02 – Spiegelbild von Geistern, Hassmaschine, Sweaty Betty

Punktown-02

Ein Hassableiter absorbiert die negativen Emotionen des Büroangestellten Cardiff. Aber wie lange kann die kleine Figur den schwelenden Hass wirklich von seinem Ziel ablenken? Klonkünstler Drew lernt schmerzhaft, dass Narzissmus und Selbsthass nur allzu dicht beieinander liegen und in einem der heruntergekommensten Viertel der Stadt treibt ein unheimlicher Schwarm von Mutantenjungen sein Unwesen, dessen Ursprung eine grausame Überraschung für den Bürgerwehrchef Junk bereithält.

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Die Stadt Paxton ist der Schauplatz dieser recht ungewöhnlichen Geschichten. Doch befindet sich Paxton nicht auf der Erde. Die Stadt ist eine Kolonie welche von menschlichen Siedlern auf dem Planeten „Oasis“ errichtet wurde. Paxton ist keine besonders angenehme Stadt, zumindest für die meisten ihrer Bewohner, weshalb sie auch den unrühmlichen Spitznamen „Punktown“ trägt. Und in dieser Umgebung, welche aus einem Bild von H.R. Giger entsprungen sein könnte, geschehen die wildesten Dinge.

In der ersten Geschichte, „Spiegelbild von Geistern“, trifft der Zuhöre auf den jungen Künstler Drew. Drew ist ein ganz besondere Künstler, denn er hat sich der Arbeit mit Fleisch verschrieben. Er erschafft Klone von sich selbst welche er zu künstlerischen Werken umbaut. Doch ist er nicht so distanziert von seiner Arbeit wie er denkt. Die zweite Geschichte erinnert mehr an eine Art Film Noir in der ein Mann sein eigenes „Falling Down“ – man erinnere sich an den Film mit Michael Douglas – erlebt. In der dritten Geschichte begegnet man einer Art von verdrehtem „Blade Runner“.

Schon die erste Story dreht schon voll auf und spart nicht mir erzählerischen Splatterelementen welche durch die Geräusche noch zusätzlich verstärkt werden. Auch mit Verzweiflung, Hass und Gleichgültigkeit wird man während dieses teilweise recht psychedelischen Trips konfrontiert. Wirklich nichts ist positiv oder schön in Punktown, doch strömt alles eine Menge an morbider Faszination und Anziehungskraft aus.

Bei diesem „Hörstück“ wird sehr viel Wert auf die Klanguntermalung der Geschichten gelegt. Obwohl vieles mit mehreren Sprechern ausgestattet ist, hat man immer das Gefühl einer inszenierten Lesung denn eines Hörspiels da die Erzähleranteile sehr hoch ausfallen und auch stets von der bestimmenden Hauptperson zusätzlich gesprochen werden. Die Soundkulisse ist permanent vorhanden und auch mit Musik wird nicht gespart. Und diese Untermalung macht die Geschichte sehr kurzweilig und ich wage zu behaupten das sie dies ohne Musik und Geräusche nicht wären.

In der ersten Story darf sich Gerrit Schmidt-Voss austoben. Er bringt seinen Part mit so viel Ruhe und Tiefe zu Gehör, das einem beim zuhören zwischendrin recht mulmig werden kann. Bernd Hölscher hilft ihm ein wenig bei der ersten Geschichte um in der zweiten dann dafür den Hauptpart sprechen zu können in der Gerrit Schmidt-Voss dann nur eine kleinen Part hat – ausgleichende Gerechtigkeit mag man meinen. In der dritten Geschichte bekommt man dann Jan Spitzer, Heike Schrötter, Gerrit Schmidt-Voss und Simona Pahl zu hören. Ihnen steht Dietmar Wunder zur Seite der dort den dominanten Part des Erzähler inne hat.

Auch wenn hier nichts im Lot ist oder man sich in Schönheit und Freude ergeht, so macht das hören doch einen diebischen Spaß. Selbst wenn dieser vielleicht nur daraus bestehen mag das man froh darüber ist nicht in dieser Welt leben zu müssen. Doch trotz aller skurilen und surrealen Dinge könnte man diese Welt als logische Weiterentwicklung der unsrigen Gesellschaft betrachten, denn die seelischen Tiefen und Abgründe die hier ausgelotet werden sind real und keinesfalls fiktiv…Soundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert
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