brennende Schatten, Der

brennende Schatten

Venedig, 1830. Magie ist alltäglich. Stadtgardisten reiten auf steinernen Löwen durch die Gassen. Arcimboldo, der 15-jährige Lehrling eines Spiegelmachers, findet am Ufer der Lagune eine schwer verletzte Meerjungfrau namens Unke. Er erkennt sie am typischen Haifischmaul – allerdings ist ihr Fischschwanz verschwunden und wurde durch ein paar menschliche Beine ersetzt.

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Das Venedig, in dem diese Geschichte beginnt, ist nicht das welches wir kennen. Hier herrschen noch Magie und Fabelwesen und das Übernatürlich ist so alltäglich wie das natürliche. In diese Welt begibt sich Unke, eine Meerjungfrau, aus Liebe zu einem Menschen. Sie gibt ihren Calimar, den Fischschwanz der Meerjungfrauen, einer Meerhexe und diese gibt ihr die Möglichkeit an Land zu gehen indem sie Unke die Beine einer Ertrunkenen verleiht. Doch hat Unke nicht mit der Macht des Geldes und des Besitztums gerechnet. Ihr Auserwählter verleugnet sie und ein aufgebrachter Pöbel bringt Unke fast um. Im verletzten Zustand findet Archimboldo, der Lehrling eines Glasmachers, die Meerjungfrau und rettet sie vor der Stadtgarde. Unke versucht sich in das Leben der Menschen ein zu gewöhnen, doch will es ihr gelingen, da die Menschen in Furcht vor ihr und Ihresgleichen leben. Archimboldo und Unke beschließen Unke ihren Calimar wieder zu beschaffen. Doch dazu müssen sie die Meerhexe austricksen. Und nicht nur die Meerhexe stellt eine Gefahr im Meer dar – da ist auch der „brennende Schatten“.

Was der Zuhörer hier geboten bekommt ist eine sehr gewagte, aber dennoch funktionierende, Mischung aus der kleinen Meerjungfrau von Andersen, Kapitän Nemo, ein wenig ägyptischer Mythologie, Marco Polo und einem kleinen Schuss League of extraordinary Gentleman. Diese Mixtur weiß zu unterhalten und kann durch ihre einzigartige Zusammenstellung der unterschiedlichsten Literaturgattungen eine eigene stimmige Atmosphäre erzeugen.

Zwischendurch musste ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen, das es sich hierbei um eine Radioproduktion handelt und nicht um ein Hörspiel das von vorne herein als CD-Kaufversion geplant gewesen ist. Doch die Umsetzung ist, gerade im zweiten Teil, Sundbombast pur. Die Effekte sind teilweise so ohrenbetäubend dramatisch in Szene gesetzt, das man die sonst teilweise doch eher spartanische Gangart eines Radiohörspiels kaum noch bemerken kann. Von Anfang an wird versucht mit einem fast nie abreißenden Klangteppich eine dichte Atmosphäre zu schaffen und diese auch bis zum Ende hin zu halten – und es gelingt.

Die Sprecher leisten das ihre dazu um die Illusion fast perfekt an den Zuhörer zu bringen. Laura Maire als Unke ist so überzeugend in ihrem Spiel das man die kleine Meerjungfrau – die sich jedoch ihrer Haut mehr zu wehren weiß als das klassische Pendant – ihr problemlos abnimmt. Peter Fitz ist in seiner ruhigen Erzählweise, die aber zu keiner Zeit distanziert wirkt, ein sehr glaubhaften „Archimboldo Senior“ und Florian Seigerschmidt, als der jüngere agierende Glaserlehrling, macht ab und an den Eindruck das er die Tauchfahrt mit der Meerjungfrau beim einsprechen im Geiste miterlebt. Der Rest der Sprecher ergänzt diesen guten Hauptcast und bereichert die Geschichte stimmlich zum besten.

Den einzigen negativen Punkt den ich bei dieser Produktion entdecken konnte ist die Trackaufteilung der CDs. Jede der CDs muss mit einem einzigen Track, von jeweils über 50 Minuten Länge, auskommen. Das ist recht Benutzer unfreundlich und da hätte doch eine bessere Aufteilung, in mehrere und vor allem kürzere Tracks, mehr Sinn gemacht.

Ein ungewöhnlich opulentes und mitreißendes Radiohörspiel…Soundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert