Bye bye, Dorian Gray!

Alles begann für mich am 8. Juli des Jahres 2013 A.D.!

Mit fast 10 Monaten Verspätung machte ich Bekanntschaft mit einer der schillerndsten und interessantesten Hörspielpersönlichkeiten, welche je die englischsprachige Hörspielebühne betreten hat. Was im Oktober 2012 mit einem kleinen und kurzen „1.1. This World Our Hell„ begann, schnell seine Fangemeinde fand und mehrere Sequels nach sich zog, endete dieses Jahr mit einer fulminanten „Series Five“, welche den Abschied des ach so liebgewonnenen Serienhelden nur um so schwerer gestaltete als er es ohnehin schon ist.dorian-1

Der Name des Helden ist Dorian Gray…

…genau der Dorian Gray, welcher vielen meiner Leser als die Lichtgestalt des Romanes „The Picture of Dorian Gray“ von Oscar Wilde bekannt sein dürfte und auch sollte.

Die Serie, welche von Big Finish – unter anderem auch das Hörspielzuhause von Doctor Who – produziert wurde, trägt den sinnigen Titel „The Confessions of Dorian Gray“ und geht davon aus, das Mr. Gray eine real existierende Gestalt ist, welche mit Oscar Wilde befreundet war und dem Autor die Möglichkeit gab durch seine Lebensgeschichte den Bestseller schlechthin zu verfassen.

In mehreren Staffeln und Einzelepisoden erlebt man das Leben, Lieben und Leiden des unsterblichen Lebemanns Dorian Gray an eigenen Ohren und wird in viele übersinnliche Dinge vollends hinein gesogen, denn die Serie hat es in sich.

Zuerst sind da einmal die perfekt ausbalancierten und recherchierten historischen Fakten, welche mit einem neuzeitlichen Mythos verwoben werden, um eine Melange aus Melodrama und Horrorstory zu erschaffen, welche auch diverse Loverstorys nicht außer acht läßt.

dorian-trick-or-treatDie Hauptrolle wurde mit Alexander Vlahos besetzt, welcher Dorian in alle möglichen emotionalen Akustiken abdriften lässt. Sei es nun die Liebe zu den diversen Wegbegleitern des Dandys, der Eiseskälte des Unsterblichen welcher sich nicht an den Unbedeutsamkeiten der Sterblichen messen lassen will, oder der Rage des Racheengels in eigener Mission – Vlahos spricht Gray nicht, er lebt ihn bis zur teilweise schmerzhaft realen Besessenheit aus.

Hatte man vor der Produktion der vierten Staffel schon damit geliebäugelt Gray in Rente zu schicken, so zeigte man ein Herz für die Fans und ließ ihn noch eine weitere Staffel und ein Special die Herzen seiner Gefolgsleute weiter erobern, nur um ihn dann doch 2016 ungnädig aus dem Leben des Big Finish zu reissen.

„The Confessions of Dorian Gray“ ist eine Serie welche gerade durch ihre leisen Töne in einer extrem intensiven Inszenierung zu überzeugen weiß. Das Spiel von Alexander Vlahos, welcher übrigens der einzig wirklich Fixpunkt der kompletten Serie ist – tut das seinige dazu, um den einseitigen Mythos, welchen Wilde mit seinem Buch begründete um tausendfache Facetten zu erweitern und ein Gesamtepos zu erschaffen, das noch lange in den Ohren der Zuhörerschaft nachhallen wird.

Ich schäme mich nicht, über diese Serie sämtliche Superlativen auszuschütten, welche man je einem Hörspiel hat zu Teil werden lassen. Defacto ist Gray eine kleine Produktion, ohne viel Umstand, aber gerade das macht sie aus. Kopfkino, statt Hollywoodkino für die Ohren. Tiefgehende Geschichten statt Explosionen oder Eigenlob ohne Scham. Ruhe statt Hektik. Sinn statt Profitgier. Intellekt statt Muskelkraft… usw. usw. usw…

Wer des englischen mächtig ist – und hier reicht Schulenglisch definitiv aus – der möge sich Dorian und seiner Welt widmen.dorian-5

Selbst dem Pfennigfuchser wird Big Finish gerecht, denn es gibt ansehnliche Appetithäppchen, welche kostenlos herunter geladen werden können.

Doch sei der Downloader gewarnt: Wer sich von Dorian anfixen lässt, der wird ihn nie wieder missen wollen!

Bye bye, Dorian, it was a hell of a time. I will miss you!!!

Where to find Dorian!

Thomas Rippert

Geboren 1966 in Solingen, interessiere ich mich seit frühster Jugend für Bücher, Comics, Filme, Hörspiele, Musik und alle anderen Medien, welche zur Unterhaltung dienen können.

Ich lebe seit 2007 in Hannover - einer Stadt, welche viele Möglichkeiten zum Ausleben des Hobby anbietet.

Kommentare zu konsumierten Medien verfasse ich seit 2007, mal mehr, mal weniger intensiv.

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