Moby Dick (Hörverlag)

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„Da bläst er! – Da bläst er! Ein Buckel wie ein Schneeberg! Es ist Moby Dick.“ Der weiße Wal und Kapitän Ahab, sein von unauslöschlichem Hass getriebener Jäger, sind mythische Figuren, die sich von Buch und Autor längst gelöst haben. Und doch ist Hermann Melvilles Bericht von einem ungeheuerlichen Abenteuer ein Werk, das es immer wieder zu entdecken gilt.

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„Nennt mich Ismael!“

So beginnt das Abenteuer um den weißen Wal zumeist – auch diesmal sind es fast die ersten Worte die sich dem Zuhörer einprägen und ihn erkennen lassen wo er jetzt ist: In der Welt des Kapitän Ahab. Der, verkrüppelt durch den weißen Wal, seine Rache und Vergeltung sucht. Auf diesen getriebenen Charakter trifft nun Ismael und begleitet Ahab auf seiner Odyssee die nur ein Ziel hat – den Tod des Moby Dick.

Die dem Hörspiel zu Grunde liegende Übersetzung, von Matthias Jendis, scheint sich recht genau an den Originaltext zu halten. Zumindest wirken die Ausdrücke alt und der damaligen Zeit angemessen.

Rufus Beck ist hier in seinem feuchten Element. Er tanzt teilweise regelrecht durch die sehr langen Erzählerpassagen und auch seine Spielszenen sind mit einer Leichtigkeit vorgetragen, das man meint ihm sei Ismael bereits vor langer Zeit in Fleisch und Blut über gegangen.

Manfred Zapatkas Darstellung des Ahab ist teilweise furchteinflößend. Der Wahn des Kapitäns scheint lebendig zu werden, wenn er beginnt sich in die Rage der mentalen Waljagd hinein zu steigern und diese dann bis ins kleinste Detail aus zu spielen.

Besonderes Highlight, wenn auch nur kurz an der Gesamtlänge der Produktion gemessen, ist der Auftritt von Hermann Lause als Seepastor Mapple. Nach der etwas befremdlichen Beschreibung des Innenlebens der Kirche ist seine Predigt ein besonderes Ereignis. Es ist möglich jeden in seiner Sprache mit Gottes Wort anzusprechen, auch die Seeleute – und so strotzt diese Predigt nur so von Fachausdrücken der damaligen Walfänger.

Ein wenig störend empfand ich die Einschübe des zweiten Erzählers, der Herman Melville darstellen soll. Mit Felix von Manteuffel genial besetzt, hatte ich jedoch nicht das Gefühl dass dieses Stilmittel unbedingt von Nöten gewesen wäre, da es kaum zur Weiterführung der Geschichte oder zur Vertiefung dieser beiträgt.

Ansonsten glänzen die restlichen Sprecher in ihren Rollen, jeder auf seine Art. Rudolph Taruoura Grün ist als Queequeg ein sehr überzeugender „Kannibale“ und man kann ihm den bösartigen Schrumpfkopfhersteller spielend abnehmen, so sympathisch fand ich seine Stimme. Ulrich Matthes, Bernhard Schütz und Charly Huber beleben die Offiziere der Pequod und Horst Lebinsky, als Peter Coffin ist ein wahre Freude anzuhören.

In diesem Hörspiel ist irgendwie alles Wal, selbst die Musik. Viele der Musikstücke sind mit Walgesängen versetzt und erschaffen so eine recht unheimliche Atmosphäre. Auch an den Geräuschen mangelt es in den Spielszenen nicht. Da platschen die Ruder ins Wasser, da knarren die Schiffsplanken, blähen sich die Segel im Wind und die Wandten krachen.

Das Booklet ist seht umfangreich und informativ gestaltet. Man findet dort, neben Sprecher- und Spielzeitangaben der einzelnen CD, diverse Interviews, Aufsätze, Zeichnungen und einen Glossar zu nautischen Fachbegriffen. Das rundet die Gesamtqualität des Hörspiel noch ab. Nicht nur über 9 Stunden Hörgenuss, sondern auch noch ein paar Minuten Lesespaß, bringt es mit sich.

Des weiteren…

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…erschien 2005 der Adventure Cut des Hörspiels. Hier sind die wichtigsten Momente der Waljagd in knapp 80 Minuten zusammen gefasst und es kommt einem nicht so vor, als wären da wirklich noch 8 Stunden mehr produziert worden. Die Cutschere wurde sehr behutsam angesetzt und hat die Geschichte gerafft und nicht kastriert. Wie man hört kann man auch eine guten Cut fabrizieren. Der Vergleich von beiden Version miteinander war für mich ein besonderes Erlebnis, denn beide wissen den Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Auch wenn die Cutversion wesentlich actionlastiger ist und die psychologische Ausleuchtung der Charaktere eher vernachlässigt, so kann sie doch durch ihre Dichte überzeugen.

Die wohl opulenteste Jagd nach dem weißen Wal die jemals als Hörspiel umgesetzt wurde. Auch wenn die Spielzeit viele abschrecken mag, so sei doch angeraten der langen Version eine Chance zu geben. Da man solch ein Hörspiel kaum in einem Stück hintereinander hört, fallen auch die langen Erzählpassagen kaum ins Gewicht und der Wiedereinstieg ist selbst nach etwas längerer Pause keine Problem. Auch wenn mir der Einsatz des zweiten Erzählers nicht so recht zusagen wollte, wird dieser einzige Negativpunkt doch durch die ganzen anderen Pluspunkte wieder vollständig aufgehoben. Spannende und intelligente Unterhaltung auf höchstem Niveau…Soundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert