DIE BESCHÜTZER – Ein Klagelied für deutsche Superhelden!

Manchmal ist es ein Trauerspiel!

Im Kino boomen die Superheldenfilme nach wie vor, im TV jagen sich die Serien mit übermenschlich begabten Helden gegenseitig den Rang ab, Comics Comics überall… nur irgendwie will der deutsche Buchmarkt diese Gattung nicht so wirklich annehmen.

Ich gebe zu, dass ich nicht viele Bücher mit Superhelden kenne, da es für mich bisher eine rein optische Sache, also Comic und Film und TV, war – welche von den Hörspielen der „Schwarze Fledermaus“ und „Batman“ auf akustische Gefilde gelenkt wurde – welche von „Die Beschützer“ in Richtung Buch gelenkt wurde…

…und genau um besagte „Die Beschützer“ soll es bei diesem Klagelied aus dem Tal des Jammerns gehen.

Der Klappentext des ersten Buches „Ära der Helden“:

„Deutschland braucht Superhelden!

Zumindest, wenn es nach der Ansicht Konrad Berghoffs geht. Der Inhaber zweier Biotech-Firmen erforscht seit Jahren die Möglichkeiten übernatürlicher Fähigkeiten beim Menschen. Als die selbst ernannte Rächerin Sin Claire über die Dächer Frankfurts fliegt und Raubüberfälle ebenso vereitelt, wie sie Menschen in Not rettet, wittert der Industrielle eine echte Chance, seinen Traum eines Superheldenteams umzusetzen. Er beauftragt den Ermittler Kevin Burscheid, Sin Claire und weitere Begabte für seine Sache zu gewinnen. Doch die vermeintlichen Helden fügen sich nur widerwillig in ihre Rollen. Erst als ein Schurke mit unglaublichen Kräften Frankfurt unsicher macht und Menschenleben in Gefahr sind, kommt es zum Team-up.

Die Beschützer sind da!“

Und so ist es! Deutschland braucht Superhelden!!!

Beginnen möchte ich meinen Klagesingsang mit der Erwähnung einer kurzer Facebookunterhaltung, welche ich 2015 mit Martin Kay – einem meiner Lieblingsautoren – führte. Während des kurzen Wortwechsels erwähnte ich, dass ich gerne einmal in einem Buch auftauchen und sterben wolle. Martin meinte man könne dies einrichten… irgendwann.

2016 sollte es dann soweit sein. Ich würde als „Ronny Rippert“ im ersten Buch von „Die Beschützer“ auftauchen, aber ein Tod wäre dem Charakter nicht beschieden. Freude, Freude…

…doch muss ich auch sofort erwähnen, dass ich nicht aus diesem Grund ein bekennender Fan geworden bin, denn „Ronny Rippert“ ist ein wenig schmeichelhafter Charakter!

Bevor ich das erste Buch der „Beschützer“ bekam, hatte sich mein Buchkonsum auf fast Null herunter geregelt. Nachdem ich die Lieferung vom Atlantis Verlag erhielt, war ich natürlich neugierig wie denn der gute alte „Ronny“ so ausgefallen war. Ich verschlang den Roman und seine Lektüre feuerte erneut meine Lust auf Bücher an, welche bis heute anhält.

Zwar musste ich mich zuerst daran gewöhnen, dass sich in Frankfurt übernatürliche Wesen im Kampf für das Gute tummelten. Die Charaktere verstanden es jedoch schnell durch ihr typisch deutsches Leben und typisch deutschen Probleme, einen Flair aufzubauen, welcher nicht von Pappe ist. Und auch die typisch deutsche Polizei – zu der „Ronny Rippert“ gehört – tat das ihrige zum Gefallen hinzu.

So angefixt versuchte ich natürlich mehr Superheldenromane aufzutreiben, doch die meisten spielten sich in irgendwelchen Teeniegefilden ab und so gab ich nach zwei Versuchen mit anderen Serien genervt auf. „Die Beschützer“ waren das einzige was ich finden konnte, welches meinem mittlerweile erwachsenem Anspruch gerecht wurde und nicht die üblichen Verdächtigen von Marvel oder DC bot.

Band Zwei, mit dem Titel „Zeit des Erwachens“ – welcher von Dirk van den Boom verfasst wurde, ebenfalls ein Lieblingsautor von mir – wurde kurz nach dem Erhalt genau so verschlungen wie sein Vorgänger.

Heute las ich nun bei Facebook die Nachricht, dass der zweite Roman auch der letzte gewesen sein soll, denn die Verkaufszahlen der Serie rechtfertigen keine Fortsetzung und machen dieses Ausnahmeprojekt zu einer unrentablen Sache.

Traurig, aber kaufmännisch wohl die einzig richtige Entscheidung – auch wenn nun mein kleines, rabenschwarzes Herzchen blutet, denn die Figuren sind mir mittlerweile an selbiges gewachsen.

Doch die Hoffnung stirbt ja bekanntlicherweise zuletzt!

Fans von Superhelden aller Couleur: Diese Serie ist etwas für euch, so ihr denn lest!

Fans von guter Unterhaltungsliteratur, welche es ja eh noch immer schwer in Deutschland hat: Hier geht regional der Express nach Hollywood ab, auch wenn es in Frankfurt spielt!

Menschen, denen die ganzen bekannten Helden mittlerweile nicht mehr genug sind und welche den Superman- und Spider-Man-Überfluss nicht mehr ertragen können: Hier ist „Sin Claire“, eine alleinerziehnde Mutter, welche mit ihren Superkräften gerade erst lernt umzugehen. Hier ist „Dr. Hand“, welcher mit der Lebensenergie anderer Menschen Menschenleben rettet und damit so seine moralischen Probleme hat. Hier ist Kevin Burscheid, ein Ex-Cop, welcher sich mit den Helden sowie mit deren Finanzier herum schlagen muss um nebenbei noch die deutsche Polizei auf Abstand zu halten.

Superhero-Fans, denen die Tiefe der alten Helden fehlt, welche heutzutage nur noch auf ein fast unerträgliche Maß an „dark & gritty“ gebürstet wird (it´s the 90s all over again): Hier sind menschliche Helden, mit menschlichen Problemen. Keine Götter zeigen einmal mit dem Finger und alles ist gut! Keine Supermänner und Superfrauen husten einmal quer und die Schurken fallen sofort reihenweise um. Hier wird noch mit akribischer Handarbeit für Recht und Gesetz gesorgt, während man sich meilenweit außerhalb jeder Rechtsgrundlage bewegt.

Wenn ihr das hier lest, gebt den Beschützern eine Chance!!! Prettyplease, with sugar on top!!! Klickt auf die Links und legt euch diese Kleinode an deutscher Superheldenliteratur zu!!!

Die Heldenszene wird um eine wirklich relevante Gruppe ihrer schillerndsten Protagonisten ärmer sein, wenn „Die Beschützer“ aufgeben müssen…

Thomas Rippert

Geboren 1966 in Solingen, interessiere ich mich seit frühster Jugend für Bücher, Comics, Filme, Hörspiele, Musik und alle anderen Medien, welche zur Unterhaltung dienen können.

Ich lebe seit 2007 in Hannover - einer Stadt, welche viele Möglichkeiten zum Ausleben des Hobby anbietet.

Kommentare zu konsumierten Medien verfasse ich seit 2007, mal mehr, mal weniger intensiv.