John Byrne – never the „King of Comics“

Es gibt sie, die wenigen Zeichner- und Texter-Legenden auf dem amerikanischen Comicmarkt, welche heute noch leben und sich leider zu Lebzeiten bereits selbst überlebt haben in ihrem Schaffen.

John Byrne, 1992Eine dieser Figuren ist John Byrne – ein Mann der die Comicszene der Siebziger- und Achtzigerjahre des letzten Jahrtausends entscheidend mitgeprägt hat.

Unvergessen ist sein Run auf den UNCANNY X-MEN, welche er gemeinsam mit Chris Claremont auf bisher niemals dagewesene Höhen brachte was Verkäufe und Popularität anging. Seine kanadischen Superhelden ALPHA FLIGHT brachten den X-MEN-Hype sogar noch mehr auf die Spitze.

Fünf Jahre lang brachte er die FANTASTIC FOUR wieder aus Kurs und erschuf Geschichten die weit über den bisher bekannten Horizont der vier Superhelden hinaus gingen.

Auch später brachte er mit Serien wie AVENGERS WEST COAST, SHE-HULK, NAMOR, THE SUB-MARINER, der Neuentwicklung von SUPEMAN und anderen Titeln teilweise frischen Wind in Story und Artwork.Sensational She-Hulk 1

Doch dann begann der Abstieg. Zwar schloss Byrne sich in den frühen Neunzigern der Bewegung der Creator-Owned-Serien bei DARK HORSE an, doch so wirklich schaffte er es niemals wieder zu alten Höhen aufzusteigen.

Seine NEXT MEN waren eine Science-Fiction-Kopie der X-MEN, sein BABE eine psychedelische Kopie von SHE-HULK und DANGER UNLIMITED wie auch TORCH OF LIBERTY erinnerten zu sehr an die FANTASTIC FOUR oder CAPTAIN AMERICA.

Da wo Mike Mignola seinen HELLBOY entwickelte und Frank Miller zu seinem SIN CITY fand, in welcher er mental immer noch zu verweilen scheint, brachte Byrne nur Kopien seiner großen Erfolge zustande. Auch die Rückkehr zu MARVEL COMIC (unter anderem im kompletten Reboot von SPIDER-MAN) brachte nichts wirklich neues zustande.

Bekannt für kontroverse Aussagen lies sich Byrne 1994, im Todesjahr Jack Kirbys, zum Kommentar „Jetzt, da Kirby tot ist, wäre dann wohl ich der neue KING OF COMICS!“ hinreißen. Er wollte sicherlich damit untermauern das er solche eine Bezeichnung nicht wirklich gerechtfertigt finden würde und er sie nicht wolle, doch disqualifizierte ihn die Aussage in den Augen vieler Jack "KING" KirbyComicleser.

Byrne begann 2008 für IDW zu arbeiten. Er schuf für diesen Verlag einige Miniserien im STAR TREK-Universum, zwei One-Shots für den TV-Vampir ANGEL, eine JURASSIC PARK-Miniserie und eine Superheldenserie namens FX, welche jedoch aus der Feder eines anderen Autors stammte.

Kreative Freiheiten konnte er sich bei den ganzen Lizenzen nicht heraus nehmen, also wurde das Konzept der NEXT MEN ausgegraben, welche damals bei DARK HORSE mit einem Cliffhanger beendet wurden und bei IDW zu einem mehr oder weniger befriedigenden Ende fanden. Next Men

Danach besann sich Byrne auf seine scheinbare Lieblingszeit, die des kalten Krieges, und siedelte dort seine Agentenserie COLD WAR an, welche mehr schlecht als recht konzipiert und umgesetzt wurde.

Das Jahr 2012 setzte dann den (nicht wirklichen) Meilenstein in seiner Karriere, welcher mich zu diesem Geschreibsel hier inspirierte: Byrne kehrte zum Genre der Superhelden auf traditionelle Art und Weise zurück.

Trio&GolgothaAuch wenn die #1 der Serie TRIO, im Mai 2012, mit den Worten „Another Time. Another Place“ begann, wurde schon nach zwei Seiten klar wen man da vor sich hatte. ONE, TWO und THREE – oder auch PAPER, SCISSORS und ROCK – waren nichts anderes als eine Version der FANTASTIC FOUR ohne HUMAN TORCH. Ihr erster Gegner war ein Wesen das aussah wie MARVELs TRITON, sich benahm wie NAMOR und auch einen eignen LEVIATHAN mit sich brachte. Danach schlugen sich die drei Helden mit einer Mischung aus DOCTOR DOOM und RED SKULL herum, welche natürlich deutschen Ursprungs und ein Nazi war – stereotyper ging es nicht mehr.

Die vierteilige Limited Serie endete mit einem Debakel, welches ein paar Helden tot vermuten lies und den Rest unkennbar verändert. „To be continued. We promise“ verlautet man auf der letzten Seite der #4, doch lies die Fortsetzung von August 2012 bis Oktober 2013 auf sich warten…

…und fand in einer komplett neuen Serie unter neuem Titel statt.

TRIPLE HELIX griffen in das Geschehen um den Fight zwischen TRIO und GOLGOTHA – wie der Nazifuzziebösewicht sich schimpft – ein. Doch auch hier nichts neues im Lande Byrne.

Triple HelixCATACLYSM, APEX, JAVELIN, PYLON und DART erinnern nicht nur in den Superkräften an HAVOK/CYCLOPS, BEAST, COLOSSUS, ICEMAN und QUICKSILVER – auch die Uniformen sind so X-MEN-like, das es schon extremer Vorstellungskraft bedarf diese als neu oder gar innovativ zu empfinden. Hinzu kommen noch MONITORS – SENTINEL-ähnliche Kunstwesen, und Byrnes eigene Version intergalaktischer AVENGERS, welche in #4 von TRIPLE HELIX vorgestellt werden und wahrscheinlich die Grundlage der nächsten Limited Serie – mit dem eventuellen Titel CONCLAVE – darstellen könnte.

Byrne versucht dem Leser zu vermitteln das all diese Charaktere bereits Jahrzehnte in Aktion seien und dem Käufer der Serien ans Herz gewachsen sein müssten. Dem ist jedoch nicht so und so wirken vermeintlich dramatische Enthüllungen über Superheld XY unfreiwillig komisch, da sie weder dramatisch sind, noch den Leser irgendwie erschrecken oder gar bedrückend.

Fantastic Four 236Der Beginn von TRIPLE HELIX ist wie eine Voraussetzung der Kenntnis aller Geschehnisse in TRIO, ohne auch nur im entferntesten darauf hinzuweisen das es eine Fortsetzung der ersten Serie ist. Byrne startet direkt in die Story und scheint davon auszugehen das alleine seine beteiligung an der ganzen Sache genug ist das ganze Tohowabohu als tolle Sache anzunehmen. Auch der Erzählstil ist eher eine Art von pseudointellektuellem Comicgewäsch, denn wie die klare Linie, welche er in anderen Serien gezeigt hat.

Helden die keiner kennt, mit denen keiner leidet und die nur wie klägliche Identkopien dessen wirken, mit dem Byrne seine großen Erfolge hatte. Einzig der Zeichenstil hat sich erfreulicherweise in keinster weise verändert, was mich nach wie vor zum Kauf der byrnschen Serien führt.Uncanny X-Men 137

Es bleibt abzuwarten ob Byrne den selben Weg gehen wird wie damals Jack KING Kirby – bei einem Independent Label mit eigenen Werken, welche die ehemalige Kreativität und Genialität komplett vermissen lassen. Die Ideen an sich sind nicht schlecht, doch scheint John Byrne sich hier selbst nicht an einem weiteren Satz aus seiner Vergangenheit messen zu wollen: „Any story which deliberately violates core concepts and themes of original materials is not, by definition “a good story.”“.

The King is dead, and there will never be another!Soundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert

Geboren 1966 in Solingen, interessiere ich mich seit frühster Jugend für Bücher, Comics, Filme, Hörspiele, Musik und alle anderen Medien, welche zur Unterhaltung dienen können.

Ich lebe seit 2007 in Hannover - einer Stadt, welche viele Möglichkeiten zum Ausleben des Hobby anbietet.

Kommentare zu konsumierten Medien verfasse ich seit 2007, mal mehr, mal weniger intensiv.

Letzte Artikel von Thomas Rippert (Alle anzeigen)