Kinder des Zorns / Der Werwolf von Tarker Mills

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Kinder des Zorns
Als Burt Robeson und seine Frau Vicky abseits einer Schnellstrasse in Nebraska, am Rande eines Maisfeldes, eine Kinderleiche finden, geraten sie in einen Albtraum, aus dem sie nie wieder erwachen werden, denn der Herr, der hinter den Reihen wandelt, hat die Hand nach ihnen ausgestreckt …

Der Werwolf von Tarker Mills
Etwas Unmenschliches bricht über Tarker Mills, ein verträumtes Städtchen, herein: Der Werwolf geht um und sucht sich in hellen Vollmondnächten Monat für Monat ein neues Opfer. Marty, ein Junge, der an den Rollstuhl gefesselt ist, nimmt den ungleichen Kampf gegen die mordende Bestie auf. Er ahnt, dass das Böse dort lauert, wo es niemand vermutet…

Sprecher: Joachim Kerzel

Originalfassung, 3 CD, Spielzeit: 198 Minuten

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Wenige Autoren verstehe es mit dem Grauen vor dem Unbekannten und den Urängsten der Menschen so zu spielen wie Steve King. King bedient sich in der ersten Geschichte zuerst eher einem unterschwelligen Horror, bevor er seine Protagonisten den „Kindern des Zorns“ begegnen lässt. In diese Geschichte greift er auch wieder auf die Möglichkeit zurück da die Hauptdarsteller nicht unbedingt die sympathischsten Menschen der Welt sein müssen, damit der Zuhörer sie als „Helden“ akzeptiert und mit ihnen leidet. Die Roebsons sind wirklich kein glückliches Paar und jeder der beiden hat eine Seite an sich die man nicht wirklich als angenehm bezeichnen kann. Dennoch zittert man mit ihnen, als sie mit etwas konfrontiert werden das man seinem schlimmsten Widersacher nicht wünsche möchte. King erklärt nicht wer „der hinter den Reihen wandelt“ ist oder was er tut, er beschränkt sich darauf die Auswirkung von religiösen Eifer, Verblendung und uneingeschränktem Gehorsam zu beschreiben. Auch ist nicht wirklich das übernatürlich Monster derjenige welcher das Grauen über die Protagonisten bringt, sondern einer von Kings Lieblingsgreulbringern – de Mensch selbst.

In der zweiten Geschichte geht es da eher gewohnter zu. Der Bösewicht ist klar, ein Werwolf, doch bedient King sich nicht nur des üblichen Klischees, sondern dreht das Thema in seinem gewohnte Stil ein wenig um. Da er sich einer Erzählung bedient die sich in jedem Kapitel einem anderen Monat das Jahres widmet, geht er auch in jedem Monat anders an das Monster Werwolf heran. Er schildert nicht nur die reißende Bestie welche tumb mordend die Bevölkerung von Tarker Mills dezimiert, er gibt dem Wolf in jedem Monat ein anderes Gesicht. Mal dient er als Widerlegung für voreilig aufgestellte Thesen, mal erlöst er einen Menschen aus der Qual der Einsamkeit und dann ist er wieder einfach nur die Erfüllung aller vorstellbaren Ängste. Auch ist der Gegenspieler des Werwolfes alles andere als normal und wie gewohnt. Der tobende Mob mit Suchscheinwerfern, Gewehren und Bluthunden wird zwar auch ins Rennen geschickt, doch ist derjenige welcher ihm dann auf die Schliche kommt eher nicht in die Schiene des Durchschnittshelden zu stecken.

Überraschend und mit unglaublichen Wendungen sind beide Geschichten, auch bedingt durch ihr Alter (die „Kinder“ haben 31 Jahre und der „Werwolf“ 25 Jahre auf dem Buckel), nicht wirklich gesegnet. Es ist der typische King-Stil der sie hörenswert und auch nach so vielen Jahren noch interessant macht. King beendet nicht viel so wie man es vielleicht gerne hätte, Thema „Happy End“, und das Ende der Werwolfgeschichte mutet deshalb auch eher so an, als habe er sich nicht so richtig getraut sie böse und mit einem unangenehmen Nachgeschmack enden zu lassen. Doch sind beide Storys unterhaltend und bieten guten Retro-Grusel der angenehmen Art.

Lübbe Audio hat hier eine CD-Neuauflage der Hörbuchvertonungen beiden Geschichten, aus dem Jahr 1997, veröffentlicht. Das Alter der Aufnahme hört man ihr auch an. Joachim Kerzel spricht mit einem minimalen Hall im Hintergrund, so als wäre das damalige Studio nicht wirklich schalldicht gewesen. Doch tut dies der Lesung keinen Abbruch und man hört es sicher auch nur so genau heraus, wenn man es mit Kopfhörer hört. Kerzel liest hier nur vor, und das macht er so wie bisher bei jeder King Geschichte die er vertont hat. Mit seiner sehr angenehmen Stimme verschafft er beiden Geschichten den nötigen stimmlichen Tiefgang um sich über 3 CD hinweg gut unterhalten zu fühlen.

Altes in neuem Gewand…Soundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert