16 – Vier Köpfe

16Der zwölfjährige Timothy und seine Mutter Alice sind unterwegs zu einer einsamen Villa bei Mount Rushmore, wo die Köpfe der amerikanischen Präsidenten aus dem Fels gehauen wurden. Alice soll dort als Pflegerin für die alte Miss Clawfield arbeiten. Was nach einem einfachen Job klingt, wird für Timothy und Alice schon bald zum Horrortrip. Unheimliche Dinge geschehen in dem alten Herrenhaus, Dinge verschwinden, jemand schleicht nachts herum und das, obwohl die alte Dame das Bett doch angeblich nicht verlassen kann. Am Ende einer furchtbaren Nacht, in der auch Menschen sterben, weiß Timothy nicht mehr, wem er noch glauben kann. Vielleicht nicht einmal sich selbst…

TrennstrichThere´s no Business, like Family Business… aber dazu später!

Ich mag eigentlich keine Psycho-Thriller so wirklich, vor allem wenn sie aus deutschen Landen kommen und Hörspiele sind. Die Ausnahme machte bisher nur Mord in Serie, doch muss ich jetzt zumindest die #16 des MindNappings hinzu rechnen.

Das die Kinder von Künstlern oft in deren Fußstapfen treten, mehr oder weniger begabt und erfolgreich, ist nicht selten. Hier handelt es sich um den den Sohn von Kerstin Draeger, welcher hier einen eindrucksvollen Einstand bei mir abliefert. Mutter und Sohn treten hier in einer ungewöhnlichen Rollenkombination zusammen im Hörspiel auf, nämlich als Mutter und Sohn.

Die Krankenschwester „Alice Bolton“ reist mit ihrem Sohn „Timothy“ von Stadt zu Stadt und nimmt jeden Job an, den sie bekommen kann – als Krankenschwester, verständlicherweise. Ihr neuster Job führt sie in die Nähe des Mount Rushmore, dem Berg in dem die vier bedeutendsten Präsidenten der USA als gigantisches Denkmal in Stein verewigt wurden. Die alte „Miss Clawfield“ leidet an Multiple Sklerose und bedarf Hilfe um durch den Tag zu kommen, weshalb ihr Neffe „Steve“ die gute „Alice“ als Betreuung einstellt. „Timothy“ zieht nun mit seiner Mutter zusammen in das große und einsam gelegene Haus, in dem sich Dinge ereignen, welche nicht von normaler Natur zu sein scheinen.

Die Story ist sehr düster gehalten und teilweise zu wage, als das sie ohne Erzähler auskommen könnte. So ist dann „Timothy“ derjenige, welcher dem Hörer hilft sich in allem zurecht zu finden. Doch eigentlich wird nicht dem Zuhörer die Geschichte erzählt, sondern jemand ganz anderem. Alleine schon diese Wendung reichte mir um mich weiter mit dem Hörspiel zu beschäftigen, denn so wirklich hatte ich damit nicht gerechnet und alles für ein wenig flacher gehalten.

So düster wie die Stimmung der Geschichte, ist auch deren Inszenierung, welche von Marcel Schweder mit Musik, Mix und Mastering abgeliefert wird. Die Black Hills – in denen sich Mount Rushmore befindet – sind nicht nur vom Namen her black, sondern auch vom Feeling, welches das Hörspiel schon von Beginn an perfekt transportiert. So perfekt, das gewisse Passagen ein wenig unangenehm sind – also das, was ich an einem Psycho-Thriller mag.

Nun spielen außer Timothy, Mama Alice, der MS-Kranken Miss Clawfield und deren Neffe Steve nur noch wenige Protagonisten mit. Man bekommt es noch mit John, einem Lakota-Indianer und Faktotum des Hauses – gesprochen von Holger Löwenberg, Officer Decker – gesprochen von Gordon Piedesack und Officer Lippers – gesprochen von Thomas Petruo zu tun. Wenige Sprecher, welche aber für die Story ausreichen.

Um nun noch mehr Blah zu vermeiden, fasse ich es mal kurz zusammen: Story = dunkel, düster und mit vielen Dingen versehen mit denen man so nicht wirklich rechnet. Sprecher = top, besonders Philipp Draeger – der Bursche haut einen um. Inszenierung = perfekt, stimmig und sehr rund gelungen.

Was die Audionarchie um Patrick Holtheuer hier abliefert ist ein dickes und saftiges Stück Psychothriller-Steak, so wie ich es mag. Ohne unnötige Beilage, ohne Soße – roh und natürlich präsentiert.

Ich hoffe das die Qualität so bleibt, während ich mich numerisch rückwärts durch die Reihe/Serie arbeite…
Soundsystem-BLAU

 

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