Jugend des Arséne Lupin, Die

Jugend-des-Lupin

Arsène Lupin ist der berühmteste französische Meisterdieb: elegant wie Sherlock Holmes, clever wie Maigret und mildtätig wie Robin Hood. Mit Vorliebe bricht er die Herzen schöner Frauen – noch größeres Vergnügen bereiten ihm jedoch deren Juwelen.

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Der Gentlemandieb Arséne Lupin erblickte das Licht der Welt im Jahr 1905. Der französische Schriftsteller Maurice Leblanc erschuf den Helden von 20 Romanen, Theaterstücken und diversen Kurzgeschichten, als eine Art „kriminellen Robin Hood“ welcher nur diejenigen beraubte die ihren Reichtum auf nicht ganz legalem Weg erworben hatten – also ein Dieb welcher Diebe bestahl, jedoch das Geld nicht unter den Bedürftigen verteilte. Lupin genoss deshalb stets die Wertschätzung und latente Unterstützung der fiktiven Gesellschaft und wurde in seiner fiktiven Laufbahn sogar vom Gejagten zum selbst jagenden.

Die hier vorliegende Geschichte wurde in den Jahren 1923-24 veröffentlicht und erzählt von der Jugend, oder besser den Jahren nach dem zwanzigsten Lebensjahr, des Gentlemandiebs. Hier erlebt Lupin die Einführungen in diverse Dinge wie den Diebesstand und die Überraschungen welche die Liebe für jemanden wie ihn bereit halten kann. Er befreit die Hochstaplerin, besagte Gräfin von Cagliostro, aus einer sehr misslichen Lage und verliebt sich vom Fleck weg in die ungewöhnliche Person. So ist es der Gräfin ein leichtes Lupin für ihre Machenschaften einzuspannen und mit ihm zusammen einen Raub anzustreben.

Die Geschichte an sich ist mit einem recht großen Anteil von Humor gespickt welcher aber eher unterschwellig zum tragen kommt, da er auch der Zeit entspricht in der Lupin seine Abenteuer erlebt und in welcher der Roman verfasst wurde. Da dies alles in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts angesiedelt ist, sind natürlich auch die Charaktere der damaligen Etikette entsprechend steif und für heutige Verhältnisse eher spröde und verklemmt. Doch haben sie alle zweifelsfrei ihren Charme und wenn man bereit ist sich auf eine sehr vorlagengetreue Umsetzung einzulassen, so wird man hier gut bedient.

Das Radiohörspiel vom SWR, aus dem Jahr 2008, bietet eine Interpretation des Romans die sich sehr genau an das Buch hält und somit auch recht ruhig und in einer Sprache daher kommt der man sich heutzutage kaum noch befleißigen würde. Rüdiger Vogler hat die Rolle des Erzählers und Chronist des Lebens von Lupin übernommen, denn die Geschichte wird ihm von Lupin selbst erzählt als das kommende Geschehen des Hörspiels bereits dreißig Jahre vergangen ist. Diese Rolle bewältigt der Schauspieler sehr gut und sein meist recht langen Parts sind so lebendig wie man sie sich bei einem begleitenden, aber ehe unbeteiligten, Erzähler wünscht.

Die Rolle des jungen Lupin mit einer Stimme wie der von Samuel Weiss zu besetzen war eine gute Entscheidung. Das leicht raue Timbre lässt den Dieb noch ein wenig verwegener wirken und Weiss ist in der Lage die verschiedenen Stimmungen von Lupin, während seiner Entwicklung hin zum Meisterdieb, sehr gut akustisch auszukleiden. Auch bekannt Namen wie Hans Peter Hallwachs oder Wolfgang Condrus leihen verschiedenen Charaktere ihre unverwechselbaren Stimmen. Christiane Leuchtmann, als Gräfin Cagliostro, ist ebenfalls eine wahre Hörfreude. Sie schafft den Spagat zwischen Unschuld und Verwegenheit mit Leichtigkeit.

Die Inszenierung entspricht, über die meiste Zeit hinweg, genau dem was man sich von einem Radiohörspiel erwartet: ruhiger Szenenwechsel, eher spartanisch ausgestattete Geräuschkulisse und etwa zu wenig Musik. Doch sind die Sprecher in Rollen perfekt und heben so die ganze Sache ein wenig in der Wertung nach oben.

Sicherlich für Freunde der eher schnelleren Krimiunterhaltung nicht geeignet. Doch wer sich auf ein Sittengemälde des Beginns des letzten Jahrhunderts, mit eingestreuter Kriminalgeschichte, einlassen kann, der wird sicher vortrefflich bedient werden. So also nicht für jeden Zuhörer empfehlenswert…Soundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert
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