Blood Red Sandman (Wolfy Office)

Diese Besprechung stammt aus dem Jahr 2017, als das Hörspiel erschien. Ich fand sie eben beim aufräumen und möchte sie hiermit frei lassen! 😉

Ein Hobby soll Spaß machen, doch auch wenn LUKES MEINUNG ein Hobby, ist, so macht es nicht immer Spaß. Zum Beispiel ist die Freude nicht dabei, wenn man etwas so gar nicht gut finden kann, da es nicht dem Standard entspricht, den man selbst an gewisse Dinge anlegt – auch wenn man es selbst nicht besser machen könnte. Und dann soll man das auch noch bewerten und eine Rezension (man wie ich das Wort hasse) dazu verfassen.

Es fällt mir schwer, die neuste Produktion von Wolfy-Office zu bewerten, denn sie fällt bei mir in allem durch, was ich heutzutage an Maßstäben für ein gutes und zeitgemäßes Hörspiel ansetze.

Man fühlt sich um über 10 Jahre zurückversetzt, denn diesen Flair verbreitet der „Blood Red Sandman“. Alles klingt nach den Anfangstagen des Hörspielbooms 2.0 als sich diverse Hobby- und Kleinlabel daranmachten, selbst Hörspiele zu produzieren und mit ihnen Geld zu verdienen.

Doch wollen wir das Hörspiel einmal unfairerweise sezieren:

Zum ersten ist es teilweise schwer der Geschichte zu folgen, denn das Fehlen eines allwissenden Erzählers verkompliziert den Szenenaufbau, bzw. das Erkennen der gerade vor sich gehenden Dinge, erheblich. Erklärungen durch die Protagonisten an sich gibt es kaum und wenn dann sind sie unzureichend.

Zweitens ist die Abmischung ein wenig krude gelungen, denn gewisse Aktionen und Reaktionen sind so seltsam über- oder nebeneinander gelegt, dass es schwer ist alles in einem Rutsch zu erfassen. Im Beispiel wäre das die Sterbeszene einer Pathologin, welche akustisch so in den Hintergrund gelegt wurde, dass man sie sicher nur vollkommen verstehen kann, wenn man mit Kopfhörer hört (so wie ich ausschließlich). Auch sind die Massenszenen mit Hintergrundunterhaltungen vollkommen überladen, was sicher bei einer gelungenen Abmischung kein Problem ist, hier jedoch stört es, da man teilweise von Personen aus dem Hintergrund regelrecht angebrüllt wird, ohne dass deren Kontext wichtig ist oder gar zur momentanen Handlung passt. Somit wird ein gerade entstandener Hörflow immer wieder brutal durch- und abgebrochen, da die Kontinuität vollkommen abhandenkommt, sobald man die Szenen wechselt.

Der Mix aus Profisprechern (Sandra Schwittau, Daniela Hoffman, Jo Jung, Detlef Tams), Semiprofis und Hobbystimmen ist ebenfalls alles andere als zeitgemäß oder gar so passend aufeinander abgestimmt, dass es nicht wirklich ins Gewicht fallen würde. Da treffen unüberhörbare Akzente, auf falsche Betonungen und selbst die Profis – mit Ausnahme von Daniela Hoffmann und Detlef Tams – klingen nicht wirklich wie das, was man von ihnen gewohnt ist.

Ich hatte das Privileg einen kostenlosen Rezensionsdownload zu bekommen um mir LUKES MEINUNG zu diesem Hörspiel zu bilden. Dies ist aber nur ein Grund, wieso es mir schwerfällt, dieses Hörspiel zu bewerten, denn man spürt das Herzblut, welches aus jeder Szene tropft, sei sie auch noch so ungeschickt inszeniert.

Alles in allem ist der „Blood Red Sandman“ eine Produktion, welche qualitativ nicht in die heutige Zeit passt, wenn es um den Faktor des „Ich bezahle Geld dafür!“ geht. Die Hobbyhörspielmacherszene hat sich so weiterentwickelt, dass man teilweise Produktionen für Kostnixx bekommt, welche den Profiproduktionen nicht nur das Wasser reichen können, sondern sie teilweise auch in den Schatten zu stellen vermögen.

„Blood Red Sandman“ rangiert bei mir qualitativ in der Reichweite einer mittleren Produktion von z.B. dem Hörspielprojekt und kann sich nicht mit dem messen, was man heutzutage auf CD erstehen kann.

Wer sollte sich also den Sandmann zulegen?

Alle die auf Produktionen von Dreamland stehen, denn die rangieren für mich subjektiv qualitativ nur minimal über dem Sandmann und Hörspieler die nicht genug Horror bekommen können und sich auch mit einer Sache anfreunden können, welche eher 2002 als 2017 ist.

Wer sich auf das Parkett der Profis begibt und Geld für seine Produktion haben möchte, der muss ich auch damit abfinden, dass man ihn mit den Großen der Branche vergleicht und da kann der Sandman leider nicht standhalten.

Dennoch ist das Coverdesign genial…

Thomas Rippert

Geboren 1966 in Solingen, interessiere ich mich seit frühster Jugend für Bücher, Comics, Filme, Hörspiele, Musik und alle anderen Medien, welche zur Unterhaltung dienen können.

Ich lebe seit 2007 in Hannover - einer Stadt, welche viele Möglichkeiten zum Ausleben des Hobby anbietet.

Kommentare zu konsumierten Medien verfasse ich seit 2007, mal mehr, mal weniger intensiv.