Larklight – Lerchenlicht

Larklight

Art Mumby und seine Schwester Myrtle leben mit ihrem Vater, einem Ichthyomorph-Biologen, in der Villa »Lerchenlicht« im Weltall. Art liebt es, die Frachtschiffe beim Anlegen und Ausladen zu beobachten, während Myrtle sich lieber Klavier spielend auf ihre Zukunft als feine englische Dame vorbereitet. Vom Leben in der Hauptstadt und Queen Victoria erfahren sie nur aus der täglichen Lektüre der London Times. Ein gewisser Mr Spindler – auch Wissenschaftler, wie das Briefpapier des Königlichen Xenologischen Instituts vermuten lässt – kündigt einen Besuch an. Die Aufregung ist groß, denn Besuche jenseits des Mondes kommen nicht gerade häufig vor. Doch anstatt eines Gentleman erscheint eine Invasion von Riesenspinnen, die den Biologen in ihre Gewalt bringt und die Geschwister zur Flucht ins Weltall zwingt. Eine lange und gefährliche Reise beginnt, auf der Art und Myrtle auf die kuriosesten Wesen treffen, ihr Leben und das Weltall retten müssen.

Sprecher, Regie und Musik: Rufus Beck

Gekürzte Lesung, 5 CD, Spielzeit: 338 Minuten

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Wenn man den Klappentext so liest, denkt man sich schon das seine. Dies ist auch in den ersten Minuten des Hörbuchs so. Die Hauptakteure sind (mal wieder) Halbwaisen und ihr Leben wird dadurch erschüttert das der verbliebene Elternteil, in diesem Fall der Vater, aus ihrem Leben gerissen wird.

Als die Villa, welche im All in der Nähe der Erde schwebt, namens „Lerchenlicht“ von einem Schiff voller Spinnen angesteuert wird, welche die komplette Villa einspinnen und den Vater der Kinder entführen, können sich die Geschwister Art und Myrtle Mumby in letzter Sekunde mit einer Raumkapsel retten.

Doch sind sie noch lange nicht gerettet. Obwohl sie hoffen von einem Raumschiff schnellstmöglich aufgenommen zu werden, die Kapsel hat kaum Nahrungsvorräte, geschieht dies leider nicht. Sie landen auf dem Mond und müssen sich mit sehr seltsamen Zeitgenossen herumschlagen. Neben den recht simpel gestrickten Pilzwesen treffen sie auch auf die Töpfermotte, welche ihre Opfer in Tontöpfe steckt in denen sich gefräßige Maden befinden.

Art und Myrtle landen in solchen Tontöpfen, doch können sie vom bekannten Piraten Jack Havok gerettet werden. Die Begegnung verläuft nicht so wie gedacht, denn Havok ist alles andere als das was die Medien aus ihm gemacht haben und seine Mannschaft besteht aus einer bunten Mischung der unterschiedlichsten Wesen. Havok erklärt sich bereit den beiden Kindern bei der Suche nach ihrem Vater zur Seite zu stehen. Doch nicht nur Mr. Mumby ist in Gefahr, der ganze Planet Erde steht auf dem Spiel.

Schublade auf, Lerchenlicht rein. Doch so einfach ist das nicht wirklich, denn diese Geschichte ist eine wilde Mischung aus Fantasy, Science-Fiction und Adventurestory. Am ehesten würde sich alles noch mit der Bezeichnung „Steampunk“ katalogisieren lassen. Alles spielt in einer hochtechnisierten Welt, in der sich Fabelwesen aller Art tummeln, doch die Technologie wirkt sehr archaisch und eher dem Anfang des vergangenen Jahrtausends entliehen.

Die Protagonisten verhalten sich wie Leute welche in den Romanen von Altmeister Jules Verne auf Abenteuer gingen, denn alles scheint hier im vorigen Jahrhundert verhaftet zu sein. Die Sprache so wie die diversen Verhaltenskodexe sind heutzutage nicht mehr haltbar und so entwickelt sich diese Utopie in die Richtung von „Was wäre wenn sich nur die Technik ab dem Jahr 1899 noch weiter entwickelt hätte, der Rest aber eher nicht?“.

Doch sollte man bei allem Planspiel nicht vergessen das dies hier Jungendliteratur ist und somit auch sehr leicht verdaulich daher kommt. Am ehesten würde ich die Machart mit den Klippenland-und Barnaby Grimes-Romanen von Paul Stewart und Chris Riddel vergleichen, denn der Stil ist recht ähnlich.

Dies ist der erste Teil von X Teilen. Man merkt der Geschichte auch an das sich der Autor nicht wirklich nur auf einen Teil festgelegt hat und das dort noch mehr Dinge sind, welche er unbedingt erzählen möchte. Der zweite Band ist bereits in Deutschland gedruckt unter dem Titel „Sternstunde“ erschienen und der dritte Band steht in diesem Jahr in Großbritannien an.

Gekonnt spielt der Autor hier mit den Möglichkeiten des Genres. Für die jüngeren Zuhörer produziert er fremde Welten und Wesen voller Sense Of Wonder, die interessant wie auch skurril angehaucht sind. Für den älteren Zuhörer läßt er ein wahres Feuerwerk an Stereotypen abbrennen und postiert so viele versteckte Schläge gegen andere Werke und reale Dinge im Hintergrund, das man nicht müde wird danach zu suchen. So gehen die 5 CD auch mit schnellem Tempo und hoher Qualität schnell und mit fast unmerklicher Dauer vorbei.

Der von vielen als „Ein-Mann-Theater“ bezeichnete Rufus Beck bewältigt hier alles in Personalunion was die Lesung betrifft. Er kann als Ich-Erzähler punkten und den jungen Art mit recht britisch-arroganter Art und Weise beleben und dessen Sichtweise angenehm real an den Zuhörer herüber bringen. Er spielt die Figuren gut genug aus um sie unterscheiden zu können, ohne hierbei jedoch in das von ihm so bekannte Overacting in gewissen Charakteren zu verfallen. Dies empfand ich als sehr angenehm und auch passend zum etwas gedämpfteren Sittengemälde der Geschichte.

Ungewöhnliche Ansicht diverser, bekannter Dinge mit einem sehr gut aufgelegten Rufus Beck am Ruder…Soundsystem-BLAU

 

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