Mach´s gut, Faith van Helsing – Abschiedsbrief an eine Freundin…

Dieser Artikel wurde bereits im Mai 2018 verfasst (bis auf den letzten Absatz) und musste aufgrund meiner gesundheitlichen Situation bis heute warten. Aber nu isser online…

„Niemals geht man so ganz
irgendwas von dir bleibt hier
es hat seinen Platz immer bei mir.“

Mit den (leicht) abgewandelten Worten des Kölner Urgesteins Trude Herr möchte ich einen Abschiedsbrief beginnen, der zu schreiben mir schwerer fiel als ich gedacht hatte.

Hier kommt allerdings erstmal der Spoiler-Hai, denn wer „Faith Van Helsing“ #56 bisher noch nicht gehört hat – egal ob es nun als „Tod in der Familie“ sei oder eher als „Am Ende ist alles Liebe…“ – der sollte nicht weiterlesen, denn ich werde hier spoilern was das Zeug hält!

Immer noch da? Gut, so sei es dann! 😉

Beginnend schicke ich voraus, dass dies ein Artikel aus der Sicht eines „Fanboys“ ist, denn als solcher bekenne ich mich, wenn es um die Hörspiele aus der Feder von Simeon Hrissomallis geht.

Als sich das damals recht unbekannte Label „R&B Company“ aufmachte die Horror-Welt des deutschsprachigen Hörspiels um eine neue Serie zu bereichern, hatten sich sicher weder die Macher noch die Fans träumen lassen, wie weit sich das ganze erstrecken würde und was für ein umfangreiches Universum Simeon „David Russel“ Hrissomallis und Wolfgang „Jase Brandon“ Strauss auf die Menschheit los ließen.

Am Anfang war da eine Ankündigung in allen damals existierenden Hörspielforen, welche als Scherz eingestuft wurde, denn die beiden Macher stellen „Faith“ der Hörspielerwelt am 01.04. vor – da lag der Verdacht eines Aprilscherzes nahe. Auch wurde sofort mit Mist geworfen als klar war, dass die kein Scherz ist. Der neuen Hörspielheldin war ihre Nähe zu „Buffy“ nicht abzustreiten und die Betonköpfe von damals konnten mit so etwas nicht umgehen.

„Faith“ hat sich Laufe der Jahre eine Menge an Bezeichnungen gefallen lassen müssen, welche ab und an definitiv nicht schmeichelhaft waren und dennoch hielten die Jungs von R&B am Konzept und an der Umsetzung bis zum Ende fest.

Manchen mag die Serie zu „flach“ oder zu „anspruchslos“ sein – mich hat jede Folge gut unterhalten, denn die Mischung aus der sie besteht ist alles andere als nur ein kruder Mix aus bekannten Sachen die einfach nur kopiert wurden.

Was als Hörspiel-Klon von „Buffy“ begann, entwickelte jedoch schnell ein Eigenleben. Auch wenn die erste Hörspielstaffel (Folge 1 bis 14) noch sehr an die erste Staffel der TV-Vampirjägerin erinnerte, so schlug sie jedoch schon während ihrer Entwicklung eine Richtung ein, welche sich recht weit vom Hommagebild entfernen sollte.

R&B – kurz, damit ich nicht immer Simeon Hrissomallis und Wolfgang Strauss schreiben muss – lebten ihre Vorlieben und Wunschvorstellungen lebhaft aus. So wurde Simeons tiefer emotionaler Bezug zu seiner Herkunft immer wieder Thema, wenn es darum ging, dass Handlungen in Griechenland spielten und man baute stets nette kleine Hinweise oder Seitenhiebe mit griechischem Bezug ein – bis zum Schluss.

Faith lebte ebenfalls davon das sehr viel emotionale Dinge vor sich gingen. Dinge wie Familie, Liebe. Verständnis und Freundschaft waren immer wieder ein großes Thema, an dem man merkte wie viel Herzblut und Eigenanteil des Autors in seine Geschichten mit einflossen. Doch auch heiße Eisen und unbequeme wurden ab und angefasst: Thema Kindesmissbrauch…

Doch alles in allem blieb Faith das was für mich ein Hörspiel sein sollte: Kurzweilige Unterhaltung, ohne zu verkopfte oder zu verschachtelte Themen. Es wurde geknutscht, gepoppt, explodiert, gemetzelt, gelitten, geliebt, gehasst und das alles in einem Tempo das einem teilweise den Atem rauben konnte.

Neben Einzelepisoden wurde stets das große Ganze vorangetrieben und im Abschlussneunteiler brachte man alle losen Enden zusammen, welche sich in dreizehn Jahren angesammelt hatten. Keine Frage blieb offen und kein Mysterium ungeklärt.

Und so, wie man mit Faith gewisse Standards des Hörspiels Deutsch neu definierte und belegte, so gab man auch dem Ende des Ganzen eine spezielle Note.

In der Version mit dem Titel „Tod in der Familie“ kommt Faith am Ende der Geschichte gewaltsam ums Leben und Angel zieht die gemeinsame Tochter allein groß. Dieses Ende wollte mir so gar nicht gefallen, denn in meiner Eigenschaft eines harmoniesüchtigen Lebewesens wollte ich nicht, dass dies alles ein böses Ende hatte, auch wenn „Melissa Van Helsing“ – die Tochter – als „Scarlet Shadow“ die Unterwelt unsicher macht. Das wäre auch anders machbar gewesen…

…und so ist es dann auch. Mit „Am Ende ist alles Liebe…“ bekam ich das, was ich wollte – Faith und Angel haben nicht nur eine Tochter, sondern bekommen noch einen Sohn während sie happily ever after leben dürfen.

Dieses Ende erschließ für eine mögliche neue Serie mit Melissa als „Scarlet Shadow“ wesentlich mehr Möglichkeiten und bietet auch die Gelegenheit sie zusammen mit Mama ab und an gegen die Unterwelt vorzugehen zu lassen oder sogar von Mama und Papa gemeinsam zur Verbrechensbekämpferin ausgebildet und trainiert zu werden.

Der Umstand, dass sich die Serie nun in den schien unüberschaubaren Pool der Maritim-Produktionen zukünftig einreihen wird, gefiel mir zuerst nicht wirklich. Doch werden R&B weiter federführend an ihrem Baby herumschrauben und so haben sich meine Befürchtungen einer kompletten Verfremdung des Urgedankens mittlerweile verflüchtigt.

Dennoch sage ich zuerst einmal: Bye, Faith, it was a hell of a ride und harre der neuen Dinge, welche dann (vielleicht) kommen werden. Und danke an Simeon und Wolfgang für viel unterhaltsame Stunden!

Thomas Rippert

Geboren 1966 in Solingen, interessiere ich mich seit frühster Jugend für Bücher, Comics, Filme, Hörspiele, Musik und alle anderen Medien, welche zur Unterhaltung dienen können.

Ich lebe seit 2007 in Hannover - einer Stadt, welche viele Möglichkeiten zum Ausleben des Hobby anbietet.

Kommentare zu konsumierten Medien verfasse ich seit 2007, mal mehr, mal weniger intensiv.

Letzte Artikel von Thomas Rippert (Alle anzeigen)