Schicksalsflut

Schicksalsflut

In einem Wirtshaus eines kleinen Dorfes hocken einige Bauern am Stammtisch. Im Nebenzimmer tagt eine Gruppe von Umweltschützern. Der Fluß, der durch das Dorf fließt, steigt über die Ufer. Die Bäche und Gräben, die in den Fluß laufen, überschwemmen die Äcker und Felder. Die Ernte beginnt davonzuschwimmen. Schließlich läßt der Sturm die Stromversorgung zusammenbrechen. Das Dorf ist von der Außenwelt abgeschnitten. In das lustige Stammtischleben schleicht sich Katastrophenstimmung. Als das Wasser auch die Räume des Wirtshauses überflutet, bricht die dörfliche Idylle auseinander. Längst angestaute Spannungen brechen auf, es kommt zu bösen Auseinandersetzungen und Panik macht sich breit.

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Wenn man die kurze Beschreibung der Geschichte so sieht, schleicht sich beim Leser der Zeilen die Vermutung ein das es sich um die Vertonung eines Heimatromanes von Ganghuber handeln könnte – dem ist allerdings nicht so. Das Thema ist aktuell und die Geschehnisse könnten sich jederzeit an jedem dörflichen Ort ereignen.

Hier ist mir wirklich keine einzige bekannte Stimme unter gekommen. Auch gibt es keinen stimmlichen Wiedererkennungswert zum opulenten Vorgänger „Hüterin des Lichts“. Jeder Sprecher ist passend zur Rolle ausgewählt und die einzelnen Stimmen bringen die unterschiedlichen Charaktere gut zur Geltung. Mir scheinen fast alle Sprecher im professionellen Bereich angesiedelt zu sein, ohne jedoch bekannt zu sein. Dies beweist wieder die Tatsache das nicht nur die alten Bekannten ein hinhören wert sind, sondern es noch eine Menge unverbrauchte, gute Sprecher dort draußen gibt.

Alles in allem ein Hörspiel für Erwachsene die sich auch von erwachsenen Themen unterhalten lassen können und nicht vor der unheilen, realen Welt zurück schrecken. Sicherlich ist dies ein Hörspiel das ein wenig aus dem gewohnten Dutzendhörspielschema heraus fällt und gerade das macht es interessant.

Das gewählte Thema ist sehr lebensnah und einige Menschen, welche schon einmal von einer Überschwemmung oder Flut betroffen waren, können sich vielleicht in die Akteure hinein versetzen. Die drohende Gefahr und die daraus resultierende düstere Stimmung kommt sehr gut herüber – teilweise etwas zu gut, den es machte sich, ab und an, beim hören etwas Beklemmung und Unwohlsein in mir breit.

Was ich dennoch etwas vermisst habe war der häufigere Einsatz von Musik. Sie ist zwar vorhanden, jedoch hätte etwas mehr Einsatz nicht schaden können. Wobei, sie hätte auch gewisse Stellen eher verharmlost und ihnen die Schärfe nehmen können.

Ein Hörspiel wie es sicher kaum vergleichbares gibt. Herzlich gut gewähltes, unverbrauchtes Thema und eine Umsetzung die nicht sehr viel zu wünschen übrig lässt…Soundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert