiv.

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