SPIDER-MAN – Homecoming (2017, Marvel Studios, Sony Pictures)

© Marvel Studios, Sony Pictures

Nach längerer Abstinenz meinerseits aus den deutschen Kinosälen, sollte der heutige Besuch des „Astor Grand Cinema“ in Hannover den Beginn einer neuen Kinoära für mich einläuten. Da sich WONDER WOMAN nur noch in 3D und zu uns unpassenden Zeiten auf die Leinwand des Astors traut, fiel die Wahl des Films auf SPIDER-MAN-Homecoming.

Hey, das is ein Film der Marvel Studios, was soll man da verkehrt machen sich den anzusehen?

Der Streifen beginnt mit einer Rückblende kurz nach dem Ende des ersten AVENGERS-Film und die Reste der Chitauri-Invasion werden von freischaffenden Räumungsfirmen beseitigt. Unter anderem ist auch die Firma von Adrian Tooms am Werke, doch als man gerade dabei ist ein Chitauri-Überbleibsel zu zerlegen, taucht die neu formierte DAMAGE CONTROL auf –  eine Behörde, welche sich um die Beseitigung der Schäden kümmert, welche die Superhelden des Marvel Universums so hinterlassen.

Tooms wird mitsamt seiner Firma kaltgestellt und beschließt von nun an mit seinen Leuten aus den bereits erbeuteten Chitauri-Krimskramsen Waffen zu bauen und diese meistbieten zu verhökern um seine Familie zu ernähren, denn Familie geht Tooms über alles.

Sprung nach vorne um acht Jahre. Die nächsten Szenen zeigen die Geschehnisse von CAPTAIN AMERICA – Civil War aus der Sicht von Peter Parker, also dem frisch von Tony Stark rekrutierten SPIDER-MAN.

Nochmals ein Sprung nach vorne zum frustrierten Peter Parker, der von Tony Stark auf´s Abstellgleis gestellt wurde, denn für die AVENGERS ist er nicht Material genug. Ihm zur Seite sollte eigentlich HAPPY HOGAN, Starks Mädchen für alles, stehen, doch der ist eher von dem Teenager genervt und wimmelt Parker ab wo er nur kann. Also sucht Peter sich alles mögliche um Heldentaten zu begehen und sich doch noch für die AVENGERS zu qualifizieren und Tony Starks Aufmerksamkeit zu erregen.

So weit – so langweilig…

Zwar hat man in diesem ersten Aufguss eines SPIDER-MAN aus dem Hause MARVEL STUDIOS auf noch eine weitere Rückblende verzichtet um den bereits x-ten Onkel Ben nochmals über die Klinge schießen zu lassen und Peter somit zu motivieren Gutes zu tun. Auch fehlt der Satz, dass aus großer Kraft große Verantwortung erwächst erfreulicherweise ebenfalls.

Die neue und sexy aufgepimpte Tante May – dargestellt von Marisa Tomei – hatte man schon die Chance im Civil War zu treffen und sich an sie zu gewöhnen. Und nun lernt man auch noch den Rest des MCU-SPIDER-MAN kennen.

Da ist wirklich nichts beim Alten und man weicht hier noch mehr von den Zöpfen des Erde 616-Kosmos ab, als man es in den anderen Filmen bereits getan hat. Bisher hat sich das MCU – Marvel Cinematic Universe – sehr stark an das ULTIMATE-Universum angelehnt, doch auch von diesem weicht man hier extrem weit ab.

Irgendwie will sich dieser Spidey so gar nicht einordnen lassen, denn was man hier unter der Regie von Jon Watts auf die Leinwand schickt entpuppt sich als eine krude Mischung aus allen möglichen Dingen die irgendwie nicht zusammen finden wollen und am Ende eine blasse Melange aus zwar teilweise guten, aber nicht genutzten, Versatzstücken zurück lassen, welche sich nur durch einen einzigen Umstand erklären lassen: Marvel brauchte Spidey für den Civil War und hat so viel Dollars an Sony abdrücken müssen, das sich Investition auch lohnen muss.

Die Story bleibt unspektakulär bis zum Schluss und weit unter dem bisher gewohnten Standard einer MARVEL STUDIOS-Produktion zurück. Tom Holland macht zwar eine bessere Figur als die Grinsekatze Andrew Garfield, aber es reicht noch lange nicht die ganze Chose alleine zu tragen, weshalb man Robert Downey als IRON MAN immer dann ins Rennen schickt, wenn die Story dünner wird als das Papier der ersten Lee/Ditko-Comics heutzutage ist. Ein paar Nebencharaktere aus dem Stark-Clan noch mit ins Rennen geschickt und so sichert man sich auch die Fanbase von IRON MAN.

Für mich ist SPIDER-MAN – Homecoming die erste Enttäuschung der Marvel Studios – den HULK von Ang Lee vergesse ich immer wieder gerne, aber der lief ja eh unter ferner liefen. „Guardians of the Galaxy 2“ habe ich noch nicht gesehen.

Ein schön aufgeplusterter blau-roter PR-Windbeutel, dem selbst Michael Keaton als Adrian Tooms/Vulture nicht mehr vermag ein wenig Sahne in die Lass-uns-die-Spider-Kuh-melken-Innereien zu blasen.

Am Ende – denn man wartet ja brav bis zum Schluss des Abspanns, denn da kommt ja sonst noch etwas – hat man dann erst die Möglichkeit von CAPTAIN AMERICA bestätigt zu bekommen, dass man doch ziemlich dämlich war bis zum Ende sitzen zu bleiben, denn da kommt außer einer verzweifelt satirisch anmutenden Comedy-Einlage mit Chris Evans nichts… bis auf den Umstand das „Spider-Man will return!“, doch den dann nicht mehr im Kino, sondern auf BluRay, denn ein Windbeutel reicht mir aus.

Positiv bleibt für mich nur das „Spider-Man Menü“ übrig, was mit nach der Leerung einen netten Mini-Metalleimer und einen netten Trinkbecher beschert!

Thomas Rippert

Geboren 1966 in Solingen, interessiere ich mich seit frühster Jugend für Bücher, Comics, Filme, Hörspiele, Musik und alle anderen Medien, welche zur Unterhaltung dienen können.

Ich lebe seit 2007 in Hannover - einer Stadt, welche viele Möglichkeiten zum Ausleben des Hobby anbietet.

Kommentare zu konsumierten Medien verfasse ich seit 2007, mal mehr, mal weniger intensiv.