Malteser Falke, Der

Malteser-Falke

Die attraktive Brigid bittet Privatdetektiv Sam Spade und seinen Partner Archer um Hilfe, weil sie Angst vor einem Mann namens Thursby hat. Am selben Abend wird Archer umgebracht, und schon bald taucht auch Thursby als Leiche auf. Spade beginnt ein Verhältnis mit Brigid, obwohl er weiß, dass sie nicht ehrlich zu ihm ist. Er erfährt, dass sie – und nicht nur sie – hinter einer wertvollen Skulptur aus dem 16. Jahrhundert her ist: dem Malteser Falken.

Sprecher: Wiglaf Droste

Ungekürzte Lesung, 8 CD, Spielzeit: 449 Minuten

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Es gibt Klassiker der Kriminalliteratur welche oft und auch ein wenig zu ausgiebig in andere Medien als die gedruckte Form, in der sie einmal gedacht waren, umgesetzt wurden. Der „Malteser Falke“ gehört zwar zu diesen Werken, fällt jedoch nicht in die Kategorie der negativen Bespiele.

So ist es auch nicht verwunderlich wenn sich ein Verlag, welcher zum Großteil Hörbücher aus der Welt der gehobeneren Kriminalliteratur anbietet, sich daran macht auch diesem großartigen Werk aus der Feder von Dashiell Hammett eine Vertonung angedeihen zu lassen, welche den kompletten Umfang der Buchvorlage einbezieht.

Hammett spielte hier, im Jahr 1930, bereits ausgiebig mit dem Bild des Antihelden, denn Sam Spade ist alles andere als ein sympathischer Zeitgenosse. Spade ist nicht nur hart gegen sich selbst, sondern begegnet seiner Umwelt auch mit einer gehörigen Portion Verachtung. Frauen sind für ihn nur Dinge welche sich erst als nützlich erweisen, wenn man sie zur Entspannung im sexuellen Sinne einsetzen kann, Mitleid kennt er selbst bei Todesfällen von guten „Freunden“ nicht und seine Kundschaft ist für ihn auch nicht mehr als lebensunfähige Trottel die ihm ihr Geld bringen dürfen. Alles in allem also der nicht wirklich angenehmste Mensch den man sich vorstellen kann.

Auch die Handlung der Geschichte ist nicht gerade einfach zu verfolgen, denn die Story driftete ab und an in Gefilde die nicht wirklich nachvollziehbar sind und die Vielzahl der agierenden Charaktere macht dies alles auch nicht gerade einfacher.

Was macht also das Flair dieser Geschichte aus und warum wurde die Machart des Romans, Held wie die Hard-Boiled-Gangart, von so vielen Autoren später kopiert? Die Antwort darauf ist recht simpel: Hammett spricht hier die niedersten Instinkte des Menschen an und versetzt ihn so in die Lage selbst jemanden wie Spade „nett“ zu finden, da in jedem selbst der kleine Drecksack geweckt wird den man gerne auch einmal ausleben möchte um sich gegen alle gesellschaftlichen Konventionen hinwegzusetzen.Hier ist alles, trotz allem Antiheldensympathiesymbolismus, simpel gestrickt und solch eine Geschichte kann man eigentlich auch nur in schwarz/weiß erzählen.

Auch wenn man ihn nicht namentlich kennt, so ist Wiglaf Droste doch recht aktiv was seinen Output angeht. Er war mir bisher zumeist durch eher humorige Ausbrüche bekannt und somit vermutete ich schon das schlimmste Desater, als ich mit dem hören der Lesung begann. Doch höre da, er macht seinen Job mit viel Inbrunst und einer Menge Gefühl für die Materie. Wiglaf Droste schafft es den Drecksack in sich – genau wie den Gutmenschen, den Feigling, den Verräter oder die nicht gerade ladyhafte Frau – akustisch nach draußen zu katapultieren und sie dem Hörer mit süffisantem Augenzwinkern um und in die Ohren zu schlagen. Jede Betonung sitzt genau da wo sie Effekt erzielt und somit gerät diese Lesung, wenn auch ein paar minimale Langstrecken zu vermelden sind, zum kurzweiligen Seelentrip in die Gefilde der Hard Boiled-Unterhaltung reinrassigster Natur.

Hier bekommt man den Prototypen des Helden geboten der gerade in der heutigen Zeit bis zur Unkenntlichkeit verzerrt und dessen Legat zu gerne bis zur Austrocknung gemolken wird. Ohne Schnörkel, brutal und auch ohne viel Moral…Soundsystem-BLAU

 

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