Janet Sunjic, 25.02.2009

Janet-Sunjic

Hier nun das zweite Interview für „Lukes Diner“.

Janet Sunjic, vom Hörspiellabel LAUSCH, war so lieb mir als zweites Opfer zur Verfügung zu stehen.

Und los geht’s…

Luke Danes: Hallo Janet. Zuerst einmal vielen Dank das Du dir die Zeit nimmst für eine kleine Plauderei. Stell Dich doch bitte den Lesern kurz einmal vor.

Janet Sunjic: Ich bin Janet Sunjic – Mitinhaberin und Labelmanagerin bei LAUSCH – Phantastische Hörspiele und mittlerweile auch Mitveranstalterin der HÖRSPIEL 2009.

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Luke Danes: Wie bist Du zum Medium Hörspiel gekommen? Das interessiert mich weil Du ja nicht nur Hörspiele ins Leben rufst sondern auch „DieHörspiel“, über welche ich später noch gerne reden möchte. Warst Du ein „Kassettenkind“ oder hat dein Erstkontakt eher im „erwachseneren“ Alter stattgefunden?

Janet Sunjic: Wie so viele in meinem Alter bin ich mit Benjamin Blümchen, TKKG und Fünf Freunde aufgewachsen – dann hab ich nebenbei viel Musik gemacht und später auch ein Studio betrieben und das Hörspiel als Solches aus den Augen verloren – die richtig coolen Hörspiele habe ich erst durch Günter entdeckt – seither sind „Macabros“, „Larry Brent“ und die „Neon-Grusel-Serie“ meine Favoriten!

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Luke Danes: Also bist Du heutzutage eher ein Fan der Phantastik. Das schlägt sich ja auch in eurem Verlagsprogamm nieder, was ja nun Fantasy genau so wie Horror abdeckt. Hast Du da einen Favoriten, oder sind für Dich alle Themen gleich interessant, besonders weil die „Härtegrade“ der Serien ja sehr variieren?

Janet Sunjic: Wobei Günter maßgeblich das Programm bestimmt – wir beratschlagen uns natürlich und entscheiden zusammen – aber am Ende ist er der Programm-Macher.

Tja – einen Favoriten habe ich nicht wirklich – es wechselt sich ab – je nach dem was wir grade produzieren.

Tatsächlich liegen mir aber doch CAINE und Die Schwarze Sonne am Herzen – damit haben wir angefangen!

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Luke Danes: Ihr polarisiert ja sehr stark, gerade im Bezug auf CAINE, durch Eure Hörspiele. War es schwer bei CAINE einen Weg zu finden um zwar die Brutalität des Killers realistisch, auch besonders im Bereich der Umgangssprache, darzustellen ohne dabei in zu starke Extreme zu verfallen?

Janet Sunjic: Ja, das stimmt – da ich die Bücher nicht schreibe, sondern „nur“ die Entstehung mitbekomme und dann sie dann redigiere, kann ich dazu nur sagen, dass Günter sich darüber wenig Gedanken macht – er schreibt es einfach und hat dabei einen hohen Anspruch an eine geschliffene Sprache, Intelligenz und künstlerischem Gehalt. Nur weil Caine oft harte Sprüche von sich gibt, ist es nicht gleich niveaulos – das finde ich – macht diese Serie auch so anspruchs- und kunstvoll!

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Luke Danes: Hörspiel ist Kunst…Hörspiele machen ist eine Kunst! Besonders wenn es um den eingängigen Unterhaltungsfaktor geht. Die „schwarze Sonne“ ist vielen Hörern ja mittlerweile zu komplex geworden. Nach der ersten Folge dachten viele, ich eingeschlossen, das sich LAUSCH jetzt einen eigenen „Poe“ gönnen würde, doch habt ihr alle überrascht mit der Wendung welche die Geschichte genommen hat. War das so geplant, oder seit ihr so flexibel um mit den Eigenproduktionen auf den Markt reagieren zu können und die Geschichte so zu ändern das es „passt“?

Janet Sunjic: Günter hat sich viele Jahre vor Erscheinen der Serie mit den Themen, die auftauchen eingehend beschäftigt – als wir uns kennen lernten zeigte er mir das umfangreiche und beeindruckende Recherchematerial mit den Worten „daraus will ich eine Serie machen“. Er hatte vieles geplant und einfließen lassen und manches hat sich auch erst beim Schreiben eingefügt, ergeben und bestehendes ergänzt und vervollständigt, was aber nichts mit Reaktionen vom „Markt“ zu tun hat – die letzten 4 Folgen, die nun noch ausstehen, sind nahezu in Günters Kopf fertig! Er ist also derzeit der Einzige, der weiß, was passiert – nicht mal ich darf es wissen und bin deshalb auch total gespannt!!!

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Luke Danes: Nun würde ich ganz gerne mal hinter die Hörspiele kucken. Wie sieht denn ein „normaler“ Arbeitstag bei Dir aus?

Janet Sunjic: Gute Frage – was ist denn normal? Gibt’s nicht! 😉

Nein – es kommt drauf an, was gerade ansteht – wenn wir in Produktion sind – sprich Aufnahmen haben, bin ich hauptsächlich mit der Planung und Koordination der Schauspieler beschäftigt und mit der Abwicklung des Tagesgeschäftes, da wir ja auch die ein oder anderen Aufträge bearbeiten. Außerdem plane ich die Pressearbeit und das Marketing für die Themen.

Im Moment sind wir noch in der Postproduktion zu den den neuen DRIZZT-Folgen und zu CAINE 9, die alle am 27. März erscheinen. Das plane und koordiniere ich mit dem Vertrieb, mit dem Presswerk, mit unseren Jungs und meiner Assistentin, und versuche hierfür Interviews, Berichte und Kooperationen zu erwirken.

Was derzeit meinen Arbeitstag jedoch maßgeblich bestimmt, ist die Organisation der HÖRSPIEL 2009 – ja, das auch noch. 😉

Ganz schön viel – aber auch ein großer Spaß!

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Luke Danes: Genau, die HÖRSPIEL 2009. Ich war zwar voriges Jahr nicht da, doch habe ich von allen welche die Messe besucht haben nur positives gehört. Sicher ist die Planung und Koordinierung für so ein großes Event sehr aufwendig. Wird es Veränderungen/Ergänzungen zu 2008 geben, da der Ansturm dieses Jahr sicher noch größer ausfallen wird?

Janet Sunjic: Ja – auf jeden Fall!

Wir haben tolle Gäste, viel mehr im Kinderbereich und mehr Verlage vor Ort, die sich präsentieren.

Sicher gibt es noch einige Dinge, die wir im Vergleich zum letzten Jahr verbessern, die liegen jedoch hauptsächlich im organisatorischen Bereich.

Wir stecken zwar noch mitten in der Planung – aber haben schon tolle Programmpunkte und Gäste – unter anderem Douglas Welbat und Katja Brügger im Talk mit Rainer Schmitt über die guten alten Zeiten (Larry Brent/ Macabros).

Aber viel, viel mehr dazu gibt’s unter www.diehoerspiel.de 😉

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Luke Danes: Die Hörspielergemeinde scheint sich ja immer mehr zu vergrößern, wenn man den Andrang auf einer Veranstaltung wie der HÖRSPIEL betrachtet. Doch gibt es Unkenrufer die dem Hörspiel bald einen Schwanengesang voraussagen. Wie siehst Du die Entwicklung des Hörspielmarkts im Moment?

Janet Sunjic: Es scheint so zu sein, dass der Hörbuchmarkt derzeit etwas stagniert und dies natürlich den kompletten Audio-Markt betrifft – in Anbetracht der Tatsache, dass das Hörspiel als Solches etwas Besonderes ist und einen anderen Status zu haben scheint, denke ich nicht, dass der Hörspielmarkt sich große Sorgen machen muss – er verändert sich stetig und bleibt in Bewegung, das ist eine Entwicklung, die ich beobachte.

Und mit der HÖRSPIEL geben wir dieser einzigartigen Kultur ein gebührendes Forum.

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Luke Danes: Und so sollte auch gerade solch eine Messe beweisen das Hörspiele nicht nur etwas für Kinder sind. Bist Du auch schon einmal mit diesem Vorurteil konfrontiert worden und wie hast Du darauf reagiert?

Janet Sunjic: Klar – je nach Alter gibt es verschiedene Reaktionen 😉

Die Mitt-Dreißger kennen natürlich das 70er und 80er Jahre Programm von EUROPA – also HuiBuh und Ähnliches..

Die jüngeren – dazu gehöre ich auch – bringen damit schon eher „nur“ Kinderhörspiele in Verbindung wie Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg und die viel Älteren denken meist erst an die Radio-Krimis aus den guten alten Zeiten.

Wie reagiere ich darauf..?? Ich versuche in zwei, drei Sätzen einen Überblick/ einen Querschnitt des heutigen Marktes (Radio mit einbezogen) zu liefern – gar nicht so leicht 😉

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Luke Danes: Stimmt, für viele ist das leider immer noch „Kinderkram“ und nicht wirklich mit der Bezeichnung „Kunst“ besetzt. Was wünscht Du dir für deine hörspielerische Zukunft?

Janet Sunjic: Den Weltfrieden! 😉

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Luke Danes: Na, das sollte sich ja einreichten lassen! 😉

Dann danke ich dafür da Du dir Zeit für diese kleine Plauderei genommen hast, welche mir eine Menge Spaß gemacht hat, und wünsche weiterhin viele Erfolg für die Hörspiele genau so wie für die Messe!

Janet Sunjic: 😉

Vielen Dank Thomas – mir hat es auch Spaß gemacht!

Bis Bald – spätestens bis zur HÖRSPIEL!Soundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert

Geboren 1966 in Solingen, interessiere ich mich seit frühster Jugend für Bücher, Comics, Filme, Hörspiele, Musik und alle anderen Medien, welche zur Unterhaltung dienen können.

Ich lebe seit 2007 in Hannover - einer Stadt, welche viele Möglichkeiten zum Ausleben des Hobby anbietet.

Kommentare zu konsumierten Medien verfasse ich seit 2007, mal mehr, mal weniger intensiv.