Lula

LulaNach fast zehn Jahren kehrt Ella Langenkamp in ihre Heimatstadt Hamburg zurück. Dort hat nach dem Tod der Eltern ihre Schwester Edith die Leitung der väterlichen Firma und der familiären Belange übernommen. Edith will die Weltenbummelei Ellas unterbinden und sperrt ihr Konto – seit jeher hatten die beiden Schwestern ein schwieriges Verhältnis. Doch sie hat keine Ahnung, dass Ella ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit mit nach Hamburg bringt. Als die beiden Schwestern durch ein Missgeschick im Keller des elterlichen Anwesens eingesperrt werden und auf Hilfe warten, spitzt sich die Lage zu und lang unterdrückte Gefühle brechen hervor.

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Hystereo in Cooperation with True Blue Media proudly presents: LULA!

Hört sich gut an, oder?

Ist es auch!

Psychothriller, so weit das Ohr nur reichen mag. Diese Hörspiel-Sparte wird seit ca. 2 Jahren in so einem Umfang bedient, wie vorher nicht. Doch nicht jeder Psycho, kann auch ein gutes Hörspiel sein. LULA jedoch, ist es.

Das Buch von Markus Duschek strotz nur so von unangenehmen Dingen, Momenten, Aktionen und Personen, die man eigentlich so gar nicht leiden kann. Beste Voraussetzung für einen guten Psychothriller, denn man hat als Hörer so gar nichts zu verlieren, da die Identifikationsmöglichkeit fehlt.

Umso mehr kann man genüssliche gute Miene zum abartig bösen Hirnspiel machen, sich gemütlich zurück lehnen und ein Ende abwarten, das zwar nicht innovativ neu ist, aber auch nicht an den Haaren herbei gezogen.

Sezieren wir jetzt die Akteure des Spektakels.

Allen voran, möchte ich als erstes Dimitris Liatsos an den Kragen gehen. Seine Musikstücke verfeinern bereits die Hörbuch/Spielserien „Final Control“ aus dem Hause TBM und so ist es nicht verwunderlich, dass er auch für LULA federführend ins Geschehen eingreift. Genau wie in FC versteht Liatsos es gekonnt die Intentionen der Spielszenen in Klänge umzuwandeln und der ganzen Atmosphäre noch zusätzliche Bedrohung zu verleihen. LULA wäre ohne seine Musik sicher nicht ganz so „böse“ geworden.

Zweiter Punkt: Die Sprecher!

Vollkommen, namentlich, unbekannt, waren mir die beiden Hauptdarstellerinnen und deren Stimmen. Da beide noch relativ jung sind und sich die Stimmen relativ ähnlich anhören, gehen sie perfekt als Schwestern durch. So macht also die Absage der eigentlichen Sprecherin von „Edith“ eher einen positiven Eindruck, denn die Urbesetzung hätte, meiner Meinung nach, nicht als Pendant zu Arja Sharmas „Ella“ gepasst und sie akustisch zu sehr dominiert.

Arja Sharma und Antje Otterson verstehen es, geschickt die so unterschiedlichen Schwestern lebendig werden zu lassen. Die prestigegeile Edith steht der angeblichen Lebefrau Ella auch akustisch als absolutes Zerrbild gegenüber. Während Antje Otterson „Edith“ von zickig bis zu komplett abgedreht versnobbt chargiert, lässt Arja Sharma „Ella“ angenehm down to earth, wenn auch etwas neben der Spur, agieren. Feuer und Wasser – perfekt aufeinander abgestimmt in Wirkung und Glaubhaftigkeit.

Die dritte Hauptfrau im Bunde, Liza Ohm als LULA, macht ihren Job ebenfalls perfekt. So süß und unschuldig gibt sie der Titelgeberin ihre Stimme, dass man sich einfach vor den Möglichkeiten dieser Wesenheit fürchten muss. Zusätzlich unterstützt wird der Effekt noch vom Foto des Covers, denn wer hat keine Angst vor solchen Puppen – genau wie vor Clowns…

Auch die Sprecher der Nebenrollen sagten mir leider alle nichts und machen ihre Leistung der Rolle entsprechend ok. Es ist nicht wirklich schlimm, das man ihnen anhören kann, das sie (vermuteterweise) keine Profis im Bereich Hörspiel sind, aber durch die Kürze der Auftritte ist dies zu verkraften.

Zwei Urgesteine der Stimmkunst toben sich ebenfalls in LULA aus: Helmut Krauss und Heidi Schaffrath. Die beiden Giganten zu kritisieren, oder gar zu kommentieren, ist vollkommen unmöglichen, denn solche Kaliber schießen jeden Take nur einmal, und das locker aus der Hüfte.

Hail and praise the Underdogs! Dies beweist sich bei LULA erneut als wahres Wort. Was Markus Duscheck und Ralf Jordan hier gezaubert haben, ist ein Hörspielpsychogramm vom feinsten. Niedere Beweggründe haben hier ihre Existenzberechtigung, wie auch die emotional-mental angefachten Reaktionen darauf. Niemand ist schwarz oder weiß – bis auf LULA sind alle grau…

Ein kontinuierlich straff gehaltener Spannungsbogen, undurchsichtige Charaktere, eine Handlung die sich so zu wenden versteht das sie glaubhaft bleibt und unverbrauchte Sprecher die man gerne, besonders Arja Sharma, gerne wieder hören möchte…Soundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert
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