Somniferus

Somniferus

Der Kölner Schriftsteller Ralf Weiler erhält den Brief eines Anwalts, worin ihm das beträchtliche Erbe eines verstorbenen Onkels in Aussicht gestellt wird. Sofort reist er in das Eifeler Burgstädtchen Manderscheid. Doch das unverhoffte Glück steht auf wackeligen Füßen, denn er wird im Auftrag des Verstorbenen auf die Suche nach einem wertvollen Buch geschickt, in dem die grauenhafte antike Gottheit Somniferus ihre mächtigen Arme nach den heute Lebenden auszustrecken scheint.

Sprecher: Peter Woy

6 CD + 1 MP3-CD, Spielzeit: 410 Minuten

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Michael Siefener, der Autor des Romans welcher dieser Lesung zu Grunde liegt, scheint ein sehr großer Fan der Eifel und deren Umgebung zu sein. Da er in Manderscheid lebt, so siedelt er diesen Roman zum Teil dort auch an. Dorthin verschlägt es den Haupthelden seiner Geschichte, von Köln aus, um ein Erbe anzutreten welches es in sich haben soll. Sieferner schildert alleine schon die fahrt von Köln nach Daun wie eine Liebeserklärung an den Landstrich und beschreibt Sehenswürdigkeiten oder andere besichtigungswürdige Dinge der Eifel.

Danach kommt etwas Spannung auf als der Hauptheld sein recht eigenwilliges Erbe entgegen nimmt. Dies wird allerdings gefolgt von einer sehr ausführlichen Beschreibung von Manderscheid, dessen Gasthöfen und Geschäften (heutigen wie früheren), der Straßen und dem näherem Naturumfeld. Nachdem man dies hinter sich gebracht hat besinnt sich der Autor wieder aus das was er eigentlich schreiben wollte, baut etwas Spannung und eine minimale Portion Grusel auf, schickt den Haupthelden in die Notwendige Bedrängnis, lässt ihn leiden und gejagt werden.

Doch will auch dies nicht sehr lange anhalten und was danach kommt ist eine ausschweifende Reise durch die Eifel und einen Teil von Köln der eher einem ausführlicherem Stadtführer mit begleitenden Personen ähnelt als das man ihn als phantastische Roman bezeichnen kann. Bis zum Schluss baut sich keinerlei Grusel mehr auf und die übernatürliche Bedrohung ist eher Nebensache. Die beiden Sucher nach der Wahrheit jagen von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten um dort wieder festzustellen wie toll es doch in der Eifel ist und dann schnell zur nächsten Station weiter zu jagen. Selbst Kommentare wie „…ist aber immer eine Reise wert um sich das einmal anzusehen…“ lässt Siefener nicht aus und so machte sich bei mir etwas Unwillen breit die ganze Geschichte überhaupt zu Ende zu hören. Selbst die mit eingebaut Krimigeschichte ist nicht so interessant als das sie mich hätte fesseln könnte, wenn man mal den versprochene übernatürlichen Ansatz komplett beiseite lässt.

Das ich es trotzdem bis zum Ende gehört habe ist Peter Woy zu verdanken. Doch kämpft er hier auf recht verlorenem Posten. Die auftauchenden Charaktere sind zumeist sehr blass und eignen sich nur schwer zur Interpretation wie ich sie bei ihm von Hörbüchern wie „Hexennacht“ gewohnt bin. Wenn der Autor einen älteren Herren der eine Auktionshaus besitzt beschreibt, so spricht Woy ihn so wie ich mir die Stimme und Sprachweise vorstellen würde. Und da leider alle Charaktere eher normal sind und Peter Woy nicht zum Overacting neigt, sind halt eben alle Personen normal und eher langweilig anzuhören. Man merkt ihm an das er die spannenden Momente richtig als Highlight zu setzen versucht, da er sie auslebt und es auch schafft kurzfristig Atmosphäre aufzubauen, welche die Geschichte an sich dann wieder schnell zunichte macht. Ziel erreich“, denn er holt das heraus was möglich ist – was leider nicht sehr viel war.

„Somniferus“ entstand ein Jahr vor „Hexennacht“ und ich möchte Michael Siefener einfach einmal eine gewaltigen Schriftstellerschritt nach vorne attestieren. Denn wer sich „Hexennacht“ vor „Somniferus“ anhört wird sehr enttäuscht werden, da „Hexennacht“ alles das hat was man von solch einer Geschichte erwartet.

Gut gemachter Reiseführer der leider nicht hält was er verspricht…Soundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert
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