Tom Steinbrecher, 10.03. 2009

Tom-Steinbrecher

Es gibt Hörspielserien die sind eben etwas anders und gerade dadurch gut. So eine Serie ist, meiner Meinung nach „Andi Meisfeld“. Und der geistige und stimmliche Vater von „Andi Meisfeld“ hat auch noch etwas mehr zu bieten als nur diese Produktion.

Der Musiker, Regisseur und Produzent Tom Steinbrecher war so freundlich mit mir ein wenig über sich und seine Arbeit zu plaudern.

Und los geht’s…

Luke Danes: Hallo Tom. Zuerst einmal vielen Dank das Du dir die Zeit nimmst für eine kleine Plauderei. Und direkt die Standartfrage vorweg, durch die jeder am Anfang durch muss: Wie bist Du zum Medium Hörbuch/Hörspiel gekommen?

Tom Steinbrecher: Hallo!

Zum Medium Hörspiel bin ich durch Benjamin Blümchen gekommen. Allerdings gehörten Blümchen Kassetten zum Spielzeugstandart genauso dazu wie Lego, Playmobil oder Modell-Eisenbahn. Richtig zum Hörspieljunkie wurde ich erst als ich das erste mal eine TKKG Folge hörte und mir dachte ‚Meine Fresse ist das geiles Zeug‘! *gg*

In der benachbarten Bücherhalle kam ich dann auch an drei ???, Fünf Freunde ect.

In die Hörspielszene bin ich 2001 gekommen. Ich hatte für die damals größte Internetseite der drei ??? Songs geschrieben, die man dort runter laden konnte. Die Lieder kamen so gut an dass ich für ein paar Fanhörspiele die Musik komponierte.

2004 lernte ich dann Thomas Birker von Dreamland Productions kennen und er bat mich den Soundtrack für seine neuen Serien zu schreiben.

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Luke Danes: Also ein waschechtes Kassettenkind. Für wie viele Serien machst Du momentan die Musik?

Tom Steinbrecher: Aktuell für Dreamland Grusel, Geisterschocker, Tony Ballard, Burg Frankenstein und Rabenpriester. Bei Dreamland Action bin ich dabei, das soll ja auch bald erscheinen und für Schatzjägerin habe ich auch ein paar Musiken geschaffen. Achja, klar und Andi Meisfeld. *gg*

Bin auch gerade kräftig am komponieren für neue Serien, aber das wird sicherlich alles in diesem Jahr noch bekannt gegeben.

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Luke Danes: Also bist Du nicht nur mit dem schreiben der Geschichten von und für Andi voll und ganz ausgelastet. Was hat dich dazu gebracht „Andi Meisfeld“ ins Leben zu rufen? Woher kam die Idee?

Tom Steinbrecher: Nee, von ausgelastet kann man nicht unbedingt sprechen!*gg*

Im Sommer 2002 hab ich mich mit einem damaligen Kollegen unterhalten was für Tiere oder Insekten noch nicht so häufig für Kinderserien ausgereizt worden sind. Da kamen wir auf Ameisen. Dieser Gedanke hat mich seit dem nicht mehr los gelassen und über die Jahre ist dann das Andi Meisfeld Konzept in meinem Kopf entstanden. Besorgte mir Bücher über Ameisen um mich inspirieren zu lassen. Habe auch angefangen die erste Geschichte „Das Termitenkopftrio“ als Buch zu schreiben, aber dann kam ich auf die Idee daraus eine Hörspielserie zu machen.

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Luke Danes: Nun ist es ja eher riskant solch eine Serie wie „Andi Meisfeld“ auf den Markt zu werfen. Andi unterscheidet sich ja nun nicht nun deutlich durch die hohe Produktionsqualität der Folgen, wenn man mal von den nicht so gut gelungenen Einsätzen von Hobbysprechern in den ersten beiden Folgen absieht, von dem normalen 08/15 Serie die sonst noch zu habensind. Sei es nun der nervtrötende Elefent, die Hexe oder das manisch abgedrehte Klingeltonhäschen aus dem Wullewullewäldchen. (Eigenzitat Ende)

Was hat dich dazu gebracht die Geschichte so anzulegen das die jüngeren Zuhörer nicht für kleine Deppen die alles konsumieren verkauft werden, sondern eine gut durchdachte Geschichte, mit vielen Identifikationsmöglichkeiten, zu hören bekommen, obwohl die Protagonisten „Ameisen“ sind?

Tom Steinbrecher: Zuerst muss ich sagen dass ich zwischen guten und schlechten Sprechern unterscheide und das es somit die Sparte „Hobby“ oder „Amateursprecher“ für mich nicht gibt. Ich lasse die Leute im Studio so lange sprechen bis mir das Ergebnis gefällt, wenn dem nicht so ist, nehme ich einen anderen Sprecher. Wenn also eine Rolle ein wenig unbeholfen, stotternd oder ‚anders‘ klingt, dann weil ich das so wollte und nicht weil ich Amateure ins Boot geholt habe die kein Talent haben. So, Lanze gebrochen, zurück zur Frage.*gg*

Der Grund warum ich die Geschichte so angelegt habe ist, weil ich selber im Herzen noch so ein kleiner Depp bin! *gg*
Ich höre in erster Linie Kinder und Jugendserien aus den 70ern und 80ern. Wenn es eine neue Serie gibt höre ich gerne rein, aber der Funke springt bei mir nie richtig über. Es hat immer den Anschein Erwachsene müssen eine Kinderserie produzieren, weil… muss ja, und nicht Erwachsene versuchen ihre Kindheitsträume wahr zu machen und beim schreiben selber noch mal Kind sein. J.K. Rowling zum Beispiel hat Harry Potter geschrieben weil sie es wollte und nicht weil sie eine Serie für irgendjemanden konzipieren musste und das merkt man und der Erfolg gibt ihr ja auch recht.

Ausserdem glaube ich es müssen nicht immer Handys, Computer und Internet in die Geschichten eingebaut werden um die Kids zu fesseln, bei menschlichen Stories kommt man nicht drum rum und damit habe ich auch kein Problem, aber die Meisenstedter Ameisen haben den duften Nebeneffekt dass sie technisch ungefähr im Jahre 1984 stecken! *gg*

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Luke Danes: Womit Du natürlich auch die Möglichkeit hast dich den gewohnten Konventionen eines Jugendhörspiels zu entziehen und deine eigenen Ideen durch zubringen.

Dein Werk macht auf mich einen sehr relaxten Eindruck, Musik wie Hörspiele. Bist Du selber relaxed und was „ziehst“ Du dir aus deiner Arbeit, da du ja nicht deinen Lebensunterhalt damit verdienst und diese Dinge aus Überzeugung zu machen scheinst?

Tom Steinbrecher: Ein relaxter Typ bin ich eigentlich nicht, glaube ich zumindest.

Aber wenns um Andi und co. geht gehe ich recht ruhig an die Sache. Ohne Zweifel steht der Spaß an oberster Stelle. Der Spaß ist auch das was ich aus der Sache ‚ziehe‘, bzw. Wir. Allerdings lernen wir auch sehr viel.

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Luke Danes: “Wir“ bedeutet das Du ein Teamworker bist! Erarbeitest Du alles eher alleine, oder holst Du dir „Hilfe“?

Tom Steinbrecher: Nee, am liebsten arbeite ich alleine, aber mit den Jahren hat sich die so genannte Ameisen-Crew entwickelt. Andi Meisfeld wäre ohne die nicht mehr denkbar. Vor allem in der Öffentlichkeitsarbeit. Aber auch bei den Geschichten, die Storie zu unserem zweiten Weihnachtshörspiel habe ich mit Fabian Soop, der den Armin spricht, zusammen geschrieben. Weder von meiner noch seiner Grundidee ist etwas erhalten geblieben, aber am Ende hatten wir eine Geschichte! *gg*

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Luke Danes: Wie gehst Du an die Musikstücke heran die Du machst? Hast Du Dreamland-Grusel oder Geister-Schocker ein anderes Grundfeeling beim komponieren wie beim Andi, oder ist die Stimmung eher nebensächlich?

Tom Steinbrecher: Stimmung ist nie nebensächlich!*gg*

Ich hatte als Kind schon ein recht gutes musikalisches Ohr. Hörpielmusik oder Kindermusik die billig produziert wurde hat mich damals schon nicht angesprochen. Es gab mal eine Hörspielserie namens „Norbert Nase und das Raumschiff Nambawann“ oder so ähnlich, da war fantastische Musik dabei oder das Album von Klaus W. Hoffmann „Wenn der Elefant in die Disco geht“ oder halt die Hörspielmusiken von Carsten Bohn. Das waren großartige Nummern und kein für Kinder schnell zusammengeschusterter Kram, ich würde sogar sagen, ‚eigentlich‘ Musik für Erwachsene.

Diese Stücke haben mich so geprägt dass ich für Andi versuche auch qualitativ hochwertige Musik zu komponieren und hoffe dass der Funke überspringt, bewusst oder unbewusst. Und so hat man auch die Chance das Erwachsene sagen, „den Andi kann ich auch gut hören“.

Bei anderen Serien kommt es immer auf den Auftrag an was für Musik die Produzenten haben wollen.

Bei Geister-Schocker ist es so dass ich die Musik auf die fertigen Szenen drauf komponiere, das macht sehr viel Spaß.

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Luke Danes: Das wäre die nächste Frage gewesen…ist es einfach nach einem noch nicht vertonten Script etwas zu produzieren oder ist es besser schon Mal die Stimmung der fertigen Szene auf sich wirken zu lassen?

Tom Steinbrecher: Ich mag beides. Allerdings wenn man einen Soundtrack macht und der Produzent setzt die Musiken ein ist es natürlich dass ich den Einsatz nicht immer optimal finde, das geht aber auch anders herum; Ein Stück das ich nie doll fand wird eingesetzt und es passt wie die berühmte Faust. Wichtig ist halt, dass der Produzent genügend Auswahl hat, so dass er die Stücke wählen, verschieben und schneiden kann so dass es klingt als wäre es auf die Szene komponiert.

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Luke Danes: Nun mal zum „Quo vadis, Tom Steinbrecher?“ Wo geht es hin, mit Andi, mit dem Musiker Tom Steinbrecher oder gar auch nur Produzent und Regisseur?

Tom Steinbrecher: Tja, wenn ich das beantworten könnte würde als Wahrsager auf dem Hamburger DOM arbeiten. Vielleicht ist das ja meine Zukunft… ein Teufelskreis! *gg*

Eins weiß ich aber auf jeden Fall, Musik werde ich weiterhin machen, egal was passiert.

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Luke Danes: Wahrsager, gute Berufswahl. Wenn es soweit ist lass es mich wissen, dann wüsste ich auch gerne meine Zukunft! 😉

Nun würde mich noch interessieren warum Du dich mit dem Design von Andi auf die eher unauffälligen, wenn auch sehr ansprechenden, Buntstiftzeichnungen für die Cover entschieden hast und nicht zu den marktschreierischen Primärfarbattacken anderer Jugendserie gegriffen hast um Andi im Verkaufsregal heraus zu arbeiten?

Tom Steinbrecher: Ganz einfach, UM Andi heraus zu arbeiten.

Alleine die Tatsache dass du jetzt diese Frage stellst zeigt ja dass das Design aufällt, in welcher Form auch immer. *gg*

Ich hatte mehrere Versionen vom Andi-Design im Kopf, aber Paula, unsere Zeichnerin konnte mich von der schlichten Variante überzeugen, auch weil wir beide keine Lust hatten auf die immer gleichen sterilen Computerzeichnungen. Es erinnerte mich auch ein wenig an alte Janosch Bücher.

Die Idee mit dem Logo hatte ich von Anfang an, ich hatte nur keine Ahnung wie es ausehen sollte, was Paula da letzendlich gezaubert hat ist ein Knaller, wir lieben das Logo!

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Luke Danes: Sicherlich fällt das Design auf weil ich es aus dem Internet kenne und mich auch sonst mit so etwas beschäftige, nur im Verkaufsregal würde/hätte ich es übersehen.

Dann bedanke ich mich für das aufschlussreiche Interview und hoffe noch auf ein Menge interessante Abenteuer aus Meisenstedt in gewohnter Qualität.

Tom Steinbrecher: Da wird noch duftes kommen, auf jeden Fall!

Ich bedanke mich auch und Danke an die Leser die bis zum Schluss durchgehalten haben!*gg*Soundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert

Geboren 1966 in Solingen, interessiere ich mich seit frühster Jugend für Bücher, Comics, Filme, Hörspiele, Musik und alle anderen Medien, welche zur Unterhaltung dienen können.

Ich lebe seit 2007 in Hannover - einer Stadt, welche viele Möglichkeiten zum Ausleben des Hobby anbietet.

Kommentare zu konsumierten Medien verfasse ich seit 2007, mal mehr, mal weniger intensiv.