Rache, Die

John Katzenbach Ð Die Rache (Hšrbestseller)

Megan und Duncan Richards haben sich in ihrem bürgerlichen Wohlstand bequem eingerichtet. Doch nach fast zwanzig Jahren werden sie plötzlich von ihrer Vergangenheit eingeholt: In ihrer wild bewegten Studentenzeit hatten sie sich einer radikalen Gruppe angeschlossen und beim Überfall auf einen Geldtransporter mitgemacht. Olivia Barrow, die Rädelsführerin, war dafür ins Gefängnis gewandert. Doch nun wird sie aus der Haft entlassen und hat sich geschworen, an den Verrätern von damals erbarmungslos Rache zu nehmen.

Sprecher: Simon Jäger

Gekürzte Lesung, 6 CD, Spielzeit: 429 Minuten

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Vorschusslorbeeren können ab und an recht bitter schmecken, wenn sie zu lange durchgekaut werden.

Nach dem großen Erfolg der letzten Hörbücher aus der Feder von John Katzenbach, dachte man sich wohl das man nun auch damit beginnen sollte die Frühwerke des Autors für eine gewinnbringende Vermarktung zu exhumieren. Doch sind die ersten Fingerübungen eines Bestsellerautors nicht immer dazu geeignet sich mit den neuen Werken auf gleicher Ebene zu messen.

Die Handlung ist hier alles andere als ansprechend und könnte als recht flachbrüstig und schlecht durchdacht bezeichnet werden. Die einfallslos, stereotpyen Charaktere bewegen sich durch ein Umfeld das man dutzende Male gehört hat und ich wurde das Gefühl nicht los das Katzenbach hier damals auf Nummer Sicher gehen wollte. Vor 20 Jahren, als das Buch in den USA erschien, mag dies sicher noch irgendwie gewirkt haben, doch vermisst man hier die Raffinesse und den Thrill, welchen er sonst in der Lage ist zu erzeugen. Gemessen an Geschichten wie „Das Opfer“ kann „Das Rätsel“ nur wie in leichtes Windchen anmuten, das sich aber selbst in seiner Schwachheit noch in den Windfängen der Belanglosigkeit vollständig auflöst.

Nichts an den Protagonisten erscheint glaubwürdig. Die schlimmen Finger sind nur schlimm weil sie stets einen sermonartigen Mono- oder Dialog darüber führen wie schlimm und böse sie doch sind und die Lichtgestalten sind so überzogen gut, das es fast schon in die Schmerzgrenze herein ragt. Nebenbei ist da nichts vorhanden von dem was die bisher bekannten, weil viel später entstandenen, Figuren Katzenbergs sonst ausmacht – alles durchsichtig und irgendwie mit einem Hauch wegzupusten.

Da kann er sich Mühe geben wie er will, aber Simon Jäger schafft es trotzdem nicht im entferntesten die Atmosphäre aufzubauen, welche er sonst als Haussprecher der Katzenbach-Hörbücher so gut zu Stande bringt. Er scheint die Austauschbarkeit der ganzen Sache zu bemerken und quält sich durch die Lesung als würde es ihm unangenehm sein die überhaupt machen zu müssen.

Wer Katzenbach erwartete bekommt leider einen recht ruhigen und vorhersehbaren Wohnzimmertiger geliefert. Der mag zwar versuchen zu fauchen, doch kommt es über ein heiseres Husten in ganzen 429 Minuten nicht heraus…Soundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert