09 – Amerikanische Verhältnisse

Kommissar-Dobranski-09Der berühmt-berüchtigte HipHop-Star „Freund“ wird im Tonstudio brutal erschossen. Zur Lösung des Falls bekommt Kommissar Dobranski den jungen Kollegen Cem Aslam zugeteilt, der sich in der HipHop-Szene blendend auskennt. Als ein weiterer Rapper beim Videodreh im Puff abgeknallt wird, gerät Aslam ins Blickfeld der Ermittler. Kommt der Täter etwa aus den eigenen Reihen? Oder steckt jemand ganz anderes hinter der Mordserie?

TrennstrichDobranski is back, but not for so good…

…Dobranski ist wieder da, aber nicht so gut wie erhofft.

Der mit den meisten negativen Wesenszügen belastete Polizist der Hafenstadt Hamburg kehrt auf die Hörspielbildfläche zurück. Nach ein paar Jahren Pause, in denen er sich nur live ab und an auf ein paar Kleinkunstbühnen zeigte, geht nun die neunte Folge der Serie, unter neuem Vertrieb, an den Start.

Selten war ich bei einem Hörspiel so hin und her gerissen wie hier. Meine Ansichten schwankten ständig zwischen „Oh nein, das kann nicht ernst gemeint sein.“ und „Mensch, das ist beste Unterhaltung.“ hin und her.

Die negativen Aspekte waren das die Figur des alten Kiezbullen hier etwas verwischt erschien. Die ehemalige Härte und Kaltschnäuzigkeit ließ streckenweise doch sehr zu wünschen übrig und er wirkte ab und an sogar mitfühlend – was doch ein sehr ungewohntes Erscheinungsbild für Dobranski ist. Auch hatte man es nicht geschafft während der Produktionspause die zu langen Monologe von Dobranski etwas mehr zu kürzen und die auftretenden Sprecher diese wirklich sprechen zu lassen, denn später agieren sie ja ganz normal in der Geschichte mit.

Auch machte mir das Ende der Geschichte eine unerwartete, sarkastisch gemeinte, Freude. Sicher ist Dobranski von Anfang an als leicht verdauliche Groschenkost angelegt gewesen, doch das Ende, welches hier geboten wird ist mehr als gediegen. Ich konnte nicht umhin die Auflösung des Falls mit ein paar schallenden Lachern zu begleiten, da sie mir doch etwas zu aufgezwungen und an den Haaren herbei gezogen erschien.

Sehr positiv fiel mir der Umstand des neuen Kollegen Dobranskis auf. Mit dem Charakter „Cem Aslan“ kommt frischer Wind in die Serie und diese Paarung hebt sich merklich positiv vom recht angestaubt wirkenden Genöle zwischen Dobranski und Hansen, dem bisherigen Teilzeitpartner, ab. Doch nicht nur das. „Cem Alsam“ wird auch noch hervorragend locker und mehr als lebendig von Asad Schwarz-Msesilamba in Szene gesetzt. Die Lacher, welche ich während seiner Auftritte hatte, waren eher vom Sprecher gewollt und keinesfalls ungelegen.

Auch ist im restlichen Sprechercast kein Ausreißer zu hören. Ob da jetzt nachträglich nach besetzt wurde oder ob das schon damals so geplant war, lasse ich mal dahin gestellt. Auch der obligatorische Robert Missler, welcher in fast jeder Dobranski-Folge irgendwie zu hören ist, war wieder mit von der Partie. Die restliche Inszenierung ist ausreichend um eine glaubhafte Atmosphäre zu schaffen.

So startet Dobranski denn bei Lübbe nicht ganz so dramatisch durch wie ich es mir erhofft hatte, denn da waren doch etwas zu viele Dinge, welche sich eher in die Schublade Realsatire sortieren lassen würden, denn das sie in die Krimiecke passen wollten.

Als sehr spartanisch kann man die Ausstattung des Covers bezeichnen. Das Frontinlay besteht nur aus einer einzigen, doppelt bedruckten, Seite welche nur die wirklich notwendigsten Informationen enthält. Ansonsten ist alles, besonders in punkto Farbgebung, sehr stark am schwarz/gelb der Lübbe-Sinclairs orientiert.

Streckenweise unterhaltend, doch mit zu vielen Lachern an vom Script sicher nicht gewollten Stellen…Soundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert
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