01 – Das Pfefferkuchen-Mädchen

Sunset-01

Emily will nach einer Fehlgeburt vor dem Leben davonlaufen – und rennt buchstäblich in ihr Verderben… Harvey erzählt seiner Frau von einem nächtlichen Albtraum – oder war es eine Vorahnung?… Anne bekommt einen Anruf von ihrem Mann – auf dessen eigener Trauerfeier…

Sprecher: Katharina Thalbach, Anna Thalbach

5 CD, Spielzeit: 369 Minuten

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Das neuste Werk des Altmeister des subtilen Horrors besteht diesmal nicht aus einem durchgehenden, dicken Roman, sondern aus vielen kurzen, oder weniger kurzen, Erzählungen. „Sunset“ heißt es und wurde komplett als Hörbuch aufgenommen.

Aufgeteilt in drei Produktionen und eingesprochen von vier Sprechern, treten hier Katharina Thalbach und ihre Tochter Anna an um den Anfang mit den ersten sechs Kurzgeschichten zu machen.

In „Das Pfefferkuchen-Mädchen“ (CD 1 und 2) spielt King wieder den Gefühlen der Zuhörer indem er die Hauptakteurin, Emily, so nah an den Beobachter bringt, das es ihn mitnehmen muss, sobald sie dem Horror ausgesetzt wird. Die Schicksalsschläge welche Emily hinter sich hat prädestinieren sie geradezu dazu als absoluter Sympath auf den Zuhörer zu wirken und man wünscht ihr alles Gute -doch ist dies bei King nicht zu erhoffen, wie man weiß.

Mit „Harveys Traum“, „Abschlusstag“ und „Die New York Times zum Vorzugspreis“, alle auf CD 3, beweist King das er selbst auf kürzester Distanz in der Lage ist seinem Zuhörer Unbehagen zu bereiten. Auf CD 5 und 6 erwartet den geneigten Zuhörer dann da was King bisher so ausmachte und eigentlich auch so einzigartig macht: Der blanke Horror. In „N“ spielt er erneut alle Trümpfe aus die er im Laufe seiner Schriftstellerkarriere bereits einmal gezogen hat. Düster, dunkel und bedrückend kommt diese Einsicht in die seelischen Tiefen des Menschen daher.

Die Steigerung scheint gewollt. Harmlos, oder gar nett, ist diese Lesung zu keiner Zeit, doch von CD zu CD steigert sich die Intensität der Geschichten um ihren absoluten Höhepunkt dann mit „N“ zu finden. Hier sind alle Spielarten des Meisters vertreten und er zieht einen recht großen Querschnitt durch sein stilistisches Können.

Die beiden Thalbach-Damen lesen die Geschichten sehr flüssig und angenehm vor. Wo Anna Thalbach eher distanziert und ruhiger an die Geschichten heran geht, baut Katharina Thalbach Spannung und Atmosphäre durch Spiel und Ausdruck auf. Beiden gelingt es jedoch auf ihre eigene Art und Weise ihre Geschichte an den Hörer zu bringen.

Wenn der Funke auch nicht sofort bei mir über sprang, so wurde dennoch daraus, von CD zu CD zunehmend, ein wahres Feuer an neuentdecktem und altkanntem das dem Wusch auf Nachschub aufkommen lässt. Wie es scheint gelingen King solche kurzen Dinge in der Neuzeit besser als die längeren Geschichten…Soundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert
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