Sven Matthias, 24.11.2008

Sven-Matthias

Hier nun das erste Interview für „Lukes Diner“.

Sven Matthias, geistiger und stimmlicher Vater von RICK FUTURE, war so lieb mir als erstes Opfer zur Verfügung zu stehen.Und los geht’s…

Luke Danes: Hallo Sven. Zuerst einmal vielen Dank das Du dir die Zeit nimmst für eine kleine Plauderei. Stell Dich doch bitte den Lesern kurz einmal vor.

Sven Matthias: Hallo Luke! Mein Name ist Sven Matthias, ich bin 36 Jahre alt und komme aus der schönen Stadt Hamburg. Ich arbeite als Sprecher und bin einer der Administratoren des Hörspielprojektes, in dem sich Amateure und Profis treffen um gemeinsam Hörspielideen zu entwickeln und auch umzusetzen.

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Luke Danes: Du setzt beim Hörspielprojekt ja, unter anderem, deine Eigenkreation RICK FUTURE um. War das eine spontane Idee oder spukt RICK dir schon länger durch den Kopf?

Sven Matthias: Rick ist auf jeden Fall eine Idee, die mir schon einige Jahre im Kopf herumspukte. Und der Einfluss waren hier nicht nur die klassische Captain Future-Zeichentrickserie, sondern vor allen Dingen die Hörspielhelden meiner Kindheit: Commander Perkins, Jan Tenner und Flash Gordon. Ich hatte immer den Traum, eines Tages so eine „klassische“ SciFi-Serie zu realisieren, eine Art Homage an diese großen Vorbilder. Daraus entwickelte sich dann Rick Future. Und da ein Held immer treue Freunde braucht, entwickelten sich schnell die Figuren Hubert und Evi

Dabei war mir von Anfang an klar, das ich damit nun wirklich nicht „das Rad“ neu erfinde. Aber genau das war auch die Absicht dahinter. Klassisch aber nicht langweilig zu sein. Die Erinnerung an die klassischen Serien in unseren Köpfen hervorzurufen, ohne ein Abziehbild von ihnen zu erstellen.

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Luke Danes: „Klassisch“ war mein erster Eindruck, entstanden durch die Cover, nicht wirklich. Bedingt durch das Erscheinungsbild von Hubert hatte ich doch eher recht comedyartige Züge erwartet. Doch RF ist alles andere als Comedy, obwohl ein gewisser Humor mitspielt, welcher mir sehr zusagt. Ist es schwer die Balance zwischen Humor und Ernsthaftigkeit zu halten ohne in zuviel „Comedy“ abzurutschen?

Sven Matthias: Das war am Anfang wirklich nicht so einfach, gerade als ich am Manuskript für die erste Folge schrieb. Mir war es schon wichtig, das auch eine gute Portion Humor in diese Serie gehört, aber die richtige Balance zu finden war gar nicht so leicht und mußte sich erst etwas einpendeln. Ab einem gewissen Zeitpunkt hatte ich die „goldene Mitte“ gefunden, für mich persönlich ist das ganz besonders in den Folgen 1 – 3 zu spüren. Ab Folge 3 kann ich sagen „So ist es richtig“.

Da stimmte dann die Mischung – und die Reaktionen auf die Folge bestätigten das auch ganz gut. Worüber ich mich riesig gefreut habe.

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Luke Danes: Du investierst eine Menge Herzblut in die Serie, was man jeder Folge definitiv auch anhören kann. Inwiefern lässt Du dich von Kritiken beeinflussen, da Du ja nicht an CD-Abverkäufe gebunden bist?

Sven Matthias: Es stimmt schon, dass man ohne diesen Abverkaufs-Faktor im Hinterkopf viel lockerer und entspannter an die Arbeit einer Story bzw. eines Hörspiels geht. Aber trotzdem sind die Kritiken und die Meinungen der Hörer ebenso wichtig. Denn auch wenn ich die Arbeit an einem Hörspiel liebe, mache ich sie ja nicht nur für mich sondern in erster Linie für die Hörspielfreunde die Freude und Spaß an dieser Serie haben. Und ich lese mir die Kritiken und Rezensionen sehr aufmerksam durch und finde das sehr motivierend um weiter an sich und dem was man da macht zu arbeiten und sich zu verbessern. Und man muß sich dabei auch immer vor Augen führen für wen man das eigentlich macht. Wenn ich da einen Egotrip fahren würde, wäre das glaube ich nicht sehr produktiv.

Denn ein weiterer Vorteil so einer kostenlosen Produktion ist: Du hast den Platz und die Freiheit Dich zu entwickeln. Und wenn Du es schaffst eine Community um Dich herum aufzubauen, die das was Du da machst ernst nimmt und toll findet, dann ist es besonders wichtig sie alleine schon dadurch ebenfalls ernst zu nehmen indem Du ihr ganz genau zuhörst.

TrennlinieLuke Danes: Nun bin nicht nur ich der Ansicht das sich einige kommerzielle Serien hinter RF verstecken können. Alleine der Umstand das ich Ralf Pappers als Sprecher „akzeptiert“ habe, denn ich weiß nicht wie sich „Golwonen“ anhören da ich keine persönlich kenne, lässt schon gewisse Rückschlüsse auf die hohe Qualität der Serie zu. Würdest Du das Angebot eines Verlages annehmen um RF auf CD zu vermarkten, auch wenn sich daraus Umbesetzungen und Anpassungen ergeben würden?

Sven Matthias: Rick Future ist von mir als kostenlose Serie angelegt worden und ich möchte es auch gerne so belassen. Ich hätte sicher nichts gegen das Interesse eines Verlages an meiner Arbeit bei einem neuen Projekt, und ich plane auch einige Dinge in dieser Richtung. Aber Rick Future soll weiterhin kostenlos und für jeden Hörer frei zum Download bereit stehen. Man hat zwar die Möglichkeit die Produktion der Serie durch eine Spende zu unterstützen, aber das ist eine rein freiwillige Sache.

Denn obwohl ich die Serie kostenlos anbiete ist sie für mich mit Kosten verbunden. Da wären die Webseite und der Webspace, Gebühren für die GEMA, lizensierte Sounds und zusätzliche Musiken. Natürlich kann man jetzt fragen „Warum investiert der Mann so viel Geld wenn er es kostenlos zur Verfügung stellt?“. Aber das hat eben einen ganz einfachen Grund: weil ich einfach liebe was ich da mache und ich immer versuche den Zuhörern ein wirklich rundes Hörspiel zu schenken. Und da fällt einem sowas überhaupt nicht schwer. Und wenn man die Möglichkeit hat, kann man ja jederzeit einen kleinen Beitrag seiner Wahl als Spende zurückgeben. Aber ich würde es nie erwarten wollen.

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Luke Danes: Alleine diese Ansicht ehrt Dich ja bereits. Nun bist Du dennoch nicht nur bei RF aktiv. Du sprichst in vielen anderen Produktionen mit, layoutest Cover und hilfst anderen Hörspielmachern wo Du nur kannst. Wie bekommt man dieses ganze Multitalent, wobei ich noch nicht einmal alles aufgezählt habe, zeitlich unter einen Hut und wie geht Dein Umfeld mit dieser „positiven Obsession“ um?

Sven Matthias: Manchmal muß man schon ein paar zusätzliche Stunden an den Tag hängen, aber in der Regel klappt das zeitlich immer ganz gut. Ich nutze die Möglichkeit anderen Hörspielmachern zu helfen einfach sehr gerne, denn es macht mir einfach großen Spass zu sehen was dabei für tolle Projekte entstehen. Und auf der anderen Seite ist es für mich auch ganz einfach eine weitere Möglichkeit auf meine Arbeit hinzuweisen, die eigene Vielseitigkeit auszuleben und damit auch noch andere Leute ein klein wenig glücklicher zu machen. Ich mag den Austausch der dabei entsteht. Und das man mir ja auch durch meine Mitarbeit ein gewissen Vertrauen schenkt und meine Arbeit zu schätzen weiß.

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Luke Danes: Nun habe ich Dir ja auch entlocken können das RICK bald ein akustisches Geschwisterchen bekommen wird, welches das Licht der Welt im Dezember erblicken soll. Möchtest Du schon etwa darüber verlauten lassen?

Sven Matthias: Ja, das stimmt. Ich arbeite derzeit unter Hochdruck an einer weiteren Serie, die ich gerne im Dezember starten möchte. Auch hier halte ich mich wieder an viele klassische Elemente aus dem SciFi-Bereich. Die Serie wird „Bermuda 1963“ heißen, und sie wird sich (wie man sich natürlich denken kann) thematisch um das Bermuda-Dreieck drehen. Die Idee zu dieser Serie kommt natürlich ebenfalls ein wenig aus der Erinnerung an das fantastische Hörspiel „Das Geheimnis des Bermuda-Dreiecks“ von H.G. Francis. Nur das es bei meiner Geschichte noch viel weiter darüber hinaus geht. Auch diese Serie realisiere ich zusammen mit vielen Sprechern des Hoerspielprojektes, wobei es sich aber dieses mal um eine ganz eigene Produktion zusammen mit Alexander Gühlke handelt, der den Soundtrack komponieren wird. Wir arbeiten ja schon lange durch Rick Future intensiv zusammen, denn auch hier komponiert er ja inzwischen fast den kompletten Soundtrack.

Auch hier wird es sich wieder die Möglichkeit geben sich die Folgen kostenlos herunterzuladen!

Nähere Infos dazu folgen dann aber auch noch in den kommenden Wochen. Ob ich das alles wirklich noch im Dezember schaffe, werden wir sehen. Ich würde es den Hörspielfans aber sehr gerne als kleines Weihnachtsgeschenk unter den Hörspiel-Tannenbaum legen.

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Luke Danes: Also wird man auch 2009 noch viel neues von Dir zu hören bekommen. Bleibt mir nur noch „eine“ letzte Frage welche mir unter den Nägeln brennt: „Quo vadis, Sven Matthias?“. Wo siehst Du dich in 12 Monaten? Wo geht die Reise für Dich, dein Multitalent und Deine Kreationen hin?

Sven Matthias: So ganz selbstlos sind diese Produktionen und er Aufwand dahinter natürlich nicht. Mein Ziel ist es auf meine Arbeit als Sprecher und auch Hörspielmacher hinzuweisen. Denn diese Arbeit bezeichne ich als meine Berufung und mein Ziel, trotz all der Schwierigkeiten und Hürden die es zu nehmen gilt. Aber wenn man auf diese schöne Art und Weise ein wenig von den eigenen Fähigkeiten, der Freude an diesen Produktionen und einen persönlichen Qualitätsanspruch zeigen kann , dann hat man schon eine ganze Menge erreicht. Und so fällt es dann bestimmt auch irgendwann mal viel leichter eine Produktion von mir zu kaufen. Oder ein Hörspiel bzw. Hörbuch bei dem ich als Sprecher tätig sein durfte.

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Luke Danes: Sven, ich danke Dir nochmals für die Zeit welche Du dir hierfür genommen hast. Viel Erfolg für Dich und deine Babys, möchte ich Dir wünschen. Ich bin gespannt was da noch so alles kommen wird.

Sven Matthias: Ich danke Dir für das schöne Interview und das ich ein wenig mehr über mich und meine Arbeit erzählen konnte! Ich freue mich auf das kommende Jahr, und hoffe das meine kommenden Produktionen auch weiterhin so viel Freude und Spaß bereiten werden. Ich werde mir jedenfalls die größte Mühe dabei geben.Soundsystem-BLAU

 

 

Thomas Rippert

Geboren 1966 in Solingen, interessiere ich mich seit frühster Jugend für Bücher, Comics, Filme, Hörspiele, Musik und alle anderen Medien, welche zur Unterhaltung dienen können.

Ich lebe seit 2007 in Hannover - einer Stadt, welche viele Möglichkeiten zum Ausleben des Hobby anbietet.

Kommentare zu konsumierten Medien verfasse ich seit 2007, mal mehr, mal weniger intensiv.