„Die Weisse Lilie“ oder: manch Blume blühet zu verborgen!

„Spannend geschrieben und absolut hörenswert – ein wahrer Blockbuster für’s Ohr. Mit „Die Weisse Lilie“ erscheint eine neuartige Hörspielserie, die auf erfrischende Weise Kriminalroman, Politthriller und Verschwörungstheorie gekonnt vereint. Getragen wird das Audio-Abenteuer von hervorragenden Sprechern, einem hollywoodreifen Soundtrack und einem unvergleichlich lebendigen Sounddesign.“

*räusper*

…ok, das lasse ich einfach mal so stehen.

Klappern gehört ja zum Handwerk, aber das hier schien mir dann doch ein wenig zu dick aufgetragen um die eventuell geweckten Erwartungen auch nur ansatzweise befriedigen zu können, oder?

Doch fangen wir am Anfang an…

Da Lukes Meinung, der unnachahmlich subjektive Multimedia-Blah-Blog (klapper, klapper), von September 2015 bis April 2016 eine „Boah, das is nich mehr schön, es nervt nur noch!“-Pause machte, entging mir eine Mail, in der mir eine neue Hörspielproduktion zwecks Rezension angetragen wurde.

Als ich nun mit der Seite auch die Mailadresse wieder aktivierte, erreichte mich eine Mail eben dieser Hörspielproduktion mit der Frage „Ey, ich hab dir was geschickt, wieso schreibst Du nichts, Spacko?“ – nur wesentlich höflicher und freundlicher formuliert.

Anbei waren zwei Links zu den ersten beiden Episoden der Hörspielserie „Die weisse Lilie“ von Benjamin Oechsle und Timo Kinzel.

Gelesen hatte ich darüber bereits bei Facebook, doch so wirklich bewegen konnte es mich nicht. Einzig der Aspekt das Martin Sabel und Marc Bremer zu hören sein würden, war für mich interessant.

Hörspielserien, welche von Hörspielfans produziert werden, sind sehr oft mit zu viel Hobbypathos und Selbstüberschätzung garniert und werden den Anforderung an Profiproduktionen nicht wirklich gerecht. „Ey, ich höre die Gruselserie und kann das Wort Hörspiel schreiben!“ sind keine Qualitäten, welche automatisch dazu führen, ein begnadeter Hörspielmacher zu sein.

DWL_01Nun las ich die Inhaltsangabe zu Folge Eins und die machte mich neugierig darauf, wie Martin Sabel einen Hitman anlegen würde.

„Daniel Porter ist Auftragskiller und überlässt nichts dem Zufall. Doch als er auf einen Warlord im Osten des Kongo angesetzt wird kommt er stets einen Schritt zu spät und sieht sich in der Stadt Goma mit verhängnisvollen Ereignissen konfrontiert. Ehe er richtig begreift wird er vom Jäger zum Gejagten und tappt in eine mörderische Falle, aus der es scheinbar kein Entkommen gibt.

Unterdessen fühlt sich der eigenbrötlerische Detective Henry Miles in Boston vor den Kopf gestoßen, als man ihm einen jungen Partner zuteilt, der frisch von der Akademie kommt. Doch spätestens als den beiden nach einer zermürbenden Geiselnahme eine Frau vor das Auto läuft ist Miles froh über den Neuen an seiner Seite. Das Unfallopfer führt die beiden Polizisten auf die Spur eines beispiellosen Gewaltverbrechens, das unmittelbar mit dem Geschehen in Afrika zusammenzuhängen scheint.“

Klingt gut, oder?

Ist es auch!

Wieso dann also keine Besprechung der einzelnen Folgen?

Weil ich nicht wirklich in Medias Res gehen will und alles bis auf die kleinste Kleinigkeit sezieren!

Die Sprecherliste ist prominent und akustisch bekannt bestückt. Auch kleinere Rollen, wie z.B. „Soldat 2 Camp“, wurden so besetzt, das man nicht auf Frank Schmitz-Müllerstein aus Dresden zurück gegriffen hat, welcher sich mit unglaubwürdigem Eifer bemüht einen kongolesischen Akzent zu faken. Wenn man nun Ibrahima Sanogo in dieser Rolle zu hören bekommt, merkt man schnell, das es den Machern um eine Menge Authentizität ging, denn man bekommt den „Real Deal“ geboten und keine Pseudoprofis mit Fakeakzent auf Hobbyniveau.

Der Rest vom Fest ist ebenfalls angenehm anzuhören. Die Klangkulisse üppig, die Musik unaufdringlich, die Inszenierung geschmeidig um eine – für deutsche Hörspielverhältnisse recht ungewöhnliche – Geschichte gelegt und auch die angebotene Klangqualität von 320k im MP3-Format gibt keinen Grund zum bashen der Produktion.DWL_02

Die CD ist tot, es lebe der Download!

Das Hörspiel wird (fast) ausschließlich als Download angeboten, denn wer heutzutage als Unbekannter in der Produktionsszene eine komplett neue Serie auf CD produzieren lässt begeht wissentlich Suizid mit den Herstellungskosten.

Mich stört dies nicht, denn ich habe mit der CD abgeschlossen, seit ich Produktionen aus Übersee höre, welche sich kostentechnisch nur als Download in der Anschaffung lohnen.

Wer dennoch eine CD braucht um glücklich zu sein, der hat die Möglichkeit die erste Folge als CD zu erwerben – für 9.99 € (Stand Mai 2016) – wobei es den Download bereits für 6,99 € (Stand Mai 2016) am Amazonas oder bei iTunes zu kaufen gibt.

Für wen ist „Die weisse Lilie“ also geeignet?

Für alle Freunde von schnellen Hörspielen, ohne viel zusätzliches Laber-Füllmaterial. Für Hörer die genug haben von 1234 Sherlock Holmes und endlich mal etwas hören wollen, das den deutschen Hörspielstandart ein wenig verlässt. Für Neo-Hörspieler wie mich, die sich nicht für sichere Abverkaufsproduktionen interessieren und lieber am innovativeren Rand hören.

Wichtig war für mich auch der Umstand das die deutsche Sprache hier nicht als Stelze in der Gegend herum steht, sondern recht lebendig genutzt wird. Dies ist für mich einer der wichtigsten Punkte bei einer Produktion, denn die Lebendigkeit der Charaktere – also das sie „gelebt“ und nicht nur gespielt werden – ist zwar in jeder überseeischen Produktion zu finden, lässt sich aber hierzulande viel zu selten blicken.

Es hat mir gefallen, das kann ich sagen!

Interessiert? Dann geht’s hier weiter: http://dieweisselilie.com/

Thomas Rippert

Geboren 1966 in Solingen, interessiere ich mich seit frühster Jugend für Bücher, Comics, Filme, Hörspiele, Musik und alle anderen Medien, welche zur Unterhaltung dienen können.

Ich lebe seit 2007 in Hannover - einer Stadt, welche viele Möglichkeiten zum Ausleben des Hobby anbietet.

Kommentare zu konsumierten Medien verfasse ich seit 2007, mal mehr, mal weniger intensiv.

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