01 – Testmarkt

DlD-01 Babylon, Vereinigte Staaten von Europa, 2009. Jonas hat einen Beruf, den es eigentlich nicht mehr gibt: Privatdetektiv. Er pflegt die Eigenschaften seiner klassischen Vorbilder: Ehrenhaftigkeit. Sturheit. Unverschämtheit. Witz. Ein bisschen Sentimentalität. In seinem neuen Fall steht Joans vor einem Rätsel: Judith Delgados lebensfroher Onkel Adrian aus der Südstadt hat sich aus seinem Appartement im neunten Stock gestürzt. Sam, der Supercomputer von Jonas, weiß dazu Erstaunliches zu berichten.

TrennstrichIn einen Jahr ist es soweit, dann hat die Fiktion die Realität eingeholt – zumindest von der Zeitangabe her. Als Michael Koser diese Geschichte 1984 ersann, lag er mit vielem daneben. Aber in einer Sache hat er zu 100% ins Schwarze getroffen – dem Eur“, den haben wir bekommen.

Ansonsten geht es hier in bester Film Noir-Tradition zu. Ein Sci-Fi-Bogart geht in einer tristen und recht deprimierenden Welt ans Werk und die Seitenhiebe und Anspielungen auf die Zeit der großen, unnahbaren Detektive sind so zahlreich wie die sarkastischen Kommentare des Computers der ihn unterstützt. Koser hat hier ein einzigartiges Ermittler-Duo erschaffen. Den letzten und einzigen seiner Art – in zweifacher Ausfertigung. Jonas, der nur einen Namen hat – nämlich Jonas –, ist der einzige noch existierende Privatdetektiv und Sam, sein Computer, ist durch die fehlgeschlagene Zusatzprogrammierung von Jonas auch zu einem Einzelstück geworden. Diese beiden ergänzen sich auf unterhaltsamste Art und Weise, denn beide triefen nur so vor Sarkasmus und Zynismus.

In seinem ersten Fall, von 40 für das Radio produzierten Fällen, bekommt Jonas den Auftrag einen angeblichen Selbstmord aufzuklären. Dabei werden sämtliche szenischen Mittel bemüht die man sich so vorstellen kann. Die bildhübsch Klientin, das coole Gespräch über den Auftrag an sich, der obligatorische Bürowhiskey – den Jonas aber aus magentechnischen Gründen nicht selbst trinken kann – und auch der Satz „Ich bekomme XX plus Spesen pro Tag!“ wird bemüht – aber alles in Jonastypischen-Stil.

Die Erzählparts von Jonas sind stets mit einer sphärischen Hintergrundmusik unterlegt und somit von den normalen Spielszenen gut zu unterscheiden. Dies ist auch notwendig, da Bodo Primus nur sehr wenig Unterschiede darin macht. Jonas ist eben ein cooler Charakter der dem Vorbild der alten Romane sehr nahe kommt und den damaligen Stereotyp des Privat Eye bis zum I-Tüpfelchen auslebt. Da redet er innerlich genau so distanziert wie mit den Leuten mit denen er in Kontakt kommt. Das war es dann, bis auf die Titelmelodie, aber auch schon mit Musik. Hintergrundgeräusche sind so viele vorhanden wie nötig sind um alles recht real erscheinen zu lassen. Joachim Wichmann, als Sam, spricht den zynischen Supercomputer mit sehr trockener Überzeugung und die Gags sitzen.

Diese Art der Genre-Mischung ist bisher, soweit mir bekannt, einzigartig. Einen Old-Style-Privatschüffler in einer düsteren Sci-Fi-Welt einzusetzen hat seine Reize und die Spielmöglichkeiten sind fast unbegrenzt. Auch wenn Koser alle Arten von Stereotypen einsetzt, für die Science-Fiction modifiziert, so hat man nie das Gefühl er habe sie kopiert.

Einziger Negativpunkt sind die Cover. Durch ihre computergenerierten Bilder wirken sie sehr steril und wollen nicht so ganz zum Inhalt passen. Da hätte ich mir ein paar handgezeichnete Bilder gewünscht die sicher mehr stimmige Atmosphäre ausstrahlen würden. Selbst der Hinweis, das der Bus auf der linken Seite zum Van-Dusen-Platz fährt, kann die ganze Sache nicht wirklich auflockern.

Sci-Fi-Film-Noir der unterhält und zum mehrfachen wiederhören einlädt…Soundsystem-BLAU

 

Thomas Rippert
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