Wildernacht

Masannek_Wildernacht_U1.inddDrei Jahre ist es her, dass dem fünfzehnjährigen Charly die Tagebücher des Schriftstellers Michael Klondeik in die Hände fielen. In den Bann gezogen von den unglaublichen Geschichten und Bildern, programmierte das Computergenie ein Spiel dazu. Doch als Charly das letzte Level besteht, kommt es zur Vereinigung von Fantasie und Wirklichkeit: Zusammen mit den Figuren Galahad und Sally Wild Blanche muss Charly nun tatsächlich gegen die Rache Merlins in den Kampf ziehen. Nur eine Person kann ihm helfen, die Welt zu retten: Fli-Fla, Klondeiks Tochter.

Sprecher: Erik Borner

Gekürzte Lesung, 6 CD, Spielzeit: 442 Minuten

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Deutsche Fantasy versucht zumeist verzweifelt sich vom Gros der restlichen Produktionen dieses Planeten abzuheben. Doch sollte solch ein Unterfangen gut durchdacht sein und nicht mit zu viel Gehirnschmalz versehen werden, denn die Unterhaltung darf nicht zu kurz kommen.

Autor Joachim Masannek scheint in der Figur des Schriftstellers Michael Klondeik sich selbst zu sehen und lässt sich auch so die Abenteuer erleben, welche er sicher gerne selbst erleben würde. Dabei verzichtet er auch nicht darauf seine Lebenseinstellungen, wie ich vermute, mit in die Handlung einfließen zu lassen. Es ist ja nichts verwerfliches daran in Jugendfantasy, denn das ist „Wildernacht“, eine Message zu packen die nicht nur den Naturschutzaspekt beinhaltet, doch sollte man sie dann auch verständlich und durchschaubar machen.

Doch verständlich ist in diesem ersten Hörbuch nur recht wenig. Die Handlung springt von A nach B ohne wirklich Endruck oder gar Tiefe beim Zuhörer zu hinterlassen. Zu kurz sind die ersten Abschnitte und zu hektisch deren Abfolge als das man sich ein Bild der Welten machen könnte um sich zurecht zu finden. Gerade für die angedachte Zielgruppe der jugendlichen Zuhöre dürfte es deshalb nicht gerade einfach sein einen Bezug zu allem aufzubauen oder sich mit den Figuren zu identifizieren.

Zu wenig Spannung und Bezug wird aufgebaut und so verliert man sich schon einmal in den Gedanken was einem der Autor nun wieder sagen wollte, wenn er einem etwas sagen wollte. Zu verworren ist die Handlung als das man es nach einer gewissen Zeit noch als wichtig erachteten würde, so mir zumindest passiert, ob man etwas verpasst hat oder nicht – denn Sinn ergibt es keinen. Ein wildes Zusammenwerfen diverser mythologischen Aspekte, favorisiert die der britische Insel, und der Versuch „gehobenere Fantasy mit einer Message“ zu machen, arten hier eher in Qual denn in Unterhaltung aus.

Da kann sich Sprecher Erik Borner so viele Mühe geben wie er will, aus der Geschichte holt auch er nicht wirklich viel heraus. Selbst mehr Spiel und Interpretation der Figuren, im Stile von Beck oder Kaminski, wären hier nutzlos und würden der ganzen Sache auch nicht mehr auf die Sprünge helfen.

Weniger ist mehr – das ist nicht nur eine Floskel, sondern hier ein Ausspruch welchen der Autor hätte beherzigen sollen. Selbst wenn eine einfachere Sichtweise für weiterführende Bücher geplant ist, der Einstieg in die Welt von Wildernacht ist alles andere als einfach und kurzweilig…Soundsystem-BLAU

 

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