John Sinclair, Demon-Hunter – der bessere Sinclair!?!


„There is a darkness, that is more then an absence of light. It´s a living thing. It takes you completely. My name is John Sinclair. I work for Scotland Yard, Special Division!“

Im Jahr 2000 revolutionierte Oliver Döring mit seiner „Edition 2000“ des „Geisterjäger John Sinclair“ das angestaubte und vollkommen abgestorbene Medium Hörspiel Deutsch von Grund auf und verschaffte ihm eine Renaissance, welche über acht Jahre hinweg eine große Flut an neuartigen Produktionen hervor brachte und auch heute noch seine Nachwehen auf dem Markt bei behält.

Und genau dieser Geisterjäger hat bereits mehrere Reinkarnation im Hörspiel hinter sich. Die Uralt-Fans kennen noch die mittlerweile neu auf CD erschienene Serie des Tonstudio Braun, welche bereits damals nicht dem Standard an Hörspieltechnik entsprach als sie erschien, aber heutzutage dennoch für den ein oder anderen Lacher sorgen kann.

Dann kam die „Edi 2000“ und alles änderte sich im hollywoodreifem Stil. Der Erfolg der „Mutterserie“ brachte die „John Sinclair Classics“ hervor und mittlerweile hat sogar eine Wachablösung in der Stimme des Hauptcharakters sowie dem Erzähler stattgefunden. Man mag zu den Folgen nach der Übernahme von Dennis Erhardt auf dem Regiestuhl stehen wie man will, doch hat weder der Regie- noch der Stimmenwechsel dem guten John die Popularität nehmen können.

2015 versuchte Bastei sich nun europaweit zu etablieren und holte dafür sein jahrzehntealtes Schlachtross Sinclair erneut aus dem Kämmerlein um ihm nun ein englischsprachiges Gewand auf den Hörspiel- und E-Book-Leib zu schneidern.

Aus dem „Geisterjäger“ wurde der „Demon-Hunter“ und auch sonst veränderte sich so einiges, denn man beließ es nicht bei einer reinen Anpassung an die Gegenwart.

John Sinclair ist nun ein Afghanistan-Veteran, welcher an Posttraumatischem Stresssyndrom leidet, Antidepressiva zu sich nimmt – teils auch in Verbindung mit Alkohol, seinen Psychiater regelmäßig besucht um mit ihm seine Kriegserfahrungen aufzuarbeiten und auch sonst ist der Bursche wesentlich ruppiger unterwegs, als man es aus den deutschen Gefilden gewohnt ist.

Doch nicht nur Johnny Himself wurde ansprechender und interessanter: Bill Conolly verdient sein Geld als Paparazzo, der erst einmal ein respektierlicher Reporter werden will und ist wesentlich jünger als Sinclair. Auch sind die beiden nicht die Lovebirds, wie man sie hierzulande präsentiert bekommt. Sie beschimpfen sich gegenseitig und ihre Freundschaft ist eher als sehr ruppige Bromance zu bezeichnen, welche meistens aus Notwendigkeiten besteht.

Sheila Hopkins, die spätere Sheila Conolly, ist eine ehemalige Drogensüchtige, welche auch nicht vor Heroin zurück geschreckt hat.

Sir James Powell ist Homosexuell und lebt mit seinem Mann zusammen – welches eine sehr amüsante Szene hervor bringt, als Sinclair zu Sir James nach Hause zitiert wird:

Sinclair: „John Sinclair. I´m here to see Sir James!“

Walter: „I know. You´re late!“

Sinclair: „And you are?“

Walter: „Walter. I´m Jimmys Husband!“

Sinclair: „Excuse me?“

Walter: „You look surprised!“

Sinclair: „I can´t believe you called him „Jimmy“!“

Walter: „Oh, he hates it, believe me!“

Gerade diese Szene ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie erfrischend man mit dem Kopfmief der deutschen Hörspieler umgehen kann, welche so eine Änderung ihrer Hörspielwelten sicher mit Empörung und Boykottschreien quittieren würden, statt es einfach als neuzeitlich gegeben zu akzeptieren – würden sie denn die englische Version hören. Pun intended!

Auch in der Inszenierung wagte man sich weit auf die offene Hörspielsee hinaus, denn der „Demon-Hunter“ geht ungleich brutaler zu Werke, als es dem deutschen „Geisterjäger“ bisher gestattet gewesen ist (momentaner Stand meiner Hörreihenfolge Deutsch ist bei der Edi 2000 die #107 und bei den Classics die #24).

Diese Inkarnation des „Sohn des Lichts“ hat sich bereits ab der ersten Folge den Spitzenplatz in meiner subjektiven Sinclair-Rangliste gesichert und wird dort auch sicherlich noch lange Zeit bleiben – denn eine deutlich neuzeitliche Anpassung der deutschen Produktionen ist nicht wirklich zu erwarten.

Bisher erschienen sind Curse of the Undead (Die Nacht des Hexers), The Lord of Death (Mörder aus dem Totenreich), Dr. Satanos (Dr. Satanos), A Feast of Blood (Das Leichenhaus der Lady L.) , Dark Pharaoh (Sakuro, der Dämon) und The Vampire Graveyard (Friedhof der Vampire).

Zwar ist auch der englische „Dr. Satanos“ genau so öde und daneben wie seine deutsche Version, doch kann in der englischen Wiederauferstehung die gute „Lady L.“ wesentlich besser punkten als mit ihrem deutschen Pendant.

Der „Demon-Hunter“ ist wieder einmal angepasster Hollywood-Style, doch nicht mehr von 2000 sondern von 2015. Dies bedeutet wesentlich mehr Action, schnellere Handlungsabläufe, fast kaum Pseudo-Schock-Elemente und wesentlich mehr Homogenität im Zusammenspiel aller Figuren.

Wer sich nun vor den anderssprachigen Gefilden scheuen mag, dem sei versichert das man in diesen sechs Episoden mit seinem normalen Schulenglisch gut zurecht kommt und die Dialoge keineswegs die Qualität einer BBC-Produktion vor sich her tragen.

Somit möchte ich jedem Hörspieler mit Mut zum Über-den-Teller-kucken raten, sich die Episoden zuzulegen und sich zeigen zu lassen, wie man es auch anders und subjektiv besser machen kann.

Ich hoffe das eine zweite Staffel produziert werden wird und dieser DCI nicht in der Versenkung als Exot verschwindet.

 

Thomas Rippert

Geboren 1966 in Solingen, interessiere ich mich seit frühster Jugend für Comics, Filme, Hörspiele, Musik und alle anderen Medien, welche zur Unterhaltung dienen können.

Ich lebe seit 2007 in Hannover - einer Stadt, welche viele Möglichkeiten zum Ausleben des Hobby anbietet.

Kommentare zu konsumierten Medien verfasse ich seit 2008, mal mehr, mal weniger intensiv.
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Über Thomas Rippert

Geboren 1966 in Solingen, interessiere ich mich seit frühster Jugend für Comics, Filme, Hörspiele, Musik und alle anderen Medien, welche zur Unterhaltung dienen können. Ich lebe seit 2007 in Hannover - einer Stadt, welche viele Möglichkeiten zum Ausleben des Hobby anbietet. Kommentare zu konsumierten Medien verfasse ich seit 2008, mal mehr, mal weniger intensiv.