Ritus

Ritus

Frankreich im Jahre 1764: Eine Bestie versetzt die Menschen des Gévaudan in Angst und Schrecken. Männer, Frauen, Kinder werden gehetzt – und getötet. Der König setzt öffentlich ein hohes Preisgeld auf den Kopf des Monsters aus. Der Vatikan hingegen entsendet Geheimermittler, die undurchsichtige Ziele verfolgen. Auch der Jäger Jean Chastel beteiligt sich an der Jagd auf die Bestie. Immer wieder kreuzen sich dabei seine Wege mit denen der ebenso energischen wie geheimnisvollen Äbtissin Gregoria. Beide können nicht ahnen, dass sie kaum mehr sind als Figuren in einem erschreckenden Spiel, das auch über 200 Jahre später noch nicht beendet sein wird …

Sprecher: Jochen Nix

6 CD, Spielzeit: 475 Minuten

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Die Geschichte beginnt im Jahr 1764 mit einer Begebenheit die mir nur zu bekannt vor kam. „Pakt der Wölfe“ fiel mir sofort ein als ich die ersten Minuten gehört hatte und befürchtete das hier einfach nur die Grundgeschichte übernommen worden wäre und weiter gesponnen wurde. Doch weit gefehlt. Nach dem ersten Vergangenheitstrip geht es in München des Jahres 2004 in dem sich in gewisser Eric von Kastell auf de Suche nach „Wandelwesen“ macht um diese zu vernichten. Wer hier nun eine Verwandtschaft zum Jäger Jean Chastel aus der Vergangenheitsepisode vermutet – nun ja, es liegt schon namentlich sehr nahe.

Die Geschichte von „Ritus“ richtete sich nur in den groben Grundzügen an der realen und überlieferten Begebenheit der “ Bestie von Gévaudan“ welche wirklich, im Frankreich des siebzehnten Jahrhunderts ihr mörderischen Unwesen trieb. Es wurde nie geklärt was damals wirklich geschehen ist und der Film „Pakt der Wölfe“ gibt eine Erklärung ab die sich eher auf einer realistischen Basis abspielt – nicht so „Ritus“. Hier sind die übersinnlichen Wesen real und aktiv. Nicht nur Werwölfe, sondern auch andere Wandelwesen machen die Erde unsicher und bedrohen die Menschen.

Die Geschichte weiß zu faszinieren. Heitz gelingt es immer wieder neue Wendungen einzubringen und sie so unterhaltsam zu halten. Freunde von Werwölfen und den Geschichten um die Lycantropen, wie ich es einer bin, werden sicher schon das ein oder andere im voraus erahnen können, doch ist die Story nicht so platt und überschaubar gemacht das selbst mir ein größerer Aha-Moment vergönnt war. Welcher sei hier jedoch nicht verraten. Die „Auflösung“ ist zwar streckenweise recht naheliegend, doch kamen mir immer wieder Zweifel ob ich denn nun Recht behalten würde oder nicht – ich behielt nicht Recht.

Interessant ist auch die Springerei zwischen den beiden Handlungsebenen. Hätte ich eine reine Handlung im siebzehnten Jahrhundert präsentiert bekommen, wäre mir das sicher zu langweilig, fantasyhaft und uninteressant gewesen. Doch gerade durch die Übertragung in die heutige Zeit wird die ganze Sache erst interessant und rutscht so auch in den Bereich des Grusel/Horror ab – was mir sehr gut gefallen hat. Auf der einen Seite kämpft der Jäger Jean Chastel gegen die Bestie um das Leben seiner Söhne und in der heutigen Zeit ist Erik von Kastell auf der Jagd nach den Mördern seines Vaters – und es besteht eine unheimliche Verbindung zwischen all dem.

Jochen Nix war mir bisher namentlich als Sprecher unbekannt und seine Stimme hatte ich auch vorher nein als markant wahr genommen – obwohl ich sie hier nicht zu ersten Mal gehört habe. Er liefert eine gute Lesung ab und es gelingt ihm meistenteils nicht zu distanziert an die ganze Sache heran zu gehen. Doch hätte ich mir eine wenig mehr spielerischen Einsatz erwartet. Doch kann die unheimliche und spannende Story die streckenweise nicht vorhandene Auslebung der Charaktere kompensieren, auch wenn teilweise ein paar Stellen nicht so beherzt gelesen wurden wie sie es eigentlich verlangt hätten.

Doch alles in allem war ich rundum zufrieden mit diesem Hörbuch, denn es gibt nicht sehr viel gute Geschichte die sich mit meiner Lieblingsgattung der Nachtgeschöpfe befassen…Soundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert
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